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„Debatten sind oft zu ideologisch“
Gesundheitslandesrat Hubert Messner spricht darüber, warum Gemeinschaftshäuser kein Zwangsmodell sein sollen und warum ihm Debatten oftmals zu ideologisch geführt werden.
SALTO: Herr Landesrat, Sie scheinen viel auf dem Schreibtisch zu haben. Eine staatliche Gesundheitsreform und ein neuer Landesgesundheitsplan 2027-2030. Vor allem die Gemeinschaftshäuser werden noch immer kritisch beäugt.Hubert Messner: Die wohnortnahe Versorgung ist ein wichtiger Schwerpunkt. Wir müssen für die Zukunft gewappnet sein und auf die demografische Entwicklung reagieren können: Die Menschen werden älter. In Südtirol haben rund 31 Prozent der Bevölkerung eine chronische Erkrankung.
Warum dreht man „die Debatte…
Warum dreht man „die Debatte mit über die Berechtigung einer NOT-AUFNAHME nicht um?“
Patienten die in der NOT-AUFNAHME auftauchen, außer den aus schweren Unfällen klar ersichtlichen Fällen, haben 100 € auf den Tisch zu legen.
Statt mit dem Patienten am Schluss der Behandlung „über die Berechtigung der NOT-AUFNAHME zu streiten / debattieren, entscheidet der Arzt ob die NOT-AUFNAHME berechtigt war + die 100 € rück-erstattet werden!“
Antwort auf Warum dreht man „die Debatte… von Josef Fulterer
Dieser Ansatz wurde schon…
Dieser Ansatz wurde schon ausprobiert und erzielt nur das Gegenteil dessen, was man erreichen will. Hier sind die Gründe warum:
1. 100 € ist zu günstig. Wenn Leute sich denken „Ich zahle 100 € und bekomme dafür einen kompletten Gesundheitscheck im Krankenhaus!“, dann ist das eher ein Pull-Faktor und keine Abschreckung.
2. Bürokratischer Aufwand. Die Erhebung des Geldes ist noch das Einfachste, das Problem ist es, gute Kriterien für die Rückerstattung auszuarbeiten und das ist de facto aufgrund der Komplexität nicht möglich. Wenn man die Entscheidung den Ärzten überlässt, öffnet das Gerichtsverfahren Tür und Tor: Wenn ich z.B. eine Rückerstattung bekomme, wenn ich mit Rückenschmerzen in die erste Hilfe gehe und du nicht, dann wird dem entscheidenden Arzt schnell Freunderlwirtschaft vorgeworfen.
3. Ambulanzgebühren widersprechen dem niederschwelligen Charakter: Stell dir vor eine Drogensüchtige mit Eileiterschwangerschaft traut sich nicht in die Erste HIlfe, weil sie sich die 100 € nicht leisten kann?
Der pragmatischste und billigste Weg wäre es, wenn ein Krankenhaus einen Hausarzt für 20-40 Stunden einstellt, der einfach den ganzen Kleinkram in der ersten Hilfe wegarbeitet, damit die Fachärzte sich auf die Fälle fokussieren können, für die sie ausgebildet sind. Der Facharzt behandelt Bagatellleiden aus meiner Sicht oft sogar schlechter als ein Allgemeinmediziner - eben weil es nicht sein Fachgebiet ist.
Ich stimme dem Landesrat zu,…
Ich stimme dem Landesrat zu, dass das Konzept eines Gemeinschaftshauses an sich eine Bereicherung für die Gesundheitsversorgung sein kann. Gerade deshalb stört es mich, dass die Südtiroler Gemeinschaftshäuser in ihrer Konzeption einfach keine attraktiven Arbeitsplätze für Ärzte sind:
Der Landesrat sagt: >> Ihnen wird aber nichts genommen: weder ihre Rolle als Vertrauenspersonen, noch ihre Patientinnen und Patienten, noch ihre Freiberuflichkeit.<<
Das ist aber nur bedingt richtig und leider Rosinenpickerei: Ein Freiberufler bestimmt selbst über sein Arbeitszeiten, seine Arbeitsmittel und sein Personal. Das ist im Gemeinschaftshaus nicht gewährleistet. Wir bewegen uns also immer mehr in Richtung „Scheinselbstständigkeit“, die aktuell in Österreich von den Sozialversicherungen stark kontrolliert wird, weil dies oft Beschäftigungsverhältnisse sind, die viele Vorteile für den „Arbeitgeber“ und Nachteile für den „Scheinselbstständigen“ haben, wie z.B. kein Anspruch auf Bezahlung im Krankenstand, kein Anspruch auf bezahlten Urlaub, Spesen des Scheinselbstständigen muss dieser selbst tragen etc. etc.
Der LR schreibt auch: >>Ich habe den Eindruck, hier kommen aber zu oft ideologische Diskussionen auf. <<
Kritik an den Gemeinschaftshäusern in der aktuellen Form ist nicht ideologisch. Die gebetsmühlenartige Schönrederei des LR hingegen schon. Warum kann er nicht einfach und ehrlich sagen, dass die Gemeinschaftshäuser bei weitem noch nicht so funktionieren, wie sie sollten. In einigen Gemeinschaftshäusern gibt es noch nicht mal eine funktionierende IT, sodass Ärzte Befunde handschriftlich auf Zetteln erstellen müssen.
In der Nacht sollen weibliche Ärztinnen ohne Unterstützung durch Pflege oder andere Mitarbeiter in einem öffentlich zugänglichen Gebäude Dienst verrichten. Ist das durchdacht?
Es ist auch nicht durchdacht, alle Hausärzte im Bezirk dort einspannen zu wollen. Dort sollen dann Ärzte die seit 20 Jahren kein Ultraschallgerät mehr bedient haben plötzlich schallen. ohne dass der Sanitätsbetrieb eine strukturierte Schulung/Weiterbildung durchführt, um die Qualität zu sichern, womit wir wieder bei der Thematik der Scheinselbstständigkeit wären.
Wenn die Gemeinschaftshäuser funktionieren sollen, dann sollte man fixes ärztliches Personal dort anstellen und auch ein sauberes Angestelltenverhältnis vereinbaren. Für Spitzenzeiten oder in Urlaubszeiten kann man dann gerne auch vertretungsweise auf die Hausärzte im Bezirk zurückgreifen, dann aber bitte mit einer marktkonformen Honorierung, z.B. von 100 - 140 € pro Stunde brutto, so wie man es in Österreich in jeder Wald- und Wiesenhausarztpraxis für eine Stunde „ärztliche Tätigkeit“ erhält.
Die Wartezeiten sind immer…
Die Wartezeiten sind immer noch unerträglich lang! Der Messner soll zurücktreten, aber dalli!!