Kultur | Bibliophile Fragen

„Bei mir rauschts noch immer analog“

Der Kabarettist, Entertainer und Autor Dirk Stermann ist demnächst in Südtirol zu erleben. Die „immer gleichen Fragen“ von SALTO hat er bereits beantwortet.
Bild: SALTO/HM

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SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

Dirk Stermann „Mein Bruder, der Torjäger“ von Tony Schwaegerl. Ein Jugendbuch, das ich ungefähr 50 mal als Kind gelesen habe. Wahrscheinlich, weil ich auch gern einen Fußballprofi als Bruder gehabt hätte. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass der Roman ganz schön rassistisch ist, aber das hab ich als Bub nicht mitbekommen.

Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

„Aber in der Welt, wie Garp sie sah, sind wir alle unheilbare Fälle.“ aus: Garp und wie er die Welt sah, John Irving.

Ich wollte es wirklich lesen, habe aber aufgegeben. Mein Fehler, wahrscheinlich. 

Die Republik der Irren: Aus den Irrenhäusern ganz Italiens werden (möglichst ungefährliche) Patienten zu die Ministern im neuen Staat gemacht. Dirk stermann liest aus seinem Roman am 30. September (19 Uhr) in Bozen. SALTO/HM

Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

„Austerlitz“ von W.G. Sebald erschien als sein letztes Buch vor seinem Unfalltod. Als einziges, deutschsprachiges Buch wurde es von der BBC und dem Guardian auf Platz 5 der 100 besten Bücher des 21.Jahrhunderts gewählt. Ich wollte es wirklich lesen, habe aber aufgegeben. Mein Fehler, wahrscheinlich. 

Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

Ein Bezirksjournalist aus Niederösterreich hat mir erzählt, sie hätten ein Experiment gemacht und auf der Titelseite ein zweigeteiltes Bild gezeigt. Links ein Wolkenkratzer aus New York, rechts eine „Lagerhaus“-Filiale aus Niederösterreich. Mehr als 75 % der Leser hätten zuerst aufs Lagerhaus geschaut. Weil: das kennen sie, das ist ihre Welt. Bei Lokalkrimis wird es ähnlich sein. 

Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen

Obwohl ich als Autor bei Rowohlt bin, vertraue ich blind den Tipps der Österreich-Vertreterin des Diogenes-Verlags Bettina Wagner und meiner Buchhändlerin Anna Jeller in Wien.

Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?

Die gesammelten Werke von Ferdinand Raimund.

Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

Ich habe noch nie ein Buch am E-Book Reader gelesen. Bei mir rauschts noch immer analog.

Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen? 

Iaco Rigo, um endlich mein Ladinisch zu verbessern.

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