Gesellschaft | Alpinsport

„Mehr als doppelt so viele Todesopfer“

Thomas Hellrigl von der Bergrettung und Michela Munari vom Amt für Meteorologie erklären die hohe Lawinengefahr im heurigen Winter und rufen zu Eigenverantwortung auf.
Unsplash / Shutter Speed

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Im Winter 2025/26 ist die Zahl der Lawinentoten in Europa ungewöhnlich hoch. Bis Mitte März 2026 wurden bereits über 125 Todesopfer in den Alpen verzeichnet, alleine in Südtirol kamen 14 Menschen ums Leben. Erst am vergangenen Wochenende hatte ein Lawinenabgang in Ridnaun vier Tote und einen Schwerverletzten zur Folge.

Thomas Hellrigl: Er leitet die AVS-Bergrettung. AVS-Bergrettung

„Das sind mehr als doppelt so viele wie im Durchschnitt, der bei sechs Todesopfern pro Wintersaison liegt“, sagt Michela Munari, Direktorin vom Amt für Meteorologie und Lawinenwarnung. Diese Zahl sei insbesondere auf das Lawinenunglück unterhalb der Vertainspitze im Ortlergebiet Anfang November zurückzuführen, bei dem fünf Bergsteiger ums Leben kamen, sowie auf die besondere Lawinen- und Schneelage in dieser Wintersaison.

„Wir haben es in diesem Jahr mit einem schneearmen Winter zu tun. Das heißt, dass es wenig Niederschlag in Form von Schnee gegeben hat und wir aktuell ein typisches Altschneeproblem haben“, erklärt Thomas Hellrigl, Leiter der Bergrettung beim Alpenverein Südtirol (AVS). 

Die Zahl der Todesopfer ist auch in Österreich und Frankreich besonders hoch, während sie in der Schweiz derzeit leicht unter dem Durchschnittswert liegt. Es handle sich laut Munari also um ein alpenweites Phänomen, das auf die Bedingungen zurückzuführen ist, die den Winterbeginn geprägt und die aktuelle Schneedeckenstruktur bestimmt haben.

Alpinsport im Trend

Da der Alpinsport sowohl bei Einheimischen als auch bei Urlaubsgästen weiterhin hoch im Kurs ist, sind viele Menschen in den Bergen unterwegs. „Heuer ist wegen der besonders hohen Gefahr, speziell eben wegen des angesprochenen Altschneeproblems, auch eine erhöhte Vorsicht geboten, wobei in den Frühlingsmonaten mit weniger Neuschnee zu rechnen ist. Wegen der steigenden Tagestemperatur empfiehlt es sich in der ersten Tageshälfte unterwegs zu sein und frühzeitig zu starten, da die Schneeschmelze mit der Tageserwärmung zu Lawinen führen könnte“, so Hellrigl.

Alpinsport: Viele Einheimische und Urlaubsgäste zieht es im Winter in die alpine Naturlandschaft – trotz Gefahren. Unsplash / Datingjungle

Einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel sieht der Bergretter nur zum Teil. „In den letzten Jahren gab es auch sehr schneereiche Winter. Durch die Gletscherschmelze steigt derzeit eher das Risiko von Steinschlag und Hangrutschungen in den Bergen“, erklärt Hellrigl. Auch Munari vom Amt für Meteorologie erklärt, dass die derzeit höhere Lawinengefahr nicht in Zusammenhang mit dem Klimawandel stehe. „Festzuhalten ist jedoch, dass es aufgrund des Klimawandels zu einer Zunahme von Gleitschneelawinen zu Beginn des Winters kommen wird, und generell steigt die Schneefallgrenze zunehmend an“, so Munari.

Prävention und Information

Die Bergrettung setzt deshalb auf Präventionsarbeit und empfiehlt eine gute Vorbereitung vor jeder Tour. „Für den Alpinsport sind Wissen und Erfahrungswerte wichtig, beispielsweise kann eine Tour aufgrund der Schneeverhältnisse in einem Jahr auch gar nicht begehbar sein“, sagt Hellrigl. „Skitouren können sehr wohl noch unternommen werden, es bedarf jedoch wie immer einer guten Vorbereitung. Nach wie vor bleibt es bei der Eigenverantwortung der Alpinisten, ob eine Tour unternommen wird oder nicht.“

Munari vom Amt für Meteorologie empfiehlt außerdem sich bei Skitouren, Schneeschuhwandern, Bergsteigen und Eisklettern, über die Witterungs- und Schneeverhältnisse zu informieren und eine alternative Route zu planen, sollten die Bedingungen vor Ort zu gefährlich werden. 

„Der Lawinenwarndienst veröffentlicht gemeinsam mit den Diensten in Tirol und Trient täglich einen Lawinenbericht. Zudem erscheint wöchentlich ein Blogbeitrag, der die Lawinensituation ausführlich beschreibt und die aufgetretenen Lawinenunfälle analysiert“, sagt Munari.