Räume erobern
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Zwischen Salzburg und Südtirol bestehen kulturelle Verbindungen – aber nicht nur. Ein besonders enger Bezug zwischen Salzburg und dem Süden des alten Tirols entstand bereits vor knapp einem Jahrtausend über die Kirche, nachdem das ehemalige Bistum Brixen rund neun Jahrhunderte lang dem Erzbistum Salzburg unterstellt war. Dadurch entstanden seit jeher enge personelle und kulturelle Beziehungen zur Mozartstadt. Auch die Option von 1939 hat sich in die Geschichte Salzburgs fest eingeschrieben. Viele Südtiroler und Südtirolerinnen übersiedelten dorthin und bewohnten mitunter die in Salzburg und Umgebung entstandenen Südtiroler-Siedlungen.
Es sind genau dieselben Probleme. Es sind wunderschöne Täler, aus denen die Leute wegziehen, weil sie keine Arbeit haben.
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Es gibt auch eine geografisch direkte Verbindung zwischen den beiden Gegenden: den Krimmler Tauern, der jahrhundertelang eine wichtige Route zwischen Salzburg und dem Süden darstellte. Es bestanden bedeutende Wege ins Ahrntal, die mitunter auch zu Fluchtwegen wurden. Internationale Bekanntheit erreichte dieser Übergang durch eine Begebenheit im Sommer 1947, als Tausende Juden und Jüdinnen über den Gebirgspass von Österreich nach Italien „geschmuggelt“ wurden. Es waren Überlebende des Holocaust, die in österreichischen Sammellagern untergebracht waren. Seit 2007 erinnert Alpine Peace Crossing mit einer alljährlichen Friedenswanderung über den Krimmler Tauern sowie weiteren Veranstaltungen an diese Flucht. Heuer am 4. und 5. Juli.
Bei der heutigen Vorstellung des zum dritten Mal ausgetragenen Veranstaltungsformats kultur.raum Südtirol Österreich beherbergt das Südtiroler Kulturinstitut – nach Vorarlberg und Tirol – das Gastland Salzburg.
Im oberen Foyer wird dazu grenzüberschreitend eine Fotoausstellung mit Arbeiten des Fotografen Kurt Kaindl gezeigt. Für Kenner und Kennerinnen der Minderheitengeschichte Europas ist er kein Unbekannter. Im Rahmen der Buchprojekte Die unbekannten Europäer und Der Rand der Mitte besuchten er und der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß bekannte und weniger bekannte, meist existenziell bedrohte europäische Volksgruppen. Und nun holte Kaindl – ohne Gauß – auch die Südtiroler Minderheitenrealität vor die Linse.
...viele Traditionen, viele Kulturgewohnheiten, viele Kulturpraktiken...
„Ich muss sagen, ich finde ja, das ist ein Kulturraum und ich merke da eigentlich kaum einen Unterschied. Es sind genau dieselben Probleme. Es sind wunderschöne Täler, aus denen die Leute wegziehen, weil sie keine Arbeit haben. Es gibt ein Tourismusproblem, ein totales Verkehrsproblem“, meint er nach der Eröffnungsveranstaltung gegenüber SALTO. Er habe „bewusst nicht versucht, Unterschiede zu fotografieren“, glaube aber, „der Veranstalter hier hätte sich das erhofft“, schmunzelt er, denn für ihn sei das „ein Raum“.„Es gibt vieles, was wir miteinander teilen: viele Traditionen, viele Kulturgewohnheiten, viele Kulturpraktiken – und darum ist es an der Zeit, dass wir dem Ganzen auch begegnen“, lobte der über Monitor zugeschaltete Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll und wünschte „viel Freude und viele neue Erkenntnisse“. Philipp Achammer, der Schnöll erst vor wenigen Tagen beim Eurovision Song Contest in Wien getroffen hatte, sprach über die rauen Zeiten der Gegenwart. Er wünschte sich „mehr Gelassenheit“ sowie mehr Offenheit, Respekt und Fairness, um die „Herausforderungen der Zeit auch zu meistern“.
Im Anschluss ging es mit den Sozialarbeitern und Kulturpädagogen Florian Pallua und Robert Miksch um notwendige Veränderungen, damit „gesellschaftlicher Ausgleich durch die Teilhabe aller Menschen“ entstehe. Seit Jahrzehnten gebe es einen Wandel kultureller Ausdrucksformen junger Menschen, betonten beide. „Jugendliche beteiligen sich sowohl an Jugendkultur als auch in Verbindungen zur sogenannten Hochkultur.“ Es gehe darum, Räume zu erobern. „Kultur soll offen, zugänglich und gemeinsam gestaltet werden.“
Dazu gab es Klänge von Mozart (Jonas Oberstaller am Keyboard) und ideal in den Mund passende Schokokugeln.
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