Ausflug | Wandertipp

Zu den Eislöchern in Eppan

Ein Spaziergang mit Abkühlung: Die Eislöcher bei Eppan bieten selbst im Hochsommer kühle Luft, ein Naturerlebnis und schöne Ausblicke für die ganze Familie.
Oswald Stimpfl

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Heute geht’s gemütlich zu, wir unternehmen eine einfache und somit auch für Familien mit Kindern geeignete Wanderung im Überetsch, wir wandern -eigentlich sollte ich eher sagen, wir spazieren- zu den Eislöchern, einem geologischen Naturschauspiel in der Nähe von Eppan. Bei dieser einfachen Wanderung erleben wir weiters die wunderbare Überetscher Kulturlandschaft mit ihren Reben und Obstanlagen, den zahlreichen Kirchen, Burgen und adeligen Ansitzen.

Einst sind große Felsblöcke aus rotbraunem Porphyr vom höher gelegenen Gand-Berg abgebrochen, dadurch ist eine riesige Geröllhalde entstanden, an ihrem Auslauf hat sich eine Mulde gebildet, die nun von dichter Vegetation überwuchert ist. Aus moos- und farnüberwucherten Höhlen und Spalten strömt eiskalte Luft, die in dieser Mulde liegen bleibt, es ist dort auch im Sommer deutlich kühler, oft bilden sich in diesen Spalten Eiskrusten und -zapfen. Da kann einem an diesem mystischen Ort schon ein wenig unheimlich werden. Im Lauf der Wanderung kommen wir an einem schönen Ausflugsgasthaus vorbei, für Kulturbewusste liegt auch das Museum Schloss Moos-Schulthaus an unserem Rundweg.

Infos in Kürze

Lohnende Familienwanderung, Kinder haben sowohl am abwechslungsreichen Weg als an den Eislöchern ihren Spaß. Für Kinderwagen nicht geeignet, grobe Steigstücke, Stufen. Auch im Sommer ideal, viel Wald.

Schwierigkeit: leicht

Startpunkt: Am Ortseingang von Oberplanitzing, großer freier Parkplatz, Wegweiser 

Strecke: 5,1 km

Gehzeit: 1:45 h 

Höhenmeter: 180 m

Anfahrt: Zwischen Eppan und Kaltern beim Maxi Mode Center auf die Mendelpassstraße SS42 abbiegen, nach 1,7 km Parkplätze beim Hundeübungsplatz

Öffis: Mit dem Überetscher Express nach Eppan, dort mit dem Citybus Kaltern (Linie 135) bis Oberplanitzing. Fahrpläne auf suedtirolmobil.info.

Zum Wegverlauf

Wir starten am Dorfeingang von Oberplanitzing, dort finden wir einen großen Parkplatz, dahinter einen Hundeübungsplatz und die ersten hölzernen Wegweiser „Eislöcher“ Nr. 15. Wir folgen den Wegweisern, überqueren die Wendelstraße und gehen an der Ruine der ehemaligen Georgs-Kirche in den Laub-Mischwald. Bald beginnt ein recht holpriger Steig, er schlängelt sich durch Felsblöcke, bald geht es über breite Stufen bergab in die Mulde, neben dem Steig gibt es einen Handlauf, nicht weil der Weg gefährlich ist, aber die Besucher sollen auf den Wegen bleiben und nicht über das Gelände, das als Biotop ausgewiesen ist, laufen. Es ist plötzlich deutlich kühlere Luft zu spüren. Unmerklich kommen wir aus der Mulde heraus, an einer Wegteilung nehmen wir den Waldweg 7/A in Richtung Steinegger, unserem Etappenziel. Dort haben wir einen prächtigen Blick zum Bozner Talkessel und zu den Dolomiten im Hintergrund.

Nach der Einkehr, wir haben es uns auf der Terrasse gemütlich gemacht, gehen wir auf Weg 540 auf eine Asphaltstraße durch schönste Weinberge bergab bis Schloss Moos-Schulthaus, dort biegen wir in südlicher Richtung ab. Bald verlassen wir den Asphalt und nehmen einen Waldweg, die Wegweiser führen uns wieder zu den Eislöchern zurück, wir sind wieder auf unserem bereits bekannten Hinweg und am Parkplatz angelangt. Wer will, geht noch die wenigen Minuten bis ins reizende Dörfchen von Oberplanitzing, wo wir im Gasthaus Masatsch eine weitere Einkehrmöglichkeit finden

So erklären Fachleute auf den Erklärungstafeln bei den Eislöchern diese Erscheinung: „Das seltene Naturphänomen der Eislöcher erklärt man mit dem physikalischen Prinzip der Windröhre: Luft strömt durch ein Spaltensystem zwischen den Porphyrblöcken des Bergsturzes der Gand von oben nach unten und kühlt sich dabei ab. Die schwere kalte Luft bleibt als Kaltluftsee von etwa fünf Metern Höhe in der Mulde liegen. Infolge dieses kühlen Klimas gedeihen hier auf etwa 500 Metern Meereshöhe Pflanzen, die sonst nur in wesentlich höheren alpinen Regionen zu finden sind. Die Vegetationsabfolge ist hier umgekehrt: an der Basis des Kessels gedeihen kälteresistente, am Oberrand wärmebedürftige Pflanzen. Auf engstem Raum findet man so eine große Vielfalt von über 600 Pflanzenarten.“

Schloss Moos-Schulthaus

Das Museum Schloss Moos-Schulthaus ist ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Architektur und Lebensweise. Der historische Ansitz wurde liebevoll restauriert und als Museum für mittelalterliche Wohnkultur und Volkskunst geöffnet. Die Besucher erwartet eine Zeitreise durch gotische Räume mit originalen Einrichtungen, Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert und seltenen Fresken. 

Geöffnet April - November. Führungen: dienstags bis sonntags um 11:00, 12:00, 14:00 und 15:00 Uhr. Montags Ruhetag: www.moos-schulthaus.it

 

Sehenswürdigkeit: Am Weg liegt auch das Museumsschloss Moos-Schulthaus. Oswald Stimpfl

Einkehrtipp

Steinegger

Aus einem Bauernhaus mit Ausflugsgasthaus hat sich der Steinegger im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Hotelkomplex weiterentwickelt, bei dem Wanderer und Tagesgäste gern gesehen sind. Familie Eisenstecken, Matschatscherweg 9, Eppan, Tel. 0471 662248, www.steinegger.it. Geöffnet von Ostern bis Anfang November. Großer, gut ausgestatteter Kinderspielplatz. Mittwoch Ruhetag.

Hotel Restaurant Masatsch

Inklusionshotel mit eigenem Restaurant, Genuss & Begegnung für alle. Alles anders, alles gut.­ Gastgarten, Terrasse, barrierefrei. Oberplanitzing 30, www.masatsch.it, So. Ruhetag. 

Am Dorfeingang von Oberplanitzing öffentlicher Kinderspielplatz (gehört nicht zum Hotel)