Politik | Kaltern

Klosterstreit bald zu Ende?

Der Gemeinderat Kaltern entscheidet heute über den Kauf des Tertiarklosters. Während die Opposition sich dagegen ausspricht, hat die SVP-Sozialsparte eine neue Idee.
Das Tertiarkloster (rechts) sorgt seit Monaten für Aufregung in Kaltern: Das angrenzende Gebäude (links) gehört ebenfalls den Tertiarschwestern. Die Caritas Domus betreibt im Klosterkomplex 12 Wohnungen für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Bild: SALTO/HM

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Am heutigen Donnerstagabend (27. August) fällt möglicherweise eine wichtige Entscheidung in der Causa rund um das Tertiarkloster in Kaltern. Der Bürgermeister der Marktgemeinde, Christoph Pillon (SVP), hat diesbezüglich auf dem Dringlichkeitswege eine Gemeinderatssitzung für heute um 20:30 Uhr einberufen. Laut einer Presseaussendung von Kaltern Gemeinsam Insieme soll dort über den Beschluss, das Gebäude zu erwerben, abgestimmt werden. Beim Tagesordnungspunkt zum Tertiarkloster wurde außerdem vermerkt, dass gleichzeitig ein Kaufangebot unterbreitet werden soll.

Der Gegenvorschlag

Die Oppositionspartei Kaltern Gemeinsam Insieme spricht sich nach wie vor gegen den Ankauf des Tertiarklosters durch die Gemeinde aus: Sie fänden es falsch, dass die Gemeinde rund 2,5 Millionen Euro dafür ausgebe und sich damit auf „ein finanzielles Abenteuer“ einlassen wolle. Der Kaufpreis sei erst der Anfang, da für „Sanierung und Renovierung des Gebäudes sowie für die künftige Instandhaltung und den Betrieb weitere erhebliche Summen“ notwendig seien. Auch kritisiert Kaltern Gemeinsam Insieme, dass die Gemeinde noch nicht mitgeteilt habe, welche anderen Projekte dafür auf Eis gelegt oder gestrichen werden müssen.

Die Gemeinderäte von „Kaltern Gemeinsam Insieme“: Helmuth Sinn, Christian Mayr, Karin Tanzer und Werner Atz (von links). Kaltern Gemeinsam Insieme

Kaltern Gemeinsam Insieme betont in der Pressemitteilung, in der heutigen Gemeinderatssitzung gegen den Vorschlag zu stimmen - deren Gegenstimme wird aber vermutlich nicht ins Gewicht fallen, da die SVP über eine komfortable absolute Mehrheit im Gemeinderat verfügt und das Vorhaben somit alleine durchsetzen kann.

Als Alternativlösung fordert Kaltern Gemeinsam Insieme die Gemeinde dazu auf, die Gespräche mit der Vinzenzgemeinschaft wiederaufzunehmen – sie sprechen sich schon seit geraumer Zeit für jene Lösung aus, die auch die ausziehenden Tertiarschwestern vorgeschlagen hatten. In der aktuellen Pressemitteilung schlägt die Oppositionspartei eine verbindliche Vereinbarung zwischen Gemeinde Kaltern und Vinzenzgemeinschaft vor, worin festgelegt werden könnte, dass der soziale Auftrag des Hauses erhalten bleibe, „auch bedürftige und sozial benachteiligte Kaltererinnen und Kalterer berücksichtigt werden und dass die Gemeinde bei der Zuweisung von Plätzen und bei wichtigen Fragen der Entwicklung der Einrichtung mit eingebunden“ werde.

Im Garten Eden: Kaltern Gemeinsam Insieme plädiert dafür, den Wunsch der Klosterfrauen zu berücksichtigen, das Tertiarkloster an die Vinzenzgemeinschaft zu verkaufen. SALTO/HM

Demenzdorf für Kaltern?

Eine weitere Alternative kommt aus den eigenen Reihen der SVP: Der Gemeindesozialausschuss Kaltern schlägt zusammen mit der Vorsitzenden der Sozialen Mitte der Volkspartei, Gabi Morandell, vor, das Tertiarkloster in ein Demenzdorf umzuwandeln: „Wir haben auf der einen Seite ein historisches Gebäude, über dessen zukünftige Nutzung diskutiert wird. Auf der anderen Seite brauchen wir dringend neue Antworten auf die wachsende Herausforderung Demenz. Warum sollten wir diese beiden Themen nicht miteinander verbinden?“, so Morandell in einer Pressemitteilung.

Vorbild soll das Demenzdorf „Il Paese Ritrovato“ in Monza sein, in dem 64 Menschen leben. Auch der zuständige Gemeindereferent für Senioren, Lukas Luggin, stimmt der Idee zu: „Eine gute und vor allem menschliche Pflege und Begleitung von Senioren mit Demenz wird uns in Zukunft vor große Herausforderungen stellen.“ Deshalb sei es wichtig, bereits heute langfristig zu planen und neue Formen der Betreuung mitzudenken.

(ahh)