Sport | Fairplay

„Sportler haben eine Vorbildfunktion“

Der Ex-Skirennläufer Kristian Ghedina über die Bedeutung von Fairness und Bodenständigkeit im Sport. Der Ex-Skirennläufer ist heute Gast einer Diskussionsrunde der WeFairPlay-Veranstaltungsreihe in der Bozner Stadtbibliothek.
Ghedina
Foto: facebook @Kristian Ghedina
  • SALTO: Herr Ghedina, der Titel Ihrer jüngsten Biographie lautet „Non ho fretta ma vado veloce“ – was bedeutet dieser Satz für Sie persönlich?

    Kristian Ghedina: Für mich bedeutet das: Ich liebe Geschwindigkeit und lebe auch schnell, aber echte Leistung entsteht nur mit Ruhe und Vorbereitung. Man muss Dinge Schritt für Schritt aufbauen, mit Geduld arbeiten und kann erst dann wirklich schnell und erfolgreich sein. Ohne solide Grundlage funktioniert es nicht.

  • Zur Person

    Kristian Ghedina ist ein ehemaliger Skirennläufer. Der gebürtige Cortineser zählte in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zu den erfolgreichsten Abfahrern Italiens. Er gewann 13 Weltcuprennen und drei Medaillen bei Weltmeisterschaften.

    Nach seinem Rücktritt vom Skirennsport im Jahr 2006 wechselte er in den Motorsport und startete unter anderem in Tourenwagen- und GT-Serien. Außerdem war er später als Skitrainer und Berater tätig und engagiert sich bis heute in verschiedenen Sport- und Medienprojekten. Neben seiner sportlichen Karriere ist Ghedina auch unternehmerisch aktiv: Er betreibt in seiner Heimat Cortina d’Ampezzo ein bekanntes Restaurant mit Pizzeria und ist in lokale Tourismus- und Eventprojekte eingebunden. Ghedina lebt mit seiner Südtiroler Partnerin und den gemeinsamen Kindern in Brixen.

  • Inwiefern spiegelt Ihr Buch die Werte von WeFairPlay wie Inklusion, Fair Play und Solidarität im Sport wider?

    Fair Play war für mich immer wichtig. Sportler haben eine Vorbildfunktion, deshalb sollte man Verantwortung übernehmen. Ich habe mich immer wieder in sozialen Projekten engagiert und meine Bekanntheit genutzt, um zu helfen. Wer im Sport erfolgreich ist, sollte auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

  • Gewann 13 Weltcuprennen: Der italienische Ex-Skirennläufer Kristian Ghedina kann auf eine erfolgreiche Sportkarriere zurückblicken. Foto: facebook @Kristian Ghedina
  • Was bedeutet es für Sie, Teil eines Projekts wie WeFairPlay zu sein?

    Ich unterstütze Fair Play seit vielen Jahren. Für mich geht es darum, Werte wie Respekt, Solidarität und Verantwortung weiterzugeben. Sport vermittelt Disziplin, Regeln und den Umgang mit Sieg und Niederlage – genau diese Werte sind auch im Leben entscheidend.

    Wird Ihrer Meinung nach im Profisport heute genug über Fair Play gesprochen oder zählt noch zu sehr das Ergebnis?

    Der Sport lebt vom Wettbewerb, aber Fair Play bleibt entscheidend. Man muss lernen, Niederlagen zu akzeptieren und Respekt für den Gegner zu haben. Leistung ist wichtig, aber genauso der Umgang mit Sieg und Niederlage. Ohne Respekt verliert der Sport seinen Wert.

    Wie wichtig ist es, diese Werte auch an junge Sportler weiterzugeben?

    Sehr wichtig. Junge Menschen werden heute stark von sozialen Medien beeinflusst und bekommen oft ein verzerrtes Bild von Erfolg. Deshalb ist es entscheidend, ihnen echte Werte wie Arbeit, Disziplin, Realitätssinn und Respekt zu vermitteln. Nur so verstehen sie, was im Leben wirklich zählt.

  • Das WeFairPlay-Programm 2026

    Das Programm dieses Jahres beginnt mit der Veranstaltungsreihe „Storyteller: Die großen Erzähler des Sports erzählen Fair Play“, die in Bozen Stimmen und Geschichten zusammenbringt, um die authentischsten Werte des Sports zu vermitteln.

    Bei der ersten Veranstaltung am 27. April um 18 Uhr in der Stadtbibliothek Bozen werden Kristian Ghedina und Lorenzo Fabiano ihr Buch „Non ho fretta ma vado veloce“ vorstellen.

    Am 18. Mai findet die zweite Veranstaltung, ebenfalls in der Stadtbibliothek Bozen, statt: Der Journalist Luca Tommasini führt durch einen Abend, der dem Hockey Club Bolzano gewidmet ist, gemeinsam mit großen Spielern der Vergangenheit und Gegenwart.

    Den Höhepunkt bildet der Galaabend am 2. Oktober, an dem die Gewinner der WeFairPlay-Preise ausgezeichnet werden.

    Initiiert wird WeFairPlay vom GS Excelsior. Die bekannte Bozner Fußballmannschaft hat sich dem Sport ohne Leistungsdruck verschrieben und konzentriert sich auf Integration, Inklusion und Fair Play.

  • Welches konkrete Beispiel für Fair Play und Loyalität im Sport ist für Sie beeindruckend?

    Im Wintersport gibt es bekannte Beispiele für außergewöhnliches Fair Play. Ein solches stammt vom Bobfahrer Eugenio Monti: Bei den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck stellte er den späteren Zweierbob-Olympiasiegern Tony Nash und Robin Dixon ein Ersatzteil aus seinem eigenen Bob zur Verfügung, nachdem deren Schlitten einen Defekt an einer Schraube hatte. Die Briten gewannen daraufhin die Goldmedaille, während Monti im selben Wettbewerb den dritten Platz belegte. Solche Gesten zeigen, was Fairness wirklich bedeutet. Auch im Team war es für mich immer wichtig, andere zu unterstützen und nicht nur an sich selbst zu denken.

    Sie haben einmal gesagt: „Für mich ist der schönste Sieg, ich selbst zu sein“. Wie sind Sie zu dieser Erkenntnis gekommen?

    Diese Erkenntnis kommt aus vielen Begegnungen mit Menschen. Oft werden erfolgreiche Sportler idealisiert, aber ich habe immer versucht, authentisch und bodenständig zu bleiben – so, wie ich von meiner Familie erzogen wurde. Das schönste Feedback ist für mich, wenn Menschen sagen, dass ich genauso geblieben bin wie früher.