Superreiche Erben zur Kasse bitten
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Doch während die Regierung bei der Besteuerung von Arbeit und Renten nicht zimperlich vorgeht, zeigt sie sich bei vermögensbezogenen Steuern äußerst empfindlich.
Es ist jedoch an der Zeit, dieses Thema als Diskussionsstoff aufzugreifen und Argumente für eine Reform in die Waagschale zu legen. Eine Kehrtwende bei der Erbschaftssteuer ist dabei nicht nur aus Gründen der Fairness geboten, sondern auch zur langfristigen Sicherung des Sozialstaates.
Italien hat, wie viele andere Länder auch, ein massives Problem mit der Verteilung: Die Vermögenskonzentration in der Eurozone nimmt stetig zu, und der Gini-Koeffizient für Nettovermögen steigt kontinuierlich an. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht diese Dynamik: Im Jahr 2020 wurden in Italien rund 36 Milliardäre gezählt, bis zum Jahr 2025 ist diese Zahl auf 79 angestiegen.Die Gründe für dieses enorme Wachstum sind vielfältig. Während und nach der Pandemie sind die Preise für Immobilien und Aktien weltweit massiv gestiegen, wovon vor allem jene profitierten, die bereits über große Mengen an Kapital verfügten. Gleichzeitig erzielten bestimmte Branchen wie Energie, Finanzwesen, Technologie, Pharma oder Logistik Rekordgewinne, was die Vermögen der Eigentümer weiter nach oben trieb.
Ein entscheidender Faktor ist jedoch die Weitergabe dieser Milliardenvermögen an die nächste Generation. Aufgrund der geringen Erbschaftssteuer bleibt der Reichtum innerhalb einer kleinen Gruppe und wächst dort ungehindert weiter an.
Aktuelle Daten von Forbes und Oxfam zeigen, dass etwa 64 % der italienischen Milliardäre ihr Vermögen geerbt haben. Fast zwei von drei Superreichen mussten ihren Wohlstand also nicht selbst aufbauen, sondern haben ihn schlicht von ihren Eltern oder Großeltern übernommen.Diese Entwicklung steht in krassem Widerspruch zum vielbeschworenen gesellschaftlichen Leistungsprinzip. Wer in eine wohlhabende Familie geboren wird, startet mit einem massiven Vorsprung, den man durch Bildung oder Erwerbsarbeit heute kaum noch aufholen kann.
Oft beeinflusst schon eine geringe Erbschaft den lebenslangen Vermögenszuwachs stärker als der Unterschied zwischen einem einfachen Schulabschluss und einem Universitätsstudium. Erbschaften sind somit zum zentralen Motor für die Verfestigung von Ungleichheit geworden.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Vermögen von Normalbürgern – hier ist die aktuelle Gesetzeslage durchaus positiv –, sondern um die wirklich großen Vermögen, die meist ohne eigenes Zutun erworben werden.Angesichts der anhaltend hohen Staatsverschuldung Italiens ist die Debatte zudem eine ökonomische Notwendigkeit. Während auch die Steuerhinterziehung im großen Stil zur privaten Vermögensbildung beiträgt, wird das staatliche Haushaltsloch oft durch schmerzhafte Sparmaßnahmen gestopft.
Die Leidtragenden sind Rentnerinnen und Rentner, aber auch das Gesundheitssystem und die Infrastruktur.
Zudem halten die Löhne seit Jahren nicht mit der Inflation mit, was den Konsum dämpft und die soziale Schieflage verschärft. Eine gerechte Staffelung der Erbschaftssteuer nach europäischen Standards könnte hier als Korrektiv wirken.
Die OECD kritisiert regelmäßig, dass in Italien gerade die sehr großen Vermögen zu wenig besteuert werden. Durch höhere Prozentsätze für Multimillionäre könnten, selbst bei Beibehaltung hoher Freibeträge für „Normalbürger“, schätzungsweise 3 bis 5 Milliarden Euro zusätzlich eingenommen werden.
Würde man sich dem europäischen Mittelfeld annähern, könnten die Einnahmen von derzeit einer Milliarde sogar auf über 10 Milliarden Euro steigen. Mit diesen Beträgen könnte man einige Locher im Sozialen stopfen, aber auch die Innovation und Produktivität der Unternehmen fördern.Oftmals wird die Diskussion durch eine verzerrte Wahrnehmung der eigenen Betroffenheit gebremst. Ein häufiges Argument gegen eine solche Steuer ist die Angst des „kleinen Mannes“, das mühsam ersparte Eigenheim der Eltern zu verlieren.
Die vorgeschlagenen Reformmodelle entkräften diese Sorge jedoch deutlich, da sie auf hohen Freibeträgen und progressiven Sätzen basieren. Kleine Erbschaften blieben weiterhin steuerfrei, während lediglich bei extrem hohen Vermögenstransfers und entsprechenden Schenkungen höhere Abgaben fällig würden.
Zudem zeigen Daten, dass Frauen derzeit seltener und geringere Beträge erben als Männer, was eine Reform auch zu einer Frage der Geschlechtergerechtigkeit macht.Viele Menschen unterschätzen dabei die Höhe möglicher Freibeträge und fürchten fälschlicherweise, selbst zur Kasse gebeten zu werden. Fragt man jedoch konkret nach Steuern auf Millionen-Erbschaften, spricht sich eine Mehrheit der Bevölkerung dafür aus. Sogar unter Vermögenden selbst gibt es Stimmen, die eine solche Steuer bejahen, um den sozialen Zusammenhalt zu sichern.
Die Neugestaltung der Erbschaftssteuer wäre somit mehr als nur ein technischer Eingriff in das Steuersystem. Sie wäre ein Signal für mehr Chancengerechtigkeit und eine notwendige Antwort auf die finanziellen Herausforderungen der Zukunft. Wenn das Erben wichtiger wird als das Arbeiten, gerät das Fundament einer modernen Leistungsgesellschaft ins Wanken.
Eine Steuer auf hohe Vermögensübertragungen wäre daher effizient, gerecht und dringend notwendig. Dabei bin ich mir bewusst, dass man mit solchen Vorschlägen in ein Wespennest sticht, obwohl es sehr wohl eine Möglichkeit für mehr Verteilungsgerechtigkeit darstellen würde.Alfred Ebner
Mächtige Lobbygruppen und…
Mächtige Lobbygruppen und Unternehmensverbände prägen den politischen Diskurs und haben direkten Zugang zur Politik, was die Umsetzung von Steuern auf hohe Vermögen verhindert.
- Im Kleinen wie im Großen...wir wissen das und wehren uns nicht...