Eine Rose zwischen Männern
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In Rose von Regisseur Markus Schleinzer liegt der Dreißigjährige Krieg kurz zurück. Ein Soldat kehrt aus dessen Wirren heim und beansprucht das Gehöft in einem kleinen Dorf, das ihm, so sagt er unter Vorweis einer Besitzurkunde, aus Gründen der Erbschaft zusteht. Also darf er sich dort einrichten, das Land bestellen, es wieder zum Gedeihen bringen, und sich so seinen Platz in der Dorfgemeinschaft, die Fremde erst einmal mit Skepsis betrachtet, verdienen.
Denn der Soldat ist kein Mann, sondern eine Frau, die auf den Namen Rose hört.
Ihn festigen kann er, als ein Bär die Menschen angreift und der Soldat sie tapfer verteidigt. Ein vorbildhafter Mann, so scheint es der Dorfgemeinschaft, der wir, das Publikum, mindestens einen Schritt voraus sind. Denn der Soldat ist kein Mann, sondern eine Frau, die auf den Namen Rose hört, sich während des Krieges die Identität eines Gefallenen nahm und damit dessen Erbe am Hof antritt. Natürlich ist dies das am besten gehütete Geheimnis im Dorf, das aufgrund von Roses bestimmten und überzeugenden Auftretens bewahrt wird. Erst die Tradition funkt ihr dazwischen, wenn Rose nämlich die Tochter eines anderen Bauern heiraten soll, natürlich in Erwartung, dass möglichst bald ein Kind gezeugt wird. Denn der Nachwuchs erhält das Dorf, das weiß auch Rose, die sich in einer brenzligen Situation wiederfindet. Was, wenn ihre wahre Identität aufgedeckt wird, was, wenn das Frausein nicht nur die neu gewonnene Freiheit, sondern ihr ganzes Leben bedroht?
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Rose stützt sich auf zahlreiche Berichte über Frauen, die sich in der Zeit des 17. Jahrhunderts als Männer ausgegeben haben. Warum sich die Protagonistin von Schleinzers Film dazu entscheidet, wird schnell ersichtlich: Das Mannsein schenkt dem Menschen jener Zeit eine Freiheit, die keiner Frau zugestanden wird. Erst in Gestalt des Mannes kann Rose wirklich leben, dieses Leben auskosten und „Herr“ sein, also Herrschaft über andere ausüben. Am Hof beschäftigt sie mehrere Angestellte, und auch über ihre Ehegattin Suzanna bestimmt Rose, ihrem angenommenen Geschlecht gemäß. Ihre Sicherheit bröckelt erst, als es darum geht, ein Kind zu zeugen, als die Maskerade an ihre Grenzen stößt. Es geht dabei weniger um die Frage, ob das Mannsein abseits von neu gewonnenen Freiheiten der Identität von Rose entspricht. Die Figur scheint im Inneren losgelöst von klassischen Geschlechterbildern zu sein, ist jedoch im Äußeren, das ihr Leben tagein tagaus ohne Pause bestimmt, vollkommen vom Männlichen abhängig.
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Markus Schleinzer inszeniert die Welt um seine Protagonistin in tristen, schwarzweißen Szenen, die zumeist statische Einstellungen voller Simplizität zeigen. Szenenbild, Kostüme und Schauspiel wecken Erinnerungen an Das Weiße Band von Michael Haneke oder die Filme von
Paweł Pawlikowski, insgesamt hebt sich Rose aber durch eine geisterhafte Atmosphäre ab. Der Film suhlt sich durch die Kargheit der Erzählung und ihrer Figuren zwar etwas zu tief im Sumpf des deutsch-österreichischen Historienelends, erweckt bis zur nüchtern inszenierten Schlussszene aber Eindruck und kann getrost empfohlen werden. Sandra Hüller hat bei der diesjährigen Berlinale den Preis für die Beste Darstellerin bekommen, eine gute Entscheidung. Wüssten wir nicht um die Schauspielerin hinter Rose, könnten wir ebenso wie das Dorf hinters Licht geführt werden und an den tüchtigen Soldaten glauben. Bloß wie wir mit der Wahrheit umgehen, hat sich seit dem 17. Jahrhundert hoffentlich geändert. Am Kern des Films, der Freiheit mit Mannsein verknüpft, ja bekanntlich leider nicht so viel. -
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