Kultur | Dance-Film

Körper sprechen lauter als Worte

Ein Experiment zwischen Tanz und Film: Das Creative Dance Lab verwandelt persönliche Emotionen in bildgewaltige Kurzfilme. Am 14. Juni feiert das Projekt seine Premiere.
Creative Dance Lab
Foto: Creative Dance Lab
  • Wenn Tanz, Film und Musik eine Symbiose eingehen, entsteht ein Raum jenseits der Sprache. Das Creative Dance Lab, das am 14. Juni im Bozner Filmclub Premiere feiert, zeigt in seinem dritten Jahr eindrucksvoll, wie non-verbale Kurzfilme tiefste persönliche Themen greifbar machen. 

    „Man kann das Projekt in zwei Phasen teilen“, erklärt Valentina Bagnis, Choreografin und künstlerische Leiterin des Creative Dance Lab. „Es beginnt mit einem Workshop-Part, in dem wir die Grundlagen der drei Kunstformen Tanz, Film und Musik erarbeiten, gefolgt von der Praxisphase im zweiten Semester.“ Was heuer besonders auffällt, ist die gewachsene Dichte des Projekts „Wir sind in der Crew und bei den Unterstützern massiv gewachsen. Es war ein Megajahr mit vielen hochkarätigen Mini-Workshops.“ 

  • Zwischen Wissenschaft und Kunst

    Foto: privat

    Das Fundament des Projekts ist bewusst breit gefächert. Die Teilnehmenden – von OberschülerInnen bis zu Menschen Mitte 40 – lassen sich auf eine Reise ein, die weit über das Filmemachen hinausgeht. „Wir hatten Peter Burchia zu Gast, der uns in die Welt des Malens und der Hand-Auge-Koordination entführt hat, und Lukas Spisser, der zeigte, wie man Körpereinsatz in die Figurenzeichnung einbringt“, so Bagnis. 

     

    „Sie hat uns auf wissenschaftlicher Basis erklärt, was Bewegung mit unserem Nerven- und Immunsystem macht, besonders wenn Emotionen unterdrückt werden.“

     

    Besonders spannend war der wissenschaftliche Exkurs mit der Psychoneuroimmunologin Magdalena Kofler „Sie hat uns auf wissenschaftlicher Basis erklärt, was Bewegung mit unserem Nerven- und Immunsystem macht, besonders wenn Emotionen unterdrückt werden.“ Dass die Filme eine derart hohe ästhetische Qualität erreichen, liegt an den lokalen Partnerschaften, die Bagnis als „Next Level“ bezeichnet. Der Bildhauer Aron Demetz stellte Werke zur Verfügung, Irene Moschen von Moiré Fashion lieferte viktorianische Kostüme, und der Glaskünstler Tommaso Colesanti fertigte eine Spezialanfertigung an „Eine Krone aus Glas, mit Augen und einem offenen Mund, der schreit – das sind individuelle Arbeiten, die man nicht einfach so kaufen kann.“ 

  • Dass die Filme eine derart hohe ästhetische Qualität erreichen, liegt an den lokalen Partnerschaften,: Foto: Creative Dance Lab
  • Die radikale Kraft der Non-Verbalität

    Das Herzstück des Labors ist die radikale Abkehr vom Dialog. „Das war uns von Anfang an wichtig“, betont Valentina Bagnis. „Es geht nicht um Definition, sondern um die Emotion dabei. Emotionen sind etwas Menschliches und Empathisches, das ohne Worte funktioniert.“ Die Themen sind dabei meist autobiografisch. Als Beispiel nennt sie das Projekt von Leni Innerbichler im LUMEN Museum „Sie thematisierte ihre Selbsteinschätzung und den Druck, den sie sich selbst auferlegt. Im Spiegelsaal des LUMEN konnten wir das perfekt visualisieren – der Käfig, die Glaskrone, dieser ganze Prozess war extrem stark.“ Obwohl die Filme eine sehr persönliche Note tragen, ist die technische Umsetzung hochprofessionell. Die Crew ist international erfahren: Kameramann Jochen Unterhofer (OnMedia) und Daniel Malknecht sorgen für die visuelle Ästhetik, während die Postproduktion bei Sebastian Longariva liegt. Besonders das Sound-Design ist ein entscheidender Pfeiler „Unsere Sound-Designer Marcel (Cello) Rainer und Tim Kirschke produzieren für Größen von Sony und arbeiten für Netflix“, erklärt Bagnis stolz. „Sie schneiden die Musik exakt auf die Wünsche der Teilnehmer zu. Das ist ein Prozess, bei dem alles ineinandergreift.“ 

  • Zur Person

    Valentina Bagnis ist Choreografin und künstlerische Leiterin des Creative Dance Lab. Ihr Ansatz verbindet Tanz, Film und Psychologie zu einer non-verbalen Ausdrucksform. Als Mentorin begleitet sie die Teilnehmenden durch den gesamten kreativen Prozess – von der ersten thematischen Idee bis zur finalen filmischen Umsetzung.

  • Foto: Creative Dance Lab
  • Die Organisation eines solchen Projekts – innerhalb von nur drei Monaten sechs bis acht Kurzfilme von der Konzeption bis zur Postproduktion zu realisieren – ist ein Kraftakt, der nur durch ein funktionierendes Netzwerk möglich ist. „Es ist schön zu sehen, wie sehr die Leute so etwas unterstützen“, so Bagnis. „Von den Dienstleistungen bis hin zum Catering von Bimbi Südtirol, das bei den Dreharbeiten auf uns geschaut hat – das alles macht das Creative Dance Lab aus.“ 

    Am 14. Juni wird im Filmclub zu sehen sein, was passiert, wenn Menschen den Mut aufbringen, ihr Innerstes ohne ein einziges gesprochenes Wort auf die Leinwand zu bringen. 

  • Foto: Creative Dance Lab