Umwelt | Wasserknappheit

Magdalener Bauern fürchten altes Problem

Weingüter oberhalb Bozens: Die trockenen, steilen Böden in St. Magdalena eignen sich wenig für die Tropfberegnung, erklärt der Präsident des Konsortiums Josephus Mayr.
Oberkronenbewässerung in St. Magdalena: derzeit nur in den Nachtstunden erlaubt Othmar Seehauser/ Seehauserfoto

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Welche Auswirkungen das Dekret des Landeshauptmanns zum Wassersparen in der Landwirtschaft hat, zeigt die Lage beim Schutzkonsortium St. Magdalena in Bozen. „Im Weinbau braucht es aktuell ausreichend Wasser, um keine Qualitätsverluste zu riskieren. Das Dekret ist zwar nachvollziehbar, aber es erschwert unsere Arbeit“, erklärt Josephus Mayr, Präsident des Schutzkonsortiums. 

Die noch grünen Weintrauben wechseln in den Sommermonaten die Farbe und gewinnen an Fruchtzucker. Bekommt die Traube nicht genug Wasser, wird der Wein bitter und verliert an Verkaufswert. Deshalb setzen manche Bauern am Berghang von St. Magdalena trotz Wasserknappheit im Land auf die Oberkronenbewässerung, die derzeit nur in den Nachtstunden von 21 bis 6 Uhr erlaubt ist. 

Trockenheit und Erosion

Der Weinbauer und Präsident des Konsortiums ist dann im Dunkeln mit der Taschenlampe unterwegs. „Das Flusswasser aus dem Eisack schwemmt viel Material an, das die Filter unserer Wasserleitungen verstopft. Bei Tageslicht kann ich mit dem Fernglas kontrollieren, ob die Beregnung läuft, in der Nacht natürlich nicht“, erklärt Mayr.

Würde er auf den steilen Hängen stattdessen die Tropfbewässerung nutzen, würde die Fruchtgröße der Trauben sinken. Außerdem steigt die Gefahr der Erosion bei Starkregen, weil mit dieser Beregnungsmethode nur die Weinrebe bewässert wird und die Vegetation während heißer und trockener Wetterperioden abstirbt. Dieses Problem ist in der Gegend nichts Neues. 

St. Magdalena: Vor dem Bau der Wasserleitungen waren die Flächen hier häufig von Trockenheit und Erosion betroffen. Seehauserfoto

Vor dem Bau der „Eisackwerke“ in Waidbruck und Kardaun Ende der 1920-er Jahre litten die Höfe im Gebiet häufig unter Dürreschäden. Der Boden ist dort locker und eher sandig, wie in dem 2023 erschienen Werk „St. Magdalener. Der Wein aus Bozen“ zum 100-jährigen Jubiläum des Konsortiums erklärt wird. Erst durch den Bau der Wasserleitungen konnten die Bauern ihre Erträge um 20 bis 30 Prozent steigern.

Blick in die Geschichte

Die Gründung des Beregnungskonsortium Prazöll – das bis heute den Großteil der St. Magdalener Weinreben bewässert – fällt damit in die Zeit des italienischen Faschismus. Im Jahr 1929 schlossen sich 53 Bauern zusammen und mithilfe des Weingutbesitzers Anton Cembran erhielten sie für das Projekt 40 Prozent der Baukosten vom Staat zurückerstattet. Bekanntlich war der „Duce“ Benito Mussolini ein Liebhaber des Weins.

An die Einweihung der vermutlich ersten großen Beregnungsanlage für den Weinbau im Jahr 1931 erinnert eine Bronzetafel an einem Gedenkstein des Kirchleins von St. Magdalena. Das Beregnungsnetz erstreckt sich vom Druckstollen des E-Werks St. Anton bis nach St. Justina / Leitach. Heute ist mittlerweile auf 90 Prozent der Flächen die Tropfberegnung einsetzbar.

 

„Wer die Regeln macht, hat heute keine Ahnung mehr von der praktischen Arbeit.“

 

„Die Tropfberegnung ist eine intelligente und wassersparende Methode, die sich vor allem im flachen Gebiet mit glasklarem Wasser aus Tiefbrunnen eignet. Auf unserer Fläche müssen wir aber nicht nur mit verstopfen Filteranlagen arbeiten, sondern auch mit dem Druckabfall in der Leitung“, erklärt Mayr. Das führe dazu, dass genau jene Weinreben nicht genügend Wasser erhalten, die am Rand des Weinbergs stehen. Dort entzieht das Wurzelwerk der danebenstehenden Laubbäume den Reben das Wasser aus der Tropfberegnung. 

„Wer die Regeln macht, hat heute keine Ahnung mehr von der praktischen Arbeit. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Handwerk und die Industrie. Diese Bürokratisierung ist ein Phänomen unserer Zeit“, sagt Mayr vom Schutzkonsortium St. Magdalena.