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Bio am Bodensee

Im Juli 2026 führte die Fachgruppenlehrfahrt eine Gruppe von Obst- und Weinbäuerinnen und -bauern von Bioland Südtirol an den Bodensee.

Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.

Bild: bioland suedtirol

Drei Tage voller Eindrücke, Fachwissen und Austausch
Im Juli 2026 führte die Fachgruppenlehrfahrt eine Gruppe von Obst- und Weinbäuerinnen und -bauern von Bioland Südtirol an den Bodensee. Ziel der dreitägigen Reise war die nördliche, zu Deutschland gehörende Seite des Bodensees. Auf dem abwechslungsreichen Programm standen Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Bio-Großhandel, vielfältig aufgestellte Landwirtschaftsbetriebe sowie Obst- und Weinbaubetriebe.
Neben den fachlichen Einblicken war der persönliche Austausch innerhalb der Gruppe ein wesentlicher Bestandteil der Reise. Im Bus, bei den Betriebsbesichtigungen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten wurden Erfahrungen ausgetauscht, unterschiedliche Produktionsweisen verglichen und zahlreiche Fragen zur eigenen betrieblichen Praxis diskutiert. Gerade dieser direkte Austausch machte die Lehrfahrt zu einer wertvollen Verbindung von Weiterbildung, Inspiration und Gemeinschaft.


Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee: Einblick in Forschung und Praxis
Den Auftakt bildete der Besuch des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee (KOB) am Standort Schuhmacherhof in Ravensburg-Bavendorf. Die als gemeinnützige Stiftung organisierte Einrichtung wurde im Jahr 2000 neu gegründet und versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und obstbaulicher Praxis. Insgesamt stehen dem KOB rund 52 Hektar Versuchsflächen zur Verfügung. Der Hauptstandort in Bavendorf umfasst rund 28 Hektar.
Bei der Führung erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die verschiedenen Forschungsbereiche und konnten die Versuchsanlagen besichtigen. Im Mittelpunkt standen unter anderem Sortenprüfungen, Pflanzenschutz, Bodenmanagement und unterschiedliche Anbausysteme. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem ökologischen Obstbau. Der entsprechende Modell- und Versuchsbetrieb in Eschau wurde zwischen 2012 und 2016 aufgebaut und umfasst rund 18 Hektar. Dort werden unter anderem schorfwiderstandsfähige Apfelsorten, Beikrautregulierung, organische Düngung, Biodiversität sowie Möglichkeiten zur Reduzierung des Kupfereinsatzes untersucht. Am KOB befindet sich unter anderem ein Forschungsprojekt zur Kombination von Photovoltaik und Obstbau. 


BODAN in Überlingen: Bio vom Erzeuger bis zum Handel
Die nächste Station führte nach Überlingen zum Bio-Großhändler BODAN. Das Unternehmen versorgt seit mittlerweile 40 Jahren selbstständige Hof- und Naturkostläden mit ausschließlich biologischen Lebensmitteln. Das Sortiment reicht von Obst und Gemüse über Fleisch, Käse und Molkereiprodukte bis hin zu zahlreichen weiteren Naturkostartikeln. 
Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist BODAN dabei weit mehr als ein reiner Logistikpartner. Das Unternehmen versteht sich als Bindeglied zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern, Verarbeitern, Fachhandel und Konsumentinnen und Konsumenten und möchte regionale Wertschöpfungsketten rund um Bio-Lebensmittel stärken. Gerade für die Teilnehmenden aus Südtirol war dieser Blick auf die Vermarktung interessant. Die Besichtigung zeigte anschaulich, welche Strukturen und Dienstleistungen notwendig sind, damit Produkte aus vielen einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben gebündelt und professionell in den Handel gebracht werden können.


Hofgut Rengoldshausen: Landwirtschaft als vielseitiges Gesamtkonzept
Zur Mittagszeit stand das Hofgut Rengoldshausen in Überlingen auf dem Programm. Der traditionsreiche Demeter-Betrieb wird bereits seit 1932 biologisch-dynamisch bewirtschaftet und zählt damit zu den ältesten Demeter-Höfen der Welt. Die Betriebsgemeinschaft bewirtschaftet insgesamt rund 220 Hektar Land und verbindet Landwirtschaft, Gemüsebau, Tierhaltung, Verarbeitung, Vermarktung und Bildungsarbeit. 
Besonders beeindruckend war die Vielfalt der miteinander verbundenen Betriebszweige. Die eigenen Produkte werden unter anderem über den Hofladen, das Hofcafé und den Lieferservice „Die Grüne Kiste“ vermarktet; weitere Erzeugnisse gelangen über den regionalen Bio-Großhandel zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Hinzu kommen Bildungsangebote, Hofführungen und Veranstaltungen. Der Besuch machte deutlich, dass unterschiedliche Einkommensquellen und Vermarktungswege eine Landwirtschaft auch breiter aufstellen können.


Wein- und Obstgut Haug: Bio-Weinbau am Bayerischen Bodensee
Am Nachmittag ging es weiter nach Lindau-Schönau zum Wein- und Obstgut Haug. Der Familienbetrieb von Janine und Claudius Haug verbindet ökologischen Wein- und Obstbau und liegt in einer besonderen Landschaft zwischen Bodensee, Endmoräne und Alpennordhang. Die Rebflächen umfassen rund 6,5 Hektar; etwa die Hälfte davon liegt direkt am Bodenseeufer, die andere Hälfte am Südhang des Ringoldsbergs. Seit 2010 wird der gesamte Betrieb nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet. 
Bei der Besichtigung der Weinberge und des Weinkellers erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den ökologischen Weinbau und die Kellerwirtschaft. Neben traditionellen Sorten wie Müller-Thurgau und Spätburgunder spielen pilzwiderstandsfähige Sorten – sogenannte PIWIs – eine zunehmend wichtige Rolle. Zum Sortiment gehören unter anderem Johanniter, Muscaris, Souvignier Gris, Cabernet Blanc und Cabernet Cortis. 
Interessant war auch die Verbindung von Wein- und Obstbau. Neben den Reben baut Familie Haug Bioäpfel, Birnen und Zwetschgen an. Rund 40 Prozent der Obstflächen sind mittlerweile mit pilzwiderstandsfähigen Apfelsorten wie Topaz, Santana oder Collina bepflanzt. Das Bioobst wird unter anderem über die ÖKOBO in den Naturkosthandel vermarktet. 


Benteles‚ Biohof in Tettnang: Hopfen, Äpfel und Direktvermarktung
Ein besonderer Höhepunkt der Lehrfahrt war der Besuch von Benteles‘ Biohof in Wellmutsweiler bei Tettnang. Der Familienbetrieb befindet sich seit 1806 im Besitz der Familie Bentele und wird seit 1984 nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Heute führen unter anderem Peter und Johannes Bentele den Betrieb, unterstützt von weiteren Familienmitgliedern und Mitarbeitenden. 
Eine Besonderheit des Betriebs ist die Kombination aus Apfel- und Hopfenanbau. Nach aktuellen Angaben werden rund 18 Hektar Äpfel und 11 Hektar Hopfen bewirtschaftet. In den Hopfengärten wachsen rund 40.000 Pflanzen, darunter auch die traditionelle Landsorte „Tettnanger“. Die Produkte werden unter anderem an Brauereien sowie an Tee- und Arzneimittelhersteller geliefert. 


Die Familie Bentele verbindet den Sonderkulturanbau mit einem starken Engagement für Bodenfruchtbarkeit und Naturschutz. Dazu gehören Kompostwirtschaft, Humusaufbau und die Anlage von Hecken. Auch technische Lösungen zur Ressourcenschonung und Erntesicherung spielen eine wichtige Rolle. Für das innovative Betriebskonzept erhielt Benteles' Biohof 2023 bei den Ökofeldtagen einen Förderpreis in der Kategorie „Erzeugung – Pflanzenbau“. 
Der Besuch vermittelte damit nicht nur einen Einblick in den biologischen Hopfen- und Obstbau, sondern auch in die Herausforderungen eines vielfältigen Familienbetriebes mit eigener Lagerung, Sortierung und Vermarktung.


Fachlicher Austausch und geselliges Beisammensein
Eine Fachgruppenlehrfahrt lebt jedoch nicht allein von Betriebsbesichtigungen und Fachinformationen. Einen ebenso wichtigen Stellenwert hatten die gemeinsamen Mahlzeiten, die Busfahrten und die Abende. Hier entstanden zahlreiche Gespräche, die während des offiziellen Programms oftmals nur in begrenztem Umfang möglich waren.
Besonders wertvoll war der Vergleich sehr unterschiedlicher Betriebsmodelle. 

Während am KOB die Forschung und Entwicklung neuer Anbauverfahren im Mittelpunkt standen, zeigte BODAN die Perspektive der Vermarktung und Logistik. Das Hofgut Rengoldshausen stand für eine breit aufgestellte, biodynamische Landwirtschaft mit zahlreichen Betriebszweigen, während Haug und Bentele konkrete Beispiele für spezialisierte Bio-Sonderkulturbetriebe lieferten.
Dabei wurde auch deutlich, dass erfolgreiche Lösungen nicht ohne Weiteres von einem Betrieb auf einen anderen übertragen werden können. Standort, Betriebsstruktur, Arbeitskräfte, Vermarktungswege und persönliche Voraussetzungen spielen eine entscheidende Rolle. Gerade dieser Vergleich unterschiedlicher Ansätze machte die Lehrfahrt besonders wertvoll.