Wirtschaft | Wintertourismus

Für den Schnee der Carezza Dolomites

Erweiterung eines Speicherbeckens am Karerpass um das Doppelte: Damit könnte dem E-Werk das Wasser fehlen, doch das Skigebiet als treibende Wirtschaftskraft in Welschnofen würde erhalten bleiben.
Speicherbecken Frin: Das Skigebiet Carezza Dolomites will das Fassungsvermögen mehr als verdoppeln. Bild: Seehauserfoto

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Das Skigebiet Carezza Dolomites plant, das Speicherbecken Frin in Welschnofen von heute 96.000 Kubikmetern auf 208.000 Kubikmeter zu vergrößern. Das Projekt wurde Mitte Mai beim Amt für Umweltprüfungen zur Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Für die Erweiterung müsste die erlaubte Wassermenge der Konzessionen im Skigebiet am Karerpass erhöht werden, teilt Umwelt- und Energielandesrat Peter Brunner (SVP) auf Nachfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Madeleine Rohrer mit. Insgesamt verfügen Südtirols Skigebiete bereits über 42 Speicherbecken – gleich viel wie landwirtschaftliche Betriebe. 

„Ich mache meine Entscheidung von verschiedenen Faktoren abhängig“, sagt der Bürgermeister von Welschnofen, Thomas Pardeller (Bürgerliste). Wird das Speicherbecken um das Doppelte erweitert, würde auch eine Fläche bebaut, für die bürgerliche Nutzungsrechte gelten. Deshalb fordert Pardeller als Entschädigung einen Grundtausch ein. 

Die Wasserspeicher im Land

In Südtirol gibt es derzeit 114 Staubecken, die ein Fassungsvermögen von mindestens 5.000 Kubikmeter aufweisen. Gemäß dem Amt für Hydrologie und Stauanlagen dienen 42 Becken der Bewässerung, 42 Becken der technischen Schneeerzeugung, 23 Becken der Wasserkraft und 7 Becken der Naherholung. 

Dem stimmt auch Vizebürgermeister Hannes Meraner (SVP) zu. „Die Fläche muss den gleichen Wert haben“, erklärt er. Seine Fraktion mit zwölf Gemeinderäten werde das Carezza-Dolomites-Projekt voraussichtlich unterstützen, fügt Meraner hinzu. „Es ist für die Wirtschaft des ganzen Dorfes wichtig, dass das Skigebiet funktioniert. Vor 15 Jahren stand es vor dem Konkurs, erst nachdem eine Unternehmerfamilie eingestiegen ist, konnten wieder neue Investitionen getätigt werden.“ 

Ressort für Umwelt und Energie / Alin Sellemond / SALTO

Noch ist unklar, ob das vorhandene Wasser am Karerpass für das Vorhaben ausreicht. „Unterhalb des Speicherbeckens wird mit Wasserkraft Strom produziert und dafür gibt es geltende Wasserkonzessionen“, sagt Pardeller. Nun sei es die Aufgabe der zuständigen Landesämter in Bozen, das Projekt des Skigebiets zu prüfen – ein Ergebnis werde im Oktober erwartet. Erst dann kommt es samt Bauleitplanänderung in den Gemeinderat von Welschnofen. 

„Die Vergrößerung des Beckens ist ein gemeinsames Projekt aller fünf Gesellschaften des Skigebiets. So muss kein neuer Standort gefunden werden und die Infrastruktur mit den Rohrleitungen ist bereits vorhanden“, erklärt Vizebürgermeister Meraner. Madeleine Rohrer von den Grünen sieht allerdings Konflikte vorprogrammiert: „Mehr Wasser für das Speicherbecken heißt zugleich weniger Wasser für die natürlichen Gewässer. Und was oben zur Produktion von Kunstschnee festgehalten wird, könnte weiter unten dringend fehlen: Das gemeinsame E-Werk der Gemeinden Karneid, Deutschnofen, Welschnofen, Tiers und Völs ist für die Produktion von Strom ebenfalls auf das Wasser angewiesen.“ Das zeige, dass auch technische Lösungen wie Becken aus Plastikfolie und Beton Grenzen haben. „Speicherbecken sind keine Allheilmittel“, so Rohrer. 

Wird die Erweiterung des Speicherbeckens Frin genehmigt, könnte die Investition mit bis zu 800.000 Euro vom Land gefördert werden. Auch das geht aus der Antwort von Landesrat Brunner auf ihre Anfrage hervor.