Kohle mit Kohle
Foto: Canva, Montage: SALTO
Politik | k.u.k. reloaded

Kohle mit Kohle

Haben Sie in den letzten Jahren gelegentlich „Alpenkohle“ zum Grillen eingesetzt oder „Terra Preta“ vom Ritten im Garten verwendet?
  • Die Ermittlungen zur „Operation Alpenkohle“ erschüttern Südtirol. Ein internationales Netzwerk „mit einem Zentrum in Südtirol“ soll belastete Rückstände aus Biomasse- und Heizkraftwerken illegal in Grillkohle, Dünger und Baustoffe gemischt und vermarktet haben. Die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft spricht von organisierter Umweltkriminalität, millionenschweren Geschäften und möglichen Gesundheitsrisiken durch giftige Schadstoffe.

    Seit 2022 wird gegen ein internationales Netzwerk aus Lieferanten, Verarbeitern und Händlern ermittelt, grenzüberschreitend über EUROPOL und EUROJUST und unter Einbeziehung der europäischen Antibetrugsbehörde OLAF. Ende 2023 wurden große Mengen von Düngemitteln und im August 2024 verseuchte Grillkohle beschlagnahmt und schon damals führte die Spur auch nach Südtirol. 

     

    Dass die Verhaftungen offenkundig mit übertriebener Dramatik durchgeführt wurden, ist ein unangenehmer Nebeneffekt, den man hätte vermeiden können.

     

    Vor ein paar Tagen kam es dann im Rahmen der Operation „carbone delle alpi“ zur Festnahme von 12 der 19 Personen, gegen die die Untersuchungen laufen. Unter den Verhafteten befindet sich ein halbes Dutzend Südtiroler und während der Arbeit an diesen Zeilen macht die Nachricht die Runde, dass der Direktor der Umweltagentur, Flavio Ruffini, der nicht in Haft genommen wurde, vom Untersuchungsrichter in Trient für ein Jahr von allen öffentlichen Ämtern suspendiert wurde. 

    Welche Rolle Angelucci, Tappeiner, Rosanelli, Ruffini und die anderen Südtiroler, gegen die ermittelt wird, bei diesen offenkundig groß angelegten und gefährlichen Betrügereien tatsächlich spielen, werden die nun anlaufenden Gerichtsverfahren zu Tage fördern und natürlich gilt für alle die rituell zu platzierende Unschuldsvermutung.

    Es ist ehrenvoll und löblich, dass sich nun einige prominente SüdtirolerInnen schützend vor die Verhafteten stellen und deren Ehrenhaftigkeit unterstreichen. Sie sollten dabei aber nicht außer Acht lassen, dass es sich bei den angelasteten Delikten nicht um Lausbubenstreiche handelt und dass aus den Untersuchungsakten hervorgeht, dass zumindest einige der Südtiroler, gegen die ermittelt wird, in diesem komplexen Betrugsfall keine Randfiguren sind. 

    Dass die Verhaftungen offenkundig mit übertriebener Dramatik durchgeführt wurden, ist ein unangenehmer Nebeneffekt, den man hätte vermeiden können. An der Schwere der zur Last gelegten Taten ändert dies nichts.   

    Es ist nämlich kein Bagatelldelikt, wenn mit Dioxin, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen oder Schwermetallen belastete Abfallstoffe aus Fernheizwerken und anderen Quellen in Grillkohle, Dünger oder als Zusatzstoffe in Baumaterialien landen und dort nachweislich Krebsfälle verursachen können.