Musik | Südtirol Festival

„Passione“ in weiblicher Hand

Sehr weiblich geht es zu bei der 41. Ausgabe des Südtirol Festivals. Dirigentinnen, Solistinnen und Komponistinnen setzen künstlerisch neue Akzente.
Bar Avni und Bomsori Kim
Foto: Stefanie Jager, Bartek Barcyk/ Montage: SALTO
  • Die 41. Ausgabe des Südtirol Festivals hat in diesem Jahr viele Protagonistinnen. Entsprechend stolz präsentierte Intendant Andreas Cappello heute auch das Programm des Festivals. Wenn Cappello spricht, ist das nie ein bloßes Abspulen von Daten – es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Kraft der Musik. „Musik entsteht aus Leidenschaft und vermittelt Leidenschaft“, erklärt der Intendant emotional, ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „con passione“. 

     

    „Wenn Musik und Kultur die Menschen glücklich machen und sie sich darüber freuen, dann ist das ein sehr wichtiger und toller Auftrag.“ 

     

    Die Pressekonferenz zur 41. Ausgabe des Festivals war ein Vormittag der großen Gesten. Neben dem neu gewählten Präsidenten Hannes Gamper und dem Ehrenpräsidenten Hermann Schnitzer waren die Bürgermeisterin von Meran, Katharina Zeller, sowie Kulturlandesrat Philipp Achammer anwesend. 

    Dass das Festival trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen im Kulturbetrieb große Strahlkraft entfalten kann, hob Präsident Hannes Gamper hervor: Er betonte, dass der Erfolg maßgeblich auf der Kontinuität der Sponsoren und privaten Unterstützer basiere, die das Fundament für das kulturelle Programm sichern. Auch Kulturlandesrat Philipp Achammer fand dazu einen treffenden Satz „Wenn Musik und Kultur die Menschen glücklich machen und sie sich darüber freuen, dann ist das ein sehr wichtiger und toller Auftrag.“ 

  • Antonella Costanza, Joachim Mair, Andreas Cappello, Hermann Schnitzer, Benno Pamer, Flora Kröss, Hannes Gamper, Katharina Zeller, Philipp Achammer, Umberto Carrescia, Diego Tartarotti, Ingrid Hofer und Karlheinz Sollbauer: Foto: Südtirol Festival
  • Andreas Cappello ist bekannt dafür, dass er kein bloßer Verwalter des kulturellen Erbes ist; er sucht stets den Bruch mit liebgewonnenen Konzertritualen. In dieser Saison zeigt sich dies besonders mutig in der Verschränkung von Disziplinen. Ein faszinierendes Beispiel ist die Kooperation des O/Modernt Chamber Orchestra Stockholm mit dem Voces8 Scholars Ensemble: Sie wagen das Experiment, die bildstarken Welten von Harry Potter mit der barocken Dramatik von Purcells Oper „Dido und Aeneas“ zu verweben. Ein solches Wagnis zeugt von einem tiefen Verständnis für die Wirkungskraft klassischer Ästhetik in modernen Kontexten. 

     

    Wer den „scharfen Cocktail“ sucht, wird bei der Begegnung von Bach und Samba fündig.

     

    Auch Mozarts Requiem erfährt eine ungewohnte Transformation: In der Pfarrkirche in Niederlana wird es von einem reduzierten Ensemble aus dem Theatre of Voices & Meta4 interpretiert – ein Kammerformat, das die spirituelle Intimität des Werkes völlig neu auslotet. Wer den „scharfen Cocktail“ sucht, wird bei der Begegnung von Bach und Samba fündig: Geiger Linus Roth und das Orquestra Johann Sebastian Rio beweisen, dass die Grenzen zwischen historischer Strenge und südamerikanischer Lebensfreude fließend sein können, wenn man sie nur mit der nötigen Leidenschaft angeht.

  • Bar Avni: die erste Frau in der Geschichte des Festivals, die das Eröffnungskonzert dirigiert. Foto: Screenshot Instagram
  • „Con passione“ durch den Festivalsommer

    Ab Mitte August 2026 bietet das Festival 26 Konzerte in acht inhaltlich unterschiedlichen Formaten an. Das Herzstück bleibt die sinfonische Reihe „classic“ im prachtvollen Jugendstil-Ambiente des Kursaals. Ein historischer Moment markiert den Auftakt: Am 20. August leitet Bar Avni (im Titelbild links) als erste Frau in der Geschichte des Festivals das Eröffnungskonzert. 

  • Die Matinee-Konzerte

    De Reihe der Matineekonzerte ist in diesem Jahr exklusiv dem Schaffen von Komponistinnen gewidmet. Dass mit der Cellistin Anastasia Kobekina, dem Quatuor Zaïde und der Pianistin Claire Huangci ausschließlich Virtuosinnen auf der Bühne stehen, ist ein bewusster Akt der Sichtbarmachung. 

  • Das Quatuor Zaïde: bewusstes Sichtbarmachen weiblicher Virtuosinnen Foto: Screenshot Instagram
  • Das Programm ist dabei tief in der lokalen Kulturgeschichte verwurzelt: Es beleuchtet das Wirken von Künstlerinnen wie Fanny Hensel, Clara Schumann, Amy Beach oder Teresa Carreño, die alle als Reisende oder Kurgäste Tirol und das Trentino besuchten. Die wissenschaftliche und musikalische Aufarbeitung, begleitet durch das Buch „Dieser himmlische Ort“ von Jean-Jacques Lavenue und Gerhard Falschlunger, holt diese Frauen aus den Schatten der Geschichte zurück in den Konzertsaal. Es ist ein wertvoller Beitrag zum kulturellen Gedächtnis unserer Region, der die weibliche Perspektive in der Musikgeschichte nachhaltig stärkt.

    Wie Intendant Cappello betont: Es geht um weit mehr als das bloße Musizieren – es geht um eine Leidenschaft, die Menschen verbindet.

  • Kursaal Meran: Sinfonischen Reihe „classic“ im prachtvollen Jugendstil-Ambiente. Foto: Damian Pertoll
  • Hochkarätige Gäste und Perspektiven 2026

    • Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck mit dem Pianisten Alexandre Kantorow

    • Seoul Philharmonic Orchestra unter Jaap van Zweden mit Violinistin Bomsori Kim und dem Werk „Inferno“ von Jaeil Jung

    • Sir John Eliot Gardiner mit dem Constellation Choir und Constellation Orchestra

    • Mahler Chamber Orchestra unter Teddy Abrams mit Yuja Wang (Klavier). 

    • Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti mit der Pianistin Beatrice Rana

    • Bergen Philharmonic Orchestra unter Dima Slobodeniuk

    • Camerata Salzburg mit den Pianisten Arthur und Lucas Jussen

    • Baltic Sea Philharmonic unter Robert Treviño mit Cellistin Charlotte Melkonian