Theatraler Zusammenhalt
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Die Frage „Was hält uns zusammen?“ wird in den kommenden Monaten bei den Vereinigten Bühnen Bozen im Zentrum stehen. „Sie führt uns hinein in ein Spannungsfeld aus kollektiver Identität und individuellen Lebensentwürfen, aus Zugehörigkeit und Abgrenzung, aus Erinnerung und Vision“, sagt Intendant Rudolf Frey gegenüber SALTO. Die Ausgangsfrage wirft weitere Fragen auf: „Was bedeutet Heimat in einer Zeit, in der Identitäten flüchtig geworden sind und Gewissheiten brüchig? Welche Rolle spielt Nostalgie – als tröstende Erinnerung oder als verklärender Rückblick, der den Blick nach vorn verstellt?“ Passende Antworten werden dann Stück für Stück auf der Bühne verhandelt.
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Ein besonderes Highlight ist die Uraufführung des Bestsellers Eva schläft (mit Andressa Miyazato, Patrizia Pfeifer, Brit Purwin, Peter Schorn, Paolo Tosin / Regie: Sara Ostertag) nach dem Roman von Francesca Melandri. Am Ende der Spielzeit wird das weltberühmte Musical Evita von Andrew Lloyd Webber den Bogen schließen. „Dazwischen erwartet uns große europäische Theaterliteratur, zeitgenössische Dramatik und ein vielschichtiges Kinder- und Jugendprogramm für alle Altersstufen.“
Die Saison eröffnet am 15. September 2026 mit Lieder ohne Worte von Thom Luz, einer poetischen Musiktheaterproduktion über Sprachlosigkeit, Zerstörung und Neuanfang. Simon Stephens' Vanya, basierend auf Tschechows „Onkel Wanja“, zeigt in einer Solo-Inszenierung die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit einer Gegenwartsgesellschaft, die zunehmend von Isolation geprägt ist.
Ein besonderes Format ist die Marathonlesung Flucht ohne Ende mit Schauspielerinnen und Schauspielern aus Nord- und Südtirol. Sie widmet sich den Texten Joseph Roths und verbindet literarische Lesung mit gesellschaftlichem Austausch.
Mit Federico García Lorcas Bernarda Albas Haus steht ein Klassiker über Unterdrückung, patriarchale Machtstrukturen und Freiheitssehnsucht auf dem Spielplan. Die Inszenierung versteht das Stück zugleich als politische Allegorie auf autoritäre Systeme und gesellschaftliche Kontrolle. Das Stück Notti magiche von Bonn Park verbindet Popkultur, Nostalgie und Identitätssuche. Vier Männer blicken darin auf ihre Jugend zurück und setzen sich mit Freundschaft, Erinnerung und gesellschaftlichen Veränderungen auseinander.
Mit Notes from Down Below wird eine immersive Theaterinstallation außerhalb des klassischen Bühnenraums entstehen. Die Produktion beschäftigt sich mit Traumwelten, Krisenerfahrungen und surrealistischen Bildwelten und verbindet Performance, Choreografie und Installation.
Auch das junge Publikum nimmt einen wichtigen Platz ein. Das mobile Kindertheaterstück Der Koffer erzählt für Kinder zwischen drei und fünf Jahren eine Geschichte über Fremdsein, Offenheit und Toleranz. Mit Pinocchio bringen die Vereinigten Bühnen Bozen einen humorvollen und musikalischen Familienklassiker auf die Bühne. Die Inszenierung verbindet Collodis berühmte Geschichte mit zeitgenössischer Musik und italienischen Pop-Anspielungen. Der Jugendroman Wolf von Saša Stanišić wird als Theaterclub-Produktion umgesetzt und behandelt Themen wie Mobbing, Empathie und Zugehörigkeit. Jugendliche aus Südtirol wirken aktiv an der Produktion mit.
Ergänzt wird die Spielzeit durch die Gesprächsreihe Pop-up-Podium, die gesellschaftspolitische Themen wie Hoferbe, Frauen und Freiheit oder Mobbing diskutiert.
„Die neue Spielzeit 2026/27 der Vereinigten Bühnen Bozen ist Ausdruck einer Theaterarbeit, die mutig, zeitgenössisch und nah an den Menschen bleibt“, meint die Präsidentin der Vereinigten Bühnen Bozen, Judith Gögele, gegenüber SALTO. „Theater kann Fragen stellen, Perspektiven eröffnen und Räume schaffen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche ist dies auch für Südtirol von besonderem Wert. Die neue Spielzeit setzt diesen Anspruch mit vielfältigen Produktionen, innovativen Formaten und einem starken Rahmenprogramm fort.“
Leider zeigt sich nach dem sehr positiven Abschluss in Hinblick auf die Besucher- und Besucherinnenzahlen der vergangenen Saison weiterhin ein drastisches Bild in Bezug auf die Vorstellungen für Schülerinnen und Schüler. Der Rückgang im Vergleich zur letzten Spielzeit beträgt 87 Prozent. Es waren also nur rund 850 Schülerinnen und Schüler statt 6.500 im Theater. Für sie blieb der Vorhang zu. Bleibt zu hoffen, dass er sich bald wieder öffnet. So offen, wie nach Brecht alle Fragen bei geschlossenem Vorhang.
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