Über das Sammeln von Kunst
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Die beiden am Dienstag im Schloss Maretsch abgehaltenen Bozner Kunstauktionen (Moderne Kunst & Tiroler Kunst inkl. Varia) beschlossen ihre 49. Ausgabe – wie in einer Mitteilung kundgetan wird – erneut mit großem Erfolg. Einen besonders hohen Preis erzielte (60.000 Euro) das Werk Pattuglia Aerea des Künstlers Tullio Crali (1910–2000) aus dem Jahr 1933. Es handelt sich dabei um ein bedeutendes Werk aus der frühen Phase der Aeromalerei, das nach längeren Verhandlungen an einen Sammler verkauft wurde.
Jüngere Generationen sind stärker vertreten als früher, ebenso Frauen...
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Aus der Vogelperspektive: Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Crali dem Futurismus verbunden, obwohl die Bewegung wegen ihrer historischen Nähe zum italienischen Faschismus stark belastet war. Er arbeitete weiter in Paris, Kairo und Mailand und versuchte später sogar, futuristische Ideen neu zu beleben. Foto: Bozner KunstauktionGeboren 1910 in Igalo (heute Montenegro), wuchs Crali in Zara/Zadar und später in Gorizia/Görz auf. Schon als Jugendlicher entdeckte er den Futurismus und blieb dieser Richtung sein ganzes Leben treu. Sein bekanntestes Werk – eine Ikone der Aeropittura – zeigt einen Sturzflug aus der Perspektive des Piloten, wobei die gemalte Stadt dramatisch nach unten wegkippt. 1995 wurde dem 2000 verstorbenen Künstler im Mart in Rovereto eine große Ausstellung gewidmet. Das vom Künstler zu Lebzeiten eigenhändig geordnete Archiv befindet sich ebenfalls im Mart und kann online recherchiert werden.
Das farbenfrohe Werk Meta VI von Piero Dorazio kam auf 50.000 Euro. Für jeweils 4.000 Euro wurden außerdem die drei Lithografien von Andy Warhol aus seinem berühmten Portfolio A la recherche du shoe perdu (ein Titel, der augenzwinkernd auf das literarische Meisterwerk von Marcel Proust anspielt) verkauft.
„Die Auktion wirkt als Motor auf dem internationalen Markt und zeigt, wie begehrt und gesucht hochwertige Werke weltweit sind“, erklärt der Direktor des Auktionshauses Bozner Kunstauktionen, Stefano Consolati.
Aber auch Experten und Expertinnen können mit ihren Einschätzungen daneben liegen. Wie etwa bei einer groß angepriesenen Arbeit für die Auktion 2025. So setzte die Bozner Kunstauktion im vergangenen Jahr neben vielen anderen Werken insbesondere auf eine frühe Arbeit des bekannten Künstlers Mario Sironi (inkl. Bezug zu Bozen). Leider wollte sie niemand haben.
Kaum Interesse: Die Arbeit „Governi liberali“ aus dem Jahr 1926 von Mario Sironi (1885-1961) wurde bei der Auktion vor einem Jahr überraschend nicht verkauft. Die Arbeit entstand zum Bau des Siegesdenkmals. Gezeigt wird ein übergroßer und wohl kulturlos karikierter Tiroler. Foto: Bozner KunstauktionAls klaren Trend erkennt der Mitverantwortliche der Bozner Kunstauktionen, Carl Kraus, die zunehmende Internationalisierung des Sammelns. „Während früher häufig regional gesammelt wurde und lokale Künstler oder Werke im Mittelpunkt standen, hat sich der Blick deutlich geöffnet. Heute orientieren sich viele Käuferinnen und Käufer international, verfolgen Entwicklungen über Ländergrenzen hinweg und bewegen sich selbstverständlicher auf einem globalen Kunstmarkt. Dadurch sind größere Vielfalt und mehr Offenheit entstanden“, sagt er.
Der aus Sterzing stammende und in Innsbruck wohnhafte Kunstexperte ist auch Mitkurator der am vergangenen Freitag auf Schloss Tirol eröffneten Ausstellung Private Collections, die den Fragen nachgeht: Wer sind die Kunstsammlerinnen und -sammler in Südtirol? Was motiviert sie zum Sammeln? Und welche Künstlerinnen und Künstler bevorzugen sie?
Eröffnung Private Collections: Carl Kraus, Silvia Höller, Eva Gratl, Sabine Schwienbacher, Heinrich Schwazer und Leo Andergassen. Foto: Schloss TirolPrivate Collections gewährt Einblicke in zahlreiche Südtiroler Privatsammlungen und präsentiert anhand ausgewählter Beispiele Kunstwerke lokaler sowie internationaler Künstlerinnen und Künstler, die von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart reichen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sammlerinnen und Sammler selbst, „ihre Motivation, ihr Kultursponsoring, ihr Mäzenatentum sowie ihre besondere Beziehung und Vorliebe für bestimmte Künstlerinnen und Künstler“.
Und wie hat sich die Zusammensetzung der „Sammlerschaft“ im Lauf der Jahre verändert? „Jüngere Generationen sind stärker vertreten als früher, ebenso Frauen, die inzwischen eine deutlich sichtbarere Rolle im Kunstbetrieb und beim Aufbau von Sammlungen einnehmen“, bekräftigt Carl Kraus. Gleichzeitig hätten sich klassische, sehr spezialisierte Sammlerprofile abgeschwächt. Stattdessen dominierten breitere Interessen und wechselnde Schwerpunkte.
Es gebe ohnehin keinen einheitlichen Typus des Sammlers oder der Sammlerin, erzählt Kraus. Vielmehr existiere „eine große Bandbreite an Persönlichkeiten und Herangehensweisen. Manche Sammlerinnen und Sammler widmen sich über Jahrzehnte einer bestimmten Künstlerpersönlichkeit oder einer klar umrissenen Kunstrichtung und versuchen, ein möglichst vollständiges Bild eines Werkes zusammenzutragen. Andere verfolgen einen offeneren Zugang, reagieren stärker auf aktuelle Entwicklungen und entdecken neue Positionen eher aus Neugier und persönlichem Interesse.“
Der Markt ist internationaler geworden.
Zum Wandel der Veranstaltung Bozner Kunstauktion im Lauf der Jahre meint der versierte Kunsthistoriker: „Heute arbeitet man bei der Bozner Kunstauktion zunehmend international, und es gibt Bieterinnen und Bieter aus verschiedenen Ländern. Der Markt ist internationaler geworden.“Die Käuferschaft verteilt sich inzwischen ungefähr zu gleichen Teilen auf Österreich, Italien und internationale Interessenten. Erfolgreich verlief die Auktionseinheit zum Design der 1970er Jahre, weniger erfolgreich hingegen – abgesehen von den großen Namen – der Bereich der Tiroler Kunst. An erster Stelle ist dabei Max Weiler (1910-2001) zu nennen, dessen Werk Collina aus dem Jahr 1973 für 45.000 Euro versteigert wurde. Auch ein Armband aus Gold und Halbedelsteinen, das Weiler in den 1960er Jahren entworfen hatte, erzielte einen Zuschlag und ging für 14.000 Euro an einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin.
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