EU führt Reparaturindex für Geräte ein
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Der Grund ist einfach. Ein neues Display kostet oft fast so viel wie ein komplett neues Smartphone. Dazu fehlen meistens die passenden Ersatzteile oder das richtige Spezialwerkzeug.
Das will die EU jetzt ändern. Zwei neue Regeln sollen dafür sorgen, dass unsere Geräte länger durchhalten und wir sie einfacher reparieren können.
Seit Juni 2025 gibt es die erste Neuerung: Handys und Tablets in der EU müssen eine Reparatur-Note tragen. Sie klebt direkt auf dem Energielabel, das man schon von Kühlschränken oder Waschmaschinen kennt. Die Noten reichen von A bis E.
Experten bewerten dafür folgende Details: Wie leicht lässt sich das Gerät öffnen? Gibt es Ersatzteile und was kosten sie im Vergleich zum Neugerät? Gibt es überhaupt eine verständliche Anleitung?
Ein Gerät mit der Note A öffnen Sie mit ganz normalem Werkzeug. Die Ersatzteile bekommen Sie problemlos. Bei der Note E sieht es dagegen düster aus: Das Gehäuse ist oft verklebt oder verschweißt, eine Reparatur ist fast unmöglich.
Diese Note finden Sie ab jetzt direkt im Laden oder im Online-Shop neben dem Preisschild. So vergleichen Sie die Reparaturmöglichkeit und die Lebensdauer beim Kauf auf einen Blick, ähnlich wie beim Stromverbrauch.
Doch der wichtigere Teil der Reform kommt genau jetzt. Es geht um das „Recht auf Reparatur“. Die Richtlinie gilt zwar schon seit Sommer 2024, aber die entscheidende Frist läuft diesen Monat ab: Bis zum 31. Juli 2026 müssen alle EU-Länder die Regeln in eigenes Recht umsetzen. Und das betrifft viel mehr als nur Smartphones.
Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke, Staubsauger, Bildschirme und sogar Akkus fallen darunter. Staubsauger, Trockner und Drucker bekommen bald ebenfalls eigene Reparatur-Noten, Laptops sollen später folgen.
Das Gesetz geht aber weit über einfache Aufkleber hinaus. Hersteller müssen Ihre Geräte in Zukunft auch nach Ablauf der gesetzlichen Garantie reparieren.
Voraussetzung ist, dass es technisch machbar ist und der Preis fair bleibt.
Wer reparieren lässt statt neu zu kaufen, bekommt als Belohnung oft sogar eine längere Garantie. Außerdem kommt ein einheitliches europäisches Reparaturformular. Damit kann man bei jedem Händler in der EU einen identischen Kostenvoranschlag anfordern und die Preise kinderleicht vergleichen.
Konkret kann die Reform mehr Durchblick vor dem Kauf und mehr Rechte danach garantieren. Wer ein neues Smartphone sucht, sieht sofort an der Note, ob es in fünf Jahren noch läuft oder auf dem Elektroschrott landet.
Danach sichert das Recht auf Reparatur Ihnen einen echten Anspruch darauf, selbst wenn die Garantie längst abgelaufen ist.
Die EU-Kommission rechnet mit riesigen positiven Effekten. In den nächsten 15 Jahren sollen Verbraucher rund 176,5 Milliarden Euro sparen, weil sie ihre Geräte länger nutzen. Gleichzeitig sinkt der CO2-Ausstoß um etwa 18,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht dem Jahresausstoß von mehreren Millionen Autos.
Für Werkstätten und das Reparaturhandwerk ist das eine gute Nachricht. Mehr Aufträge bedeuten mehr Arbeit und neue Ausbildungsplätze. Schließlich ist die Reparatur moderner Elektronik heute ziemlich anspruchsvoll. Verbraucherschützer freuen sich ebenfalls, warnen aber: Ein Gesetz auf dem Papier repariert noch kein Smartphone.
Jetzt kommt es darauf an, ob die Staaten die Hersteller auch wirklich kontrollieren und Verstöße bestrafen.
Natürlich sind nicht alle begeistert. Teile der Elektronikindustrie warnen vor höheren Kosten. Wer jahrelang Teile lagern und Anleitungen schreiben muss, hat mehr Aufwand.
Das könnte am Ende auf den Verkaufspreis aufgeschlagen werden. Andere Hersteller sehen das lockerer: Ein gutes Reparaturlabel ist ein super Verkaufsargument für Kunden, die bewusst nachhaltig kaufen.
Ob die Preise am Ende steigen, weiß heute noch niemand genau. Das ist allerdings eine Kernfrage der Reform.
Die Idee ist gut, die Zahlen der EU klingen vielversprechend. Aber ob wir am Ende wirklich mehr reparieren und weniger wegwerfen, entscheidet sich schon bald. Bis Ende Juli 2026 muss sich zeigen, wie ernst es die Regierungen mit den Kontrollen meinen.
Der erste Schritt ist mit dem Handy-Label jedenfalls gemacht. Beim nächsten Gerätekauf lohnt sich also definitiv ein genauerer Blick und zwar auf die Reparatur-Note und nicht nur auf den Preis.
Alfred Ebner