65 Millionen Tonnen CO₂ gespeichert
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Jetzt S+ abonnierenDie Landwirtschaft ist laut dem Klimaplan in Südtirol für 17 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, größter Verursacher bleibt im Vergleich dazu der Verkehrssektor mit 44 Prozent. Dabei spielen landwirtschaftliche Flächen wie Grünland, Acker und Wald auch in der Eindämmung des Klimawandels eine wichtige Rolle: Laut einer neuen Studie von Eurac Research und der Universitäten in Bozen und Innsbruck speichern alleine Südtirols landwirtschaftliche Flächen 17,9 Millionen Tonnen Kohlenstoff, was etwa 65 Millionen Tonnen CO₂ entspricht.
„Vor allem Grünland hat in der Vergangenheit viel Kohlenstoffdioxid, also CO₂, gebunden, weil es nicht gepflügt wird wie die Ackerflächen“, sagt Ökologe Georg Niedrist von Eurac Research, Projektleiter der Studie. Wird die Grasnarbe aufgebrochen, um neue Feldfrüchte wie Mais zu pflanzen, gehen im Vergleich zu Grünland bis zu 30 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar verloren.
„Konsumentinnen und Konsumenten müssten bereit sein, geringere Flächenerträge finanziell zu kompensieren.“
Bleibt die Erdoberfläche hingegen über Jahrtausende unberührt, kann über absterbende Wurzeln, Streu und Totholz langfristig CO₂ gebunden werden. Diese tiefschwarzen, dunklen Böden kommen nicht nur im Alpenraum vor, sondern beispielsweise in den Steppen Osteuropas. Diese Flächen haben ähnlich wie die Weltmeere und Moore Unmengen CO₂ gespeichert. „Dadurch, dass die Emissionen immer noch weiter steigen, sinkt aber die prozentuelle Senkenleistung der Landbiosphäre“, erklärt Niedrist. Zudem wurde in der Studie eine beunruhigende Tendenz auf den Weideflächen festgestellt.
CO₂-Speicher erwärmen sich
„Durch die immer wärmeren Temperaturen werden die Mikroorganismen in diesen Böden aktiver, zersetzen den Humus – und die Folge davon ist, dass mehr Kohlenstoff verloren geht und zur Erwärmung der Atmosphäre beiträgt.“ Dagegen gebe es leider kein Gegenmittel. „Es ist offensichtlich eine positive Klimarückkoppelung, deren Ausmaß und Prozesse wir noch besser verstehen müssen.“
„Hinzu kommt, dass wir in dieser Studie die Kohlenstoffspeicherung durch Südtirols Wälder noch nicht berücksichtigt haben. Da die Landesfläche ungefähr zur Hälfte mit Wald bedeckt ist, sind Bäume der größte Player im Kohlenstoffkreislauf in der Landnutzung“, erklärt Niedrist. Dass durch die geringere Nutzung die Verwaldung in den Almgebieten Südtirols zugenommen hat, sei bei allen negativen Begleiterscheinungen deshalb zumindest für den Klimaschutz positiv.
Komplizierter sei die Frage nach einer nachhaltigen Landnutzung bei der Umwandlung in Obst-, Wein oder Ackerflächen: Durch die Bodenbearbeitung entweicht der Kohlenstoff, der durch die Bodenorganismen freigesetzt wird. „Der Prozess läuft wie bei der Atmung von uns Menschen ab. Durch die Atmung wandeln wir Kohlenstoff zusammen mit Sauerstoff zu Kohlendioxid um. Das ist bei Würmern, Insekten und vielen Kleinstlebewesen nicht anders“, so der Ökologe von Eurac Research.
Dabei sei die Landnutzung für eine klimaneutrale Landwirtschaft aber alleine nicht ausschlaggebend: Derzeit verursacht die Landwirtschaft vor allem durch die Viehhaltung hohe Emissionen an Methan und Lachgas, neben CO₂ sehr wirksame Treibhausgase in der laufenden Erderwärmung. Außerdem besteht eine hohe Nachfrage nach Tierfutter.
„Wenn wir weltweit die Futterflächen für die Viehhaltung reduzieren und weniger tierische Produkte essen, haben wir mehr Anbauflächen für unsere Lebensmittel und können sogar Flächen für die Förderung der Artenvielfalt bereitstellen, zum Beispiel Blühstreifen oder Gehölz“, so Niedrist. „Die Konsumentinnen und Konsumenten müssten dafür aber bereit sein, geringere Flächenerträge finanziell zu kompensieren.“
Die Überschrift verkauft…
Die Überschrift verkauft einen Altbestand als Erfolg – das ist die eigentliche Botschaft nicht.
65 Millionen Tonnen CO₂ sind kein Verdienst der Landwirtschaft, sondern über Jahrtausende gewachsener Speicher in ungepflügten Böden.
Es ist eine Brutto-Zahl, keine Bilanz: Gegengerechnet ist hier gar nichts.
Nicht das Methan und Lachgas der intensiven Tierhaltung, nicht der zugekaufte Dünger und Pflanzenschutz, nicht die Transporte, nicht die importierten Futter- und Lebensmittel.
Wer sich auf Obst, Wein und Vieh spezialisiert, macht sich von Importen abhängig – und produziert genau die Emissionen, die in dieser schönen Zahl fehlen.
Dabei sagt der Ökologe im Text selbst, dass jedes Umpflügen bis zu 30 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar freisetzt.
Und dass die Speicherleistung sinkt, während die Emissionen weiter steigen.
Der Speicher ist also kein Guthaben, sondern ein Risiko: Er entweicht, sobald man die Grasnarbe aufbricht oder die Böden sich erwärmen.
Der Artikel warnt zwischen den Zeilen – nur die Überschrift tut, als gäbe es etwas zu feiern.
Ehrlicher wäre: „Südtirols Böden speichern viel CO₂ – noch.“
Zukunftsfähig ist nur eine ökologische Landwirtschaft, die die eigene Bevölkerung und die eigene Wirtschaft in einem hohen Ausmaß zu versorgen vermag.
Antwort auf Die Überschrift verkauft… von Ludwig Gruber
Danke für ihr: „in den…
Danke für ihr: „in den ehrlichen, tatsächlichen Zusammenhang stellen“.
Dass die Machtpartei, bzw. der Bauernbund, bei Klimaschutzthemen manipuliert bzw. unehrlich ist, damit ist zu rechnen. Ich weiss auch nicht wie Herr Niedrist da mitmacht oder mitmachen will, aber auch der Satz: „Kosument|in muss bereit sein, geringere Flächenbeiträge finanziell zu kompensieren“, ist insofern unehrlich, als eine (freiwillige) Zahlungsbereitschaft als Hauptlösung für ein systemisches Problem dargestellt werden soll.
In dem gegenwärtigen System bezahlen Konsumenten ja schon, u a für:
- die EU-Agrarsubventionen
- die ausgelagerten Kosten
(die Verursacherverantwortung : Konventionelle Produkte sind nur deshalb so billig, weil ihre Umweltschäden, Gesundheitsschäden von der Allgemeinheit über Steuern bezahlt werden, statt im Produktpreis enthalten zu sein.)
Über politische Verantwortung und Rahmenbedingungen, die umweltschädliches Verhalten teuer und klimafreundliches Wirtschaften rentabel machen wird überhaupt nicht gesprochen!
Antwort auf Danke für ihr: „in den… von Herta Abram
Zitat: „die…
Zitat: „die Verursacherverantwortung : Konventionelle Produkte sind nur deshalb so billig, weil ihre Umweltschäden, Gesundheitsschäden von der Allgemeinheit über Steuern bezahlt werden, statt im Produktpreis enthalten zu sein“:
Sie haben recht; und sie haben nocheinmal recht, dass diese im Produktpreis noch gar nicht enthalten sind.
Also erhöhen wir die Produktpreise für den Verbraucher entsprechend, dann bezahlt genau der, der diese Produkte kauft - und das regionale ökologische Produkt wird automatisch günstiger.
Warum aber werden die Lebensmittelpreise künstlich viel zu niedrig gehalten (auf Kosten der Umwelt, der Menschenwürde, Menschenrechte, Gesundheit)? Ich habe da so eine Idee...
Antwort auf Zitat: „die… von Peter Gasser
Schrittweise Priorisierung,…
Schrittweise Priorisierung, wäre mein Vorschlag.
Die Priorisierung gesunder Böden ist dafür das beste Beispiel, da sie Fundament positiver, regenerativer Effekte ist und mehrere globale Krisen gleichzeitig an der Wurzel packt:
Schritt 1: Bodengesundheit verbessern
Schritt 2: Nahrung & Resilienz - Gesunde Böden speichern mehr Wasser und Nährstoffe (höhere Ernährungssicherheit in Krisenzeiten)
Schritt 3: Artenvielfalt - Ein lebendiger Boden fördert das Bodenleben und damit die gesamte Biodiversität.
Schritt 4: Klima- und Umweltschutz - Humusreiche Böden binden aktiv CO₂ aus der Atmosphäre und schützen das Grundwasser
Dies sind unbezahlbare LebensWerte
Antwort auf Die Überschrift verkauft… von Ludwig Gruber
Zitat: „Zukunftsfähig ist…
Zitat: „Zukunftsfähig ist nur eine ökologische Landwirtschaft, die die eigene Bevölkerung und die eigene Wirtschaft in einem hohen Ausmaß zu versorgen vermag“: dasselbe gilt für Handwerk, Industrie und tertiären Sektor: aber die Kaffeemaschine will man doch aus China, das Handy auch, ist ja viel billiger, und Urlaub will man auch nicht zuhause machen.
Wer selbst auf die Malediven fliegt, ein chinesisches Auto fährt, Schokolade isst und dann die Südtiroler Landwirtschaft kritisiert, macht sich doch eher zur skurrilen Witzfigur.
Antwort auf Zitat: „Zukunftsfähig ist… von Peter Gasser
Die Rahmenbedingungen setzt…
Die Rahmenbedingungen setzt eigentlich die Politik und nicht der Verbraucher durch sein Konsumverhalten.
Und wenn es wichtiger ist, dass die Tomate nach 2 Wochen immer noch wie am ersten Tag aussieht und wie ein Tennisball springt aber von den natürlichen Inhaltsstoffen so gut wie nichts mehr vorhanden ist, ja dann ist wer schuld?
O-Ton eines schweizer Biobauer gestern bei 10 vor 10.
„Die Bauerbund und Agrarlobby walzt uns mit Ihrer Kampagne platt wenn wir mehr Eigenversorgung einfordern“ Aus diesem Grund schließt er sich der Kampagne zu mehr Eigenversorgung nicht mit an.
Antwort auf Zitat: „Zukunftsfähig ist… von Peter Gasser
Dazu drei Anmerkungen: 1. es…
Dazu drei Anmerkungen:
1. es ist nur scheinbar ein schlauer Winkelzug, einem Argument auszuweichen, indem man den Absender diskreditiert.
2. wer die Grundversorgung mit Lebensmitteln gleichstellt mit globalen Gebrauchsgütern oder dem Urlaubsverhalten, hat weder aus der Pandemie gelernt, noch den Klimawandel verstanden.
3. betreue ich mein gesamtes Berufsleben nachhaltige Unternehmen, Konzepte und Systeme. Leider schaffen es die konzerngetriebene Gesetzgebung, die Ausbildung (geprägt von Konzernunterlagen) bis zu den meisten Medien (in der Hand von Konzernen) von den Erkenntnissen des Club of Rome abzulenken. Bis heute, bis wir alles vernichtet haben.
Antwort auf Dazu drei Anmerkungen: 1. es… von Ludwig Gruber
Kleine Rückmeldung…
Kleine Rückmeldung meinerseits:
1. ich habe Sie nirgends weder angesprochen noch diskreditiert;
2. es geht im Artikel um Landwirtschaft, also die Erzeugung von Lebensmitteln;
3. ich stimme Ihnen in der Substanz ja zu: nur muss man Lösungen aufzeigen, nicht bloß Schuld zuweisen.
Antwort auf Kleine Rückmeldung… von Peter Gasser
1) Ich wüsste nicht, auf wen…
1) Ich wüsste nicht, auf wen außer mich (als Kritiker) der Begriff „Witzfigur“ gerichtet sein sollte.
2) Ich bin bei Lebensmitteln geblieben und hab das Problem eben nicht mit allen andern verrührt.
3) Die Lösung kann nur regionale Kreislaufwirtschaft mit Fruchtfolgen, ohne Chemie und Gentechnik sein. Die Bewirtschaftungsform heißt Biolandbau und ist ein resilientes System mit der kleinsten Schädigung unserer Lebensgrundlagen aller breiteren Schulen und Systeme.
Es ist nötig, nicht immer wieder Ausreden und Vorwände dafür zu finden, dass wir mit unseren Strukturen und Wirtschaftsweisen Kollateralschäden produzieren.
Antwort auf 1) Ich wüsste nicht, auf wen… von Ludwig Gruber
Zitat: „Ich wüsste nicht,…
Zitat: „Ich wüsste nicht, auf wen außer mich (als Kritiker) der Begriff “Witzfigur„ gerichtet sein sollte“: da liegen Sie falsch, das mißverstehen Sie aber ordentlich!
Schon im Satz darüber schrieb ich „man“ (nicht ‚Sie‘), also allgemein, darunter schrieb ich „wer“ halso bezogen auf das unbestimmte ‚man‘ darüber; hätte ich Sie gemeint, hätte es korrekt ‚wer wie Sie...‘ geheißen, dann wäre auch Ihr Vorwurf richtig.
Bitte höflich um Kenntnisnahme.
Antwort auf Zitat: „Ich wüsste nicht,… von Peter Gasser
zu Punkt 2: „2) Ich bin bei…
zu Punkt 2: „2) Ich bin bei Lebensmitteln geblieben und hab das Problem eben nicht mit allen andern verrührt“:
eine umfassende und eingeordnete Betrachtung kommt der Wirklichkeit stets näher als eine selektive.
zu Punkt 3: „ 3) Die Lösung kann nur regionale Kreislaufwirtschaft mit Fruchtfolgen, ohne Chemie ...“: und welchen Grund gibt es, dies selektiv auf die Landwirtschaft zu begrenzen, und Handwerk, Industrie und Tertiärsektor davon auszunehmen?
(klar, ein Industriemöbel von irgendwoher mit dem LKW transportiert ist halt billiger als vom regionalen Tischler nebenan).