„ ...mit fünf aufgemalten Saiten.“
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SALTO: Frau Hartmann, in Ihrer Biografie haben wir gelesen, dass Sie im Alter von fünf Jahren mit dem Geigenunterricht begonnen haben. Wir können uns vorstellen, dass auch Ihr Bühnendebüt schon in jungen Jahren stattfand. Können Sie uns Ihre Erinnerungen an Ihr erstes Konzert schildern?
Ich glaube, ich war etwa sieben Jahre alt. Ich habe damals einen Satz aus einer Händel-Sonate gespielt – und war ziemlich erkältet, sogar mit Fieber. Mein Lehrer hat mir vor dem Auftritt die Hände gewärmt. Aber für mich war das gar keine Frage: Ich wollte unbedingt auf die Bühne.
Heute spielen Sie auf einer Stradivari, die heute als „Hartmann-Stradivari“ bekannt ist. Eine Ehre, eine Freude, aber auch eine große Verantwortung…
Auf einer Stradivari zu spielen, ist für mich etwas ganz Besonderes – sie hat so viel Charakter und Geschichte. Im September 2021 habe ich dann völlig unerwartet eine E-Mail bekommen: Der größte Geigenhandel weltweit arbeitete an einem Bildband über alle noch existierenden Stradivaris, und meine war auch dabei. In dem Zusammenhang haben sie mich gefragt, ob das Instrument meinen Namen tragen dürfte. Das hat mich im ersten Moment wirklich berührt – es ist eine große Ehre. Und gleichzeitig spüre ich seitdem noch stärker die Verantwortung, diesem Instrument gerecht zu werden.
In Bozen werden Sie das „Stradivari, violin concerto“ von Aziza Sadikova aufführen. Können Sie uns das Violinkonzert der in Berlin lebenden Komponistin mit vier Adjektiven beschreiben?
Kraftvoll, farbenreich, kontrastreich und wegweisend. Ich liebe das Stück – es verbindet eine moderne Klangsprache mit barocken Elementen, in denen Tartini ganz bewusst zitiert wird.
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In den Begleitnotizen zum Album, auf dem sie gemeinsam mit Kent Nagano und dem Rachmaninoff Orchestra zu hören sind, lesen wir: „Krisen, Spaltung, Nationalismus – die Vision eines vereinten Europas wird auf die Probe gestellt. Das Rachmaninoff International Orchestra unter der Leitung von Kent Nagano und die Geigerin Rebekka Hartmann zeigen mit ihrer neuen Aufnahme, welche Kraft in der Verbindung der europäischen Kulturen steckt. Werke von Karl Amadeus Hartmann, Aziza Sadikova und Maurice Ravel zeichnen einen Weg von den dunklen Zeiten des 20. Jahrhunderts hin zu einer offenen und hoffnungsvollen Gegenwart nach“. Stimmen Sie mit Dostojewski überein, dass „die Schönheit die Welt retten wird“?
„Musik schafft einen Raum, in dem man sich begegnet, ohne sich erklären zu müssen.“
Ich würde es vielleicht etwas vorsichtiger formulieren: Schönheit allein wird die Welt nicht retten, aber sie kann Menschen berühren und zum Nachdenken bringen. Die Themen, die in diesem Programm anklingen – Krisen, Spaltung, Identität – sind ja im Moment sehr präsent. Ich merke für mich, dass Musik gerade in solchen Zeiten etwas sehr Verbindendes hat. Sie schafft einen Raum, in dem man sich begegnet, ohne sich erklären zu müssen. In diesem Sinne hat Schönheit eine Kraft, die weit über das Ästhetische hinausgeht.
Ist Ihnen während oder am Rande eines Ihrer Konzerte eine lustige oder tragikomische Begebenheit passiert, über die Sie heute noch lächeln?
Ich hatte einmal eine ziemlich lustige Situation auf der Bühne – beim Sibelius-Violinkonzert mit dem Suwon Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Daejin Kim. Im letzten Satz, etwa eineinhalb Seiten vor Schluss, ist mir die E-Saite geplatzt. Ich habe mich zur Konzertmeisterin umgedreht, wir haben kurzerhand die Geigen getauscht – und währenddessen habe ich den Solo-Part einfach gepfiffen. Danach ging es ganz normal weiter.
Haben Sie Ihr erstes Instrument noch?
Ja, tatsächlich – ich habe mein erstes „Instrument“ noch. Es war eine Pappgeige, die mir mein Bruder gebastelt hat – allerdings mit fünf aufgemalten Saiten.
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Sonderkonzert am 29. Mai
Orchestra Haydn / Filarmonica Toscanini
Kent Nagano, Leitung
Rebekka Hartmann, ViolinAziza Sadikova – Stradivari, violin concerto
Igor Stravinaskij – Le Sacre du Printemps29. Mai, 20.00 Uhr
Bozen, Stadttheater -
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