Sonnengeküsst statt Sonnengekillt
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Jetzt S+ abonnierenWas gibt es schöneres? Morgens schon gutes Wetter, viel Sonne und und sich mit dem Kaffee in der Hand den Garten anschauen. Doch der Blick aus dem Fenster zeigt ein verheerendes Bild. Statt viel Gemüse und schönen Blumen findet man in meinem garten bloß Kraut und Rüben. Und damit meine ich nicht das Gemüse. Naja, nützt ja nichts. Dann geht es halt in den Garten und dabei kann ich auch ein bisschen Vitamin D tanken. Das hat noch niemandem geschadet.
Zehn Minuten später: angenehm warm. Nach zwanzig Minuten: schon recht heiß auf der Haut. Dreißig Minuten später: plötzlich riecht es hier nacht gegrilltem Fleisch. Bin das ich?
Die Autorin
Tamara Seyr ist FNL Kräuterexpertin und Heilpraktikerin. Sie beschäftigt sich oft und auch lange (und oft auch ganz, ganz lange) mit den Kräutern und allem was dazu gehört. Das sind nicht nur die botanischen Namen, die Familienzugehörigkeit und die Inhaltsstoffe, sondern auch die Signaturenlehre.
Mehr Kräuterwissen, -rezepte und -tipps gibt es auf Instagram unter @lieblings_kraeuter
Ihr neues Buch heißt „Kräuterzwillinge“, ihr Erstlingswerk:„Klugscheißerwissen Kräuter“.
Die Erkenntnis des Tages.
Am Abend dann der Blick in den Spiegel: gerötete Haut, gespannt wie ein frisch bezogenes Bettlaken – und die plötzliche Erkenntnis: ich wurde nicht sonnengeküsst, sondern eher sonnengekillt. Ich seufze, schmiere mir irgendwas Kühles ins Gesicht und denke: Vielleicht wäre es schlauer gewesen, nicht nur von außen zu cremen, sondern meinen Körper auch von innen ein bisschen besser auf diesen „Sonnenstress“ vorzubereiten.
Denn genau da kommen sie ins Spiel: die Sonnenkräuter. Pflanzen, die nicht nur äußerlich pflegen, sondern die Haut von innen stärken, regenerieren und ihr helfen, mit Licht, Hitze und Umweltstress besser umzugehen.
Sonnenstress: Wenn Licht plötzlich Arbeit macht
Sonne ist Leben – aber eben auch Stress. UV-Strahlung erzeugt freie Radikale, die Zellstrukturen angreifen. Die Haut reagiert mit Rötung, Trockenheit, manchmal Entzündung. Gleichzeitig wird sie schneller älter, verliert Elastizität und Feuchtigkeit. Kurz gesagt: Sonne ist wie ein guter Freund, der manchmal ein bisschen übertreibt.
Hier können Kräuter unterstützen – nicht als Ersatz für Sonnenschutz, sondern als innere und äußere Begleiter, die die Haut robuster machen.
Arnika – die klassische Erste-Hilfe der Natur
Johanniskraut ist wie eine kleine Sonnenbatterie aus der Natur. Seine leuchtend gelben Blüten scheinen das Licht regelrecht einzufangen – und genau diese Qualität bringt es auch in seine Wirkung mit: regenerierend, beruhigend und ausgleichend für Haut und Nerven.
Die enthaltenen Stoffe wirken entzündungshemmend und unterstützen die Haut dabei, sich nach Belastung wieder zu erholen. Besonders als tiefrotes Johanniskrautöl entfaltet die Pflanze ihre Stärke: Es beruhigt gereizte, sonnengestresste Haut, fördert die Wundheilung und hilft, Spannungsgefühle zu lindern. Wie ein sanfter Reparaturmodus nach einem Tag in der Sonne.
Die Haut profitiert.
Doch Johanniskraut wirkt nicht nur äußerlich. Innerlich eingesetzt kann es das Nervensystem stabilisieren und Stress regulieren. Und weil Stress oft direkt unter die Haut geht – mit Rötungen, Unreinheiten oder Empfindlichkeit – profitiert auch das Hautbild von dieser ausgleichenden Wirkung.Typisch für Johanniskraut ist seine Verbindung von Licht und Regulation: Es bringt Ruhe ins System, wenn alles ein bisschen „überreizt“ ist – sei es durch Sonne, Stress oder beides zusammen.
Wichtig zu wissen:
Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Deshalb ist es weniger geeignet direkt vor intensiver Sonneneinstrahlung, sondern ideal für die Pflege danach. Kurz gesagt: kein Sonnenschutz – aber ein hervorragender Regenerationsprofi, wenn die Haut wieder in Balance kommen will.
Ringelblume: die Hautversteherin
Die Ringelblume ist wie diese eine Freundin, die sofort merkt, wenn es dir zu viel wird – und einfach da ist, ohne großes Drama. Seit Jahrhunderten gehört sie zu den wichtigsten Hautpflanzen überhaupt, weil sie genau das kann, was gestresste Haut braucht: beruhigen, reparieren und stärken.
Ihre Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und reizlindernd. Gerade bei sonnengestresster Haut zeigt sie ihre Stärke: Rötungen klingen schneller ab, kleine Schäden heilen besser und die Hautbarriere wird stabilisiert. Sie hilft der Haut dabei, sich selbst wieder zu regulieren, statt nur oberflächlich „zugedeckt“ zu werden.
Eine echte Allrounderin
Ob als Salbe, Öl, Tinktur oder Tee – die Ringelblume arbeitet leise, aber unglaublich zuverlässig. Sie ist keine Pflanze, die spektakulär eingreift, sondern eine, die konstant unterstützt und die Haut Schritt für Schritt zurück in Balance bringt. Besonders spannend: Ringelblume wirkt nicht nur lokal auf die Haut, sondern unterstützt auch innerlich die Regeneration von Schleimhäuten und Gewebe. Damit ist sie eine echte Allrounderin, wenn es um Heilungsprozesse geht.
Wenn die Haut also nach Sonne, Wind oder Stress sagt: „Ich hab genug“, dann antwortet die Ringelblume ganz entspannt: "Komm her, wir kriegen das wieder hin.
Aloe: die Durstlöscherin
Aloe ist im Grunde ein lebender Wasserspeicher – vollgepackt mit Feuchtigkeit, die sie großzügig an gestresste Haut weitergibt. Ihre kühlende und hydratisierende Wirkung ist nicht umsonst legendär, vor allem wenn die Sonne es mal wieder ein bisschen zu gut gemeint hat. Nach zu viel Sonne fühlt sich Aloe an wie ein großes Glas Wasser für die Haut. Sie beruhigt Rötungen, lindert Spannungsgefühle und hilft dabei, die Feuchtigkeitsspeicher wieder aufzufüllen. Gleichzeitig unterstützt sie die Zellregeneration und fördert, dass sich die Haut schneller erholt.
Das Besondere:
Aloe arbeitet nicht fettend, sondern wasserbasiert. Sie zieht schnell ein, hinterlässt ein angenehmes, frisches Gefühl und ist damit ideal für alle, die nach Sonne eher „Hitze rausziehen“ als „noch mehr draufpacken“ wollen. Auch innerlich angewendet – in geeigneter Form – kann Aloe den Stoffwechsel und die Hautgesundheit unterstützen. Sie wirkt sanft regulierend auf Verdauung und Entgiftungsprozesse, was sich wiederum positiv auf das Hautbild auswirken kann.
Kurz gesagt: Aloe ist die Soforthilfe unter den Hautpflanzen. Wenn deine Haut schreit: „Ich brauche sofort Hilfe!“, steht sie schon mit dem Wasserglas bereit.
Lavendel: der Ruhepol
Lavendel ist wie der tiefe Atemzug nach einem langen, heißen Tag. Während die Haut noch leicht glüht und der Kopf irgendwo zwischen „Sonne war schön“ und „war vielleicht doch zu viel“ schwankt, bringt er genau das, was jetzt fehlt: Ruhe.
Die Haut wieder ins Gleichgewicht bringen.
Seine Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, antibakteriell und beruhigend – und das gleich doppelt: auf der Haut und im Nervensystem. Gerade nach Sonne hilft Lavendel, Rötungen zu lindern, kleine Irritationen zu beruhigen und die Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei ist er sanft, aber effektiv – kein Drama, sondern leise Regulation.
Als Hydrolat, Öl oder in einer leichten Pflege angewendet, unterstützt er die Regeneration, ohne die Haut zu beschweren. Gleichzeitig sorgt sein Duft dafür, dass auch innerlich ein bisschen Entspannung einkehrt. Denn Regeneration passiert nicht nur oberflächlich – sie braucht auch ein ruhiges System im Hintergrund.
Und genau hier liegt seine besondere Stärke:
Lavendel verbindet Hautpflege mit Nervensystempflege. Er hilft, die „innere Hitze“ runterzufahren, Stress abzubauen und dem Körper zu signalisieren: Alles gut, du kannst jetzt runterfahren und reparieren.
Kurz gesagt: Lavendel ist nicht die Erste-Hilfe-Pflanze – er ist der, der danach bleibt, das Licht dimmt und dafür sorgt, dass sich alles wieder einpendelt.
Hautregeneration: Teamarbeit im Körper
Unsere Haut ist kein isoliertes Organ. Sie hängt eng zusammen mit Leber, Darm, Hormonen und dem Nervensystem. Wenn die Haut gestresst ist, lohnt es sich, nicht nur zu cremen, sondern auch von innen zu unterstützen:
- Antioxidative Pflanzenstoffe helfen, freie Radikale zu neutralisieren
- Bitterstoffe entlasten die Leber
- beruhigende Kräuter regulieren Stressreaktionen
Die Folge: Die Haut wird widerstandsfähiger, regeneriert schneller und reagiert weniger empfindlich.
Von Sommerglow bis Sonnenkater
Es gibt diese zwei Versionen von uns: Die eine kommt aus der Sonne und strahlt wie ein goldener Pfirsich. Die andere sieht aus wie ein leicht überforderter Hummer.
Der Unterschied? Nicht nur Sonnencreme – sondern auch, wie gut die Haut vorbereitet und gepflegt ist.
Kräuter können genau hier ansetzen: Sie stärken die Hautstruktur, helfen bei der Regeneration und sorgen dafür, dass aus „Sonnenkater“ wieder „Sommerglow“ wird.
Sonne genießen – mit Pflanzenpower
Und während ich immer noch ganz ungläubig vor dem Spiegel stehe – leicht angegart und um eine Erfahrung reicher – wird mir klar: Sonne ist wunderbar, aber eben kein Selbstläufer. Unsere Haut arbeitet dabei auf Hochtouren und freut sich über ein bisschen Unterstützung.
Genau hier kommen Kräuter wie Johanniskraut, Ringelblume, Aloe und Lavendel ins Spiel. Sie helfen nach der Sonne zu beruhigen, zu regenerieren und die Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Also: Sonne genießen, aber nicht übertreiben – und der Haut danach geben, was sie wirklich braucht.