Kultur | Moosparade

Techno zwischen Apfelbäumen

Am Dienstag (Staatsfeiertag) zieht die Moosparade als erste Unterlandler Technoparade durch die Obstwiesen. Big-City-Feeling im Grünen.
Moos Parade
Foto: Screenshot Instagram, Montage: SALTO
  • Street Parade in Zürich mit bis zu einer Million Teilnehmern? Pffft. Was die können, können die Unterlandler schon lange! Am Dienstag, 2. Juni (Staatsfeiertag) wird sich eine (kleine) Kolonne mit vier LKWs mit Musikanlage von Margreid nach Neumarkt ziehen, Tänzerinnen und Tänzer im Schlepptau.

    Quer durch die Obstwiesen.

  • Von Margreid nach Neumarkt

    Start und Aufstellung ist von 14 bis 16 Uhr am Bahnhof Margreid, damit die Gäste mit dem Zug anreisen können. Von dort geht es ab 16 Uhr durch die Obstwiesen zum Bahnhof Neumarkt, etwa drei Stunden sind für die drei Kilometer eingeplant.

    Am Bahnhof Neumarkt gibt es die Afterparty, die schon bald nach neun enden soll, damit die Gäste die letzten Züge nach Norden und Süden erreichen, die um 22 Uhr am Bahnhof abfahren.

    Die Idee einer Moosparade geisterte schon lange durch die Unterlandler Köpfe. Aus einer Idee wurde mehr, beim Reden kam man zusammen, lernte Kollektive (so nennt man die Gruppen, die die Wagen bespielen) in ganz Südtirol kennen. „Wir wollen einer Kulturform Raum geben, die es in Südtirol schwer hat“, sagt Michele Braito. Er ist Direktor von Jugend Cultura Unterland, einem Verein für Jugend- und Kulturarbeit, der unter anderem die Jugendzentren in Laag, Auer und Neumarkt leitet und den Garten der Begegnung in Salurn.

  • Im Moos ist was los

    Der Name ist Programm. Die Parade (natürlich englisch ausgesprochen) im Moos. Das hat nichts mit diesen grünen, gedrungenen Gewächsen im Wald zu tun, sondern ist ein altes Wort für einen Sumpf, so nennen die Unterlandler die Gebiete im Tal, die trockengelegt wurden und heute vor allem Apfelbäume beherbergen. Die Moosparade soll Vielfalt in die Monokultur bringen.

    Als zweiten Hauptgrund nennt Braito das Engagement gegen die Abwanderung der Jugend. „Es gibt viele Gründe für die Abwanderung“, sagt Braito, „und eine einzige Parade wird nicht viel ändern. Aber auch die Jugendkultur kann einen Unterschied machen. Fühle ich mich wohl in meiner Gegend? Kann ich mich verwirklichen? Kann ich etwas umsetzen? Vielleicht ist das ein kleiner Grund, zurückzukommen, und vielleicht denkt einmal jemand, der Kinder hat, zurück, wie schön er es damals hatte, als er selbst jung war.“

  • Begeistert vom Engagement der Jungen

    Das Organisationskomitee besteht aus rund 15 Personen, neben der Jugend Cultura Unterland und dem Jugendtreff Point auch die Kollektive Szenario, Fiction und Keep it Simple. Bei der Parade werden auch die Kollektive Psylancrew, Rave N' Sound und eNoetics dabei sein.

    Braito freut sich über die große Beteiligung: „Auf die Jugendlichen wird immer geschimpft, dass sie sich nicht engagieren. Aber wenn es ein Projekt ist, das sie begeistert, dann kommen sie, mit unglaublich viel Antrieb und Seriosität“.

    Schwierig sei die Organisation gewesen, sagt Braito, die Bürokratie unglaublich anstrengend und zeitraubend, aber die Gemeinden, vor allem Neumarkt, hätten die Veranstalter sehr unterstützt.

    Aber erst mal will man die erste Ausgabe genießen. Zürich hat vielleicht die größte Technoparade der Welt, aber das Unterland hat definitiv mehr Apfelbäume! Und eine Million Menschen sollten im Overtourismus-Land Südtirol doch machbar sein?