Demo in einer deutschen Stadt 2024: Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, in Umfragen führt die AfD mit 42 Prozent. Bild: Unsplash / Christian Lue
Politik | Sie haben gut reden

Klare Worte

Eine Brandmauer gegen rechts ist noch keine Antwort auf eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Und wird auch nicht den Sieg der AfD verhindern.

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Am Sonntag nächster Woche finden im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt. Die AfD liegt stabil bei über 40%. Die übrigen Parteien helfen ihr, indem sie tun, was sie am besten können: sich empören. 

Wer mitten in den Bergen brüllt, hört sein Echo widerhallen. Eine seltsame Erfahrung, in der die eigene Botschaft akustisch multipliziert wird. Man gewinnt den Eindruck, man stehe mit der eigenen Meinung nicht allein da. In der Landschaft von Sachsen-Anhalt gibt es zwar keine Berge, doch eine hohe Brandmauer. Dadurch wird der Ruf, dass mit einem Wahlsieg der AfD das Land im Nichts versinken wird, zu einem forttönenden Echo. Ein Kind, das dieses akustische Phänomen zu ersten Mal erlebt, mag darüber staunen. Ein Erwachsener denkt bei sich „ach ja, das Echo“ und zieht unbeirrt seines Weges. Desgleichen werden die Bürgerinnen und Bürger von Sachsen-Anhalt in der kommenden Woche den Mahnruf „die AfD ist rechtsextrem“ überhören. Sie werden zu den Wahlurnen pilgern. Sie werden ihren Zettel mit dem angekreuzten AfD-Symbol in die Urne werfen. 

Man hat es konsequent vermieden, sich an einen Tisch zu setzen und über Inhalte zu sprechen.

Will man den Sieg der AfD verhindern? So staune ich über die angewandte Strategie. Die gebetsmühlenartige Dämonisierung des Gegners erzielt langfristig die gegenteilige Wirkung. Der Gegner wird zum tremendum faszinosum. Das ist keine gewagte Hypothese, sondern Psychologie für Erstsemestrige. Auch die Vergangenheit moniert uns: Berlusconi schaffte es vier Mal an die Spitze der italienischen Regierung. Er war kein schlechter Politiker, doch angesichts der über 30 gegen ihn angestrengten Prozesse und seiner degoutanten Lebensführung, die keines Staatsmannes würdig ist, sind sein politischer Erfolg und seine Popularität nicht erklärbar. Die unzähligen Massendemonstrationen gegen ihn sowie die kontinuierliche Empörung der oppositionellen Linken haben aus ihm einen Mythos gemacht. Ähnlich wird gerade der Spitzenkandidat der AfD Ulrich Siegmund politisch sowie medial dämonisiert und damit vergöttlicht. Die Wochenzeitung Der Spiegel widmete ihm just eine Titelseite, um vor dem „gefährlichsten Mann Deutschlands“ zu warnen. Siegmund lässt sich mit der Zeitschrift grinsend ablichten und bedankt sich für die Gratiswerbung. So einfach. 

Nun steht man unmittelbar vor den Wahlen und schaut auf den Trümmerhaufen der medialen Strategie. Als ultima ratio warnt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle vor dem Abstürzen der Wirtschaft im Fall eines Sieges der AfD. Doch wen soll dies schrecken? In den beiden Vorjahren schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,5 und um 0,9 Prozent. Dass dies zwei Jahre in Folge geschah, passierte zuletzt vor über 20 Jahren. 

Man hat es konsequent vermieden, sich an einen Tisch zu setzen und über Inhalte zu sprechen. Stattdessen wollte man stets „klare Worte“ gegen Rechtsaußen finden. Nun ist es zu spät. Wir Südtiroler machen es den Deutschen nach, empören uns mit ihnen. Dadurch werden wir zum Echo des Echos.