Politik | Großprojekt

6.200 Unterschriften gegen Alperias Plan

Bürgerinitiative und Tourismusverein stellen sich gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk von Alperia in Ulten. Befürchtet wird eine Bauzeit von bis zu zehn Jahren.
Das Großprojekt weckt alte Erinnerungen: Von 1949 bis 1969 wurden von den Gletscherregionen des Zufritt bis nach Lana sechs Stauseen und fünf Kraftwerke errichtet. Bild: Alperia

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„Der Larcherberg gilt als der schönste Berg im Tal und befindet sich auf der Sonnenseite“, sagt Agnes Schwienbacher von der Bürgerinitiative gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk von Alperia. Das Großprojekt mit einem veranschlagten Budget von 700 Millionen Euro würde nicht nur das Erholungsgebiet am Zoggler Stausee, sondern auch das Gebiet der Kofelraster Seen am Larcherberg bedrohen. 

Probebohrungen der Alperia am Larcherberg: Es geht um das wohl größte Infrastrukturprojekt für die Energiewende in Südtirol. Alperia

„Zu uns ins Ultental kommen auch die Einheimischen aus Meran, weil es bei uns schön und ruhig ist und wir keine Hotspots haben“, erklärt Paul Rainer, Präsident des Ultner Tourismusvereins. „Die Planer sprechen zwar von fünf bis sieben Jahre Bauzeit. Wir wissen aber alle, dass es länger dauern wird und wir uns auf eine Bauzeit von bis zu zehn Jahren einstellen müssten“, sagt Rainer. 

Bereits letztes Jahr waren wegen eines Lecks am Zoggler Stausee Lkw auf den Ultner Straßen unterwegs, teils im Fünf-Minuten-Takt. Außerdem führen die Instandhaltungsarbeiten der Kraftwerke und Speicherbecken zu einem Anstieg des Verkehrsaufkommens und stören die Ruhe im Tal. 

Energiewende zulasten der Ultner Bevölkerung?

Die Landesenergiegesellschaft Alperia plant, am Larcherberg ein drittes Pumpspeicherkraftwerk in Ulten zu errichten, das den Arzkar-Stausee mit dem Zoggler Stausee verbindet. Bereits in den Baujahren der sechs Stauseen im Tal zwischen 1949 und 1969 wurde eine Pumpe zwischen dem Stausee Weißbrunn und dem Arzkar-Stausee verlegt. 

Nun soll ein neuer Druckstollen samt Pumpe errichtet werden, um die Speicherkapazität für die zeitweise Überproduktion durch erneuerbare Energie in Südtirol zu erhöhen. „In der öffentlichen Debatte geht es vor allem um den Südtiroler Klimaplan und unsere Anliegen geraten in den Hintergrund. Es wird so dargestellt, als würde die Welt untergehen, wenn das Pumpspeicherkraftwerk bei uns nicht gebaut wird“, kritisiert Schwienbacher. 

Zwanzig Jahre Bauzeit: Der Bau der sechs Stauseen zog sich über Jahre hin, zum Teil gegen den Willen der Bevölkerung. Alperia

Die Bürgerinitiative hat bereits rund 6.200 Unterschriften auf Papier gegen das Vorhaben gesammelt und will diese in den nächsten Wochen dem Südtiroler Landtag übergeben. Auch der Präsident des Tourismusvereins zweifelt an der Notwendigkeit des Projekts: „Muss es wirklich ein Pumpspeicherkraftwerk sein oder gibt es andere Möglichkeiten? Wer weiß, vielleicht entwickelt sich die Batterietechnologie in den nächsten Jahren rasant weiter“, meint Rainer. 

Am 7. März 2027 werden die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Ulten über das geplante Pumpspeicherkraft abstimmen. An das Ergebnis wird sich die Landesregierung halten, erklärte sie bereits vor zwei Jahren. „Was passiert aber, wenn 2028 eine neue Landesregierung gewählt wird“, fragt Schwienbacher. 

Stromrabatt ohne Garantie

Auch Rainer vom Tourismusverein äußert seine Zweifel zu den Abmachungen mit Land und Alperia. „Die Vergünstigung der Strompreise für die Gemeinde sollte über die 30-jährige Konzessionsdauer von Alperia hinausgehen. Uns sollte garantiert werden, dass wir durch den Bau des Pumpspeicherkraftwerks unabhängig vom Konzessionsinhaber eine Stromvergünstigung erhalten“, sagt Rainer mit Blick auf das „Ultner Paket“, das derzeit zwischen Gemeinde und Alperia verhandelt wird. 

Damit dürften noch einige offene Fragen vor der Volksbefragung geklärt werden müssen.

Eine weitere brenzlige Frage betrifft den Bau einer neuen Stromleitung des Netzbetreibers Terna. „Ursprünglich war die Rede davon, dass die neue Leitung nach Lana unterirdisch verlaufen soll. Da das aber zu kostspielig sein könnte, kommt wieder eine neue Hochspannungsleitung ins Gespräch“, sagt Rainer. Damit dürften noch einige offene Fragen vor der Volksbefragung im nächsten Jahr geklärt werden müssen. 

Bis dahin ist Alperia laut einem einstimmig gefassten Beschluss des Ultner Gemeinderats von 27. März 2024 verpflichtet, keine Vorarbeiten für das Projekt durchzuführen. Davon ausgenommen sind das Quellmonitoring und geologische Untersuchungen am Larcherberg, um ausreichend Informationen für die Volksbefragung bereitstellen zu können. 

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