Politik | Waldschutz

Ein bisschen was geht immer noch

Die neue Kampagne „Waldatem“ des Landes soll das Bewusstsein für den Wert des Waldes stärken. Doch wie genau nehmen es das Land und die Gemeinden mit diesem Anliegen?
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Kahlschlag von Ufergehölz am Etschufer bei Sigmundskron
Foto: Thomas Benedikter
  • Mit der am 20.3.2026 gestarteten Kampagne des Landes soll sich die Bevölkerung und die Waldbesitzer des Werts des Waldes bewusstwerden. Baumfeste oder die Forst-Info-Tage sollen weitergeführt, zusätzliche Bewusstseinsbildungsmaßnahmen verbreitet werden, etwa die Vermittlung von Waldwissen in den Medien. „Unser Wald erfüllt zentrale Funktionen für Mensch, Tier und Umwelt“, betonte Forstwirtschaftslandesrat Walcher, denn: „….gerade nach den Schäden der vergangenen Jahre ist es jetzt wichtig, stabile Mischwälder und den Schutzwald zu stärken und zugleich verständliche, leicht zugängliche Informationen bereitzustellen.“ Sein Wort in der Landesregierung Ohr.

    Denn die vielfachen Attacken auf alle Art von Wald von privater wie von öffentlicher Seite scheinen trotz „Waldatem“ nicht so schnell aufzuhören. Laut Agrar- und Forstbericht des Landes (2024, S. 93) sind 2024 53,5 Hektar Wald im Zuge der genehmigungspflichtigen Grün-Grün-Änderungen (meist Wald zu Wiese) abgeräumt worden, ein seit Jahren andauernden Trend. Einige weitere Beispiele.

    Soeben ist ein großes Stück Auwald bei der Brixner Gewerbezone in einer Nacht- und Nebel-Aktion gerodet worden, um der Erweiterung des Unternehmens PROGRESS Platz zu machen, wie SALTO berichtete. Es soll zwar eine Ausgleichsfläche aufgeforstet werden, doch nicht nur Forstwirte wissen, wie lange es braucht, bis eine Art Biotop wie dieser Auwald wieder auswächst.

    Keine Probleme hat mit der Waldzerstörung für Speicherbecken für Skigebiete. Ende 2025 mussten im Antholzertal 2,5 Hektar Wald einem Speicherbecken für die Olympia-Biathlon-Wettbewerbe weichen. Und schon stehen die nächsten Rodungen für diesen Zweck auf dem Kronplatz an, als ob man diesen Berg nicht schon genug entstellt hätte. Nicht verständlich, warum diese Kunstschneebecken mitten im Wald gegraben werden müssen. Weil der Skibetrieb immer mehr Kunstschnee braucht, wird es nicht dabei bleiben. Die berüchtigten Speicherbecken für landwirtschaftliche Zwecke im Buchenwald von Altenburg und im Montigglerwald sind auch nicht vom Tisch. Ein neuer Projektvorschlag der Betreiber weist dieselben Schwachstellen auf.

    Wenn es um den Neubau von Liftverbindungen geht, spielt der Waldschutz ohnehin eine Nebenrolle. Beim fast beschlossenen Marinzenlift von Kastelruth auf die Seiseralm muss für touristische Zwecke wieder viel Wald geopfert werden.

    Massiv dran glauben muss alle Jahre wieder das Ufergehölz der Entsch entlang. Dabei geht es nicht nur um einige alte Bäume, die in den Fluss zu stürzen drohen, sondern um kilometerlangen rabiaten Kahlschlag. Wie das zum vorgeblichen Schutz der Ökosysteme durch Aufweitung längs des Etschufers passt und warum dieses Ufergehölz überhaupt stört, ist völlig rätselhaft. Wo sie es nicht schon ist, wird die Etsch so zum Kanal.

    Zudem gibt es in Südtirol auch noch flächendeckende Waldrodung in höheren Lagen. Seit vielen Jahren wird im Sarntal der Latschenwald in fast schon industrieller Weise „geerntet“ für die Ölproduktion. Doch die Zwergkiefer ist ein Baum und die Latschenwälder sind im restlichen Alpenraum streng geschützt, nur nicht bei den Sarnern. Latschenwälder werden in der Regel als Schutzwälder eingestuft und sind oft Teil von Schutzgebieten wie Natura 2000. Sowohl die einzelne Pflanze als auch ihr Lebensraum, der Latschenwald, genießen aufgrund ihrer ökologischen Bedeutung einen hohen Stellenwert in der Naturschutzgesetzgebung. Besonders in hohen Lagen sind Latschenkiefernbestände entscheidend, um den Boden zu festigen und Naturgefahren zu verhindern. Doch vor allem im Durnholzer Tal und rund um den Sarner Mittelberg fallen jährlich viele Hektar einem kompletten Kahlschlag zum Opfer. Ist die Herstellung einiger Kosmetika so wichtig, dass ganze Berghänge entwaldet werden müssen? Wie passt dieser Kahlschlag zur Waldschutzkampagne?

    Man müsse im Wald über mehrere Generationen denken, heißt es bei „Waldatem“. Damit der Wald für alle da ist, muss man respektvoll damit umgehen, schreibt das Landespresseamt zur Kampagne Waldatem. Klingt gut, ist mehr als gerechtfertigt. Während man über „Waldatem“ Waldwissen geliefert bekommt, wird nebenan für Speicherbecken gerodet. Wie beim Klimaplan erhält man den Eindruck, dass die hehren Ziele und die konkrete Politik nicht so eindeutig zusammenpass. Das Land schreibt solche Ziele in „weiche“ Planungswerke, die niemanden wirklich binden („Umwidmung von Waldflächen reduzieren“ steht im Klimaplan 2040, S. 68), hat dann kein Problem, bei unzähligen Einzelentscheidungen davon abzurücken. Mit anderen Worten: es braucht einen langen Atem, wenn man den Waldatem erhalten will.