Kultur | Arbeitsleben

Leben ohne Planung

Der hohe Beamte Antonio Lampis legt mit dem morgigen „Tag der Arbeit“ seine Arbeit nieder. Nach 44 Jahren geht er glücklich in Rente. Ein Abschiedsgespräch mit Musiktipp.
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Foto: Privat
  • SALTO: Der 1. Mai spielte in Ihrem bisherigen Leben eine Rolle. Nun ist eine besondere Situation dazugekommen. Pünktlich zum Tag der Arbeit…

    Antonio Lampis: Ja, ich bin sehr glücklich, dass es sich geändert hat.

    Sie gehen in den verdienten Ruhestand…

    Ja, ich habe mit 18 Jahren mit der Arbeit begonnen und ich habe sehr viel gearbeitet. Während meine Freunde am Wochenende Spaß hatten, habe ich studiert. Aber das war alles sehr interessant.
     

    Nun freue ich mich auf mehr Spontaneität. 

  • Handbuch für funktionierende Funktionäre: Das jüngste Buch von Antonio Lampis war ein großer Erfolg. „Ich mag Literatur und Philosophie“, sagt er. Foto: Editrice Bibliografica

    Bei Ihnen beginnt der große Spaß am Leben mit der Pensionierung? Als DJ werden Sie sich sofort hinter die Plattenteller stellen…

    Das ist ein Hobby im Leben. Ich habe früher immer nur klassische Musik gehört, bis ich 40 war. Dann habe ich begonnen, mich für elektronische Musik zu interessieren, also für den melodischen Techno, die angesagte Musik in Berlin. Und mit den Jahren habe ich angefangen, Vinyl zu kaufen, Clubs zu besuchen und so weiter…

    Und jetzt, wird dieses Musik-Hobby zu Ihrer neuen Arbeit?

    Nein, absolut nicht. Bisher habe ich zwei- oder dreimal pro Jahr öffentlich Platten aufgelegt. In Zukunft werden solche DJ-Sets vielleicht vier- oder fünfmal sein.
     

    Ich glaube, die Welt ist etwas zu sehr um das Arbeiten herum organisiert.


    Haben Sie keine Angst vor der Pensionierung?

    Ich habe keine Angst. Ich glaube, die Welt ist etwas zu sehr um das Arbeiten herum organisiert. Ich schreibe und lese. Ich mag Literatur und Philosophie. Und ich möchte mich ein bisschen um mich kümmern, auch um meine Freunde, die ich in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren habe. Wegen der Arbeit.
    Ich bin nun sehr glücklich. Nachdem ich mein ganzes Leben an die anderen gedacht habe, werde ich nun etwas mehr an mich denken.

    Das klingt gut. Haben Sie schon eine konkrete Planung für die Zeit ab dem 1. Mai? Was wird passieren?

    Das Schöne ist, dass es nicht wirklich eine Planung gibt. Mein ganzes Leben war verplant. Ich wachte morgens auf und fragte mich, was ich heute machen soll. Es war immer alles geplant. Wenn man mit Freunden zusammen war, musste man immer auf die Uhr schauen. Nun freue ich mich auf mehr Spontaneität. Ich möchte ein bisschen so leben, ohne Planung.

  • Ein freier Mann: „Ich war immer ein freier Mensch, der sich Gedanken machte.“ Foto: (c) unibz

    Sie haben auch einige Jahre in Rom für die italienischen Museen gearbeitet. Warum sind Sie wieder zurückgekehrt?

    Das war in einer Nacht, da habe ich die 10 Gründe aufgelistet, um zu bleiben, und die 10 Gründe, um zurückzukehren. Die Gründe für die Rückkehr haben gewonnen.

    Und in Sachen Pensionierung. Haben Sie da auch eine Liste mit Pro und Contra gemacht?

    Das war nicht nötig.

    Und in die Politik wollen Sie auch nicht gehen?

    Nein. Das interessiert mich nicht.

    Kann man bald ein Buch erwarten?

    Nein, das, was ich publizieren wollte, habe ich bereits publiziert. Ich habe sehr viel geschrieben.

    Sie sind jetzt ein freier Mensch…

    Ich war immer ein freier Mensch, der sich Gedanken machte.

    Eine letzte Frage. Wenn Sie nun in Rente sind, welche Musik werden Sie als erstes auflegen…

    Ich höre gerne Basic Channel, eine wichtige Gruppe für mich. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Musikgeschichte.

  • Musik-Tipp für die Pensionierung
    (c) Basic Channel