„Solange meine Augen gut sehen“
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SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?
Veronika Oberbichler: Ich kann mich daran erinnern, dass ich völlig versessen war auf die Geschichten von Pumuckl und seinem Meister Eder. Ich konnte gar nicht genug kriegen davon. Das ging so weit, dass ich – sobald einer der Sammelbände sich dem Ende zuneigte – meine Mutter dermaßen gedrängt habe, mir Nachschub zu besorgen, dass ihr nichts Anderes übrigblieb, als in den Bus nach Bruneck zu steigen, um mir weiteren Lesestoff zu besorgen. Da war ich ziemlich hartnäckig, muss ich sagen. Das hatte absolute Priorität. Im Lesefluss unterbrochen zu werden kann ich nach wie vor schlecht aushalten.
Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?
Letzter Satz? Na ja, ich habe ja das Gedächtnis einer Katze und kann mir solche Dinge nicht merken. Sollte mich ein letzter Satz je dermaßen beeindruckt haben, dann wohl deshalb, weil die Autorin den gesamten Text bereits besonders gelungen erzählt hat. Was mich immer wieder überrascht beim Lesen ist natürlich dieses unvergleichbare Gefühl der Glückseligkeit beim Zu Ende lesen eines Buchs. Gibt es etwas Vergleichbares?
Irgendwann werde ich dem Buch (und mir!) eine dritte und letzte Chance geben.
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Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer... Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?
Leider war das „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Ich habe es zweimal probiert und hab einfach nicht viel anfangen können damit, obwohl mir der Handlungsstrang doch eigentlich gefallen müsste! Ich verstehe es selbst nicht. Irgendwann werde ich dem Buch (und mir!) eine dritte und letzte Chance geben.
Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?
Keine Ahnung. Hätte ich einen solchen je gelesen, würde ich mit einem Außerirdischen vermutlich trotzdem lieber über andere Dinge sprechen wollen.
Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?
Denen meiner liebsten Buchhändlerin im Buchladen am Rienztor. Außerdem den Tipps von guten Freunden. Manchmal auch jenen von Literaturzeitschriften oder Feuilletons. Ich lasse mich aber auch gerne einfach von Büchern aus den Regalen im Buchhandel ansprechen … diese stillen Lockrufe haben mich schon öfters mehr als zufriedengestellt. Das Spannende ist es ja auch, sich von einem Buch und seiner Thematik einfach finden zu lassen.
Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen?
Schwierige Frage! Einen Fehlschlag auf einer einsamen Insel zurücklassen? Da fällt mir nur ein dickes Notizbuch ein, mit einem Stift und vielen leeren Seiten. Das wäre dann allerdings nie und nimmer ein Fehlschlag, das wäre wohl eher ein Glücksfund für Gestrandete.
Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?
Mit E-Readern kann ich nichts anfangen. Solange meine Augen gut sehen, wird das auch so bleiben.
Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?
Alle von Anita Pichler. Und sehr viele andere müsste ich hier nennen … Einzelne hervorzuheben fällt mir allerdings schwer! Wir haben wirklich viele spannende Schriftsteller:innen, junge und ältere, hiergebliebene und ausgewanderte.
Zwei Bücher zum „politischen Südtirol“ allerdings kann ich gerne weiterempfehlen, und zwar im Doppelpack: „Stella aliena. La Südtiroler Volkspartei spiegata agli italiani“ von Lucio Giudiceandrea und „Die Blüten der Macht. Die Südtiroler Volkspartei zwischen Wunder und Widerspruch“ von Hans Heiss, beide im AlphaBeta Verlag erschienen.Weitere Artikel zum Thema
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