Hut ab Hager
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Jetzt S+ abonnierenDie traditionelle Redewendung „Angriff ist die beste Verteidigung“ hört man immer wieder – insbesondere in Zeiten, wenn Fußbälle bei Weltmeisterschaften rollen. Aber nicht nur. Auch in der Politik und im Journalismus bedient man sich dieser Taktik.
Es mag vielleicht Zufall sein, dass just zwei Tage nach dem Erscheinen eines größeren Artikels zweier namhafter und mehrfach ausgezeichneter Wirtschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung zum Hager-Benko-Bozen-Schlamassel namens Waltherpark das Tagblatt der Südtiroler mit dem Artikel Hotelriese fasst in Südtirol Fuß nachlegt. Um vielleicht den nachvollziehbaren Angriff aus dem Ausland zu verteidigen? Genaues weiß man nicht.
Der Begriff „Staubsauger“ war intern die Bezeichnung für diese Praxis des schnellen „Upstreamings“ von Geld.
In der Reportage Wie die Ermittlungen gegen Benko in Italien verpuffen schreiben die Autoren Michael Kläsgen und Uwe Ritzer über „das riesige Einkaufszentrum mit Hotel, Tiefgarage, einigen Freizeiteinrichtungen und mehr als 100 Wohnungen.“ Sie berichten auch über Christoph Schöller – ein „alter Freund“ Benkos – und über Heinz Peter Hager, den „Freischütz“, der im Sinn der Oper von Carl Maria von Weber den Pakt mit dem Teufel eingeht und dort „nicht ungestraft“ davonkommt. „Allerdings: Was die Strafe anbetrifft, hinkt die Realität im Moment noch der Oper hinterher“, schreiben die Wirtschaftsjournalisten.
Dass die geschäftlichen Beziehungen zwischen Hager und Benko (bis zum Bruch) sehr eng waren, lässt sich einerseits einfach und glaubhaft nachzeichnen und nacherzählen, andererseits liegt dennoch gar einiges im Dunkeln. Und ob dabei wirklich alles so sauber zuging, fragen sich nicht nur Kläsgen und Ritzer. Wenige Tage zuvor veröffentlichte das Duo unter dem Titel Der Trick mit dem Staubsauger eine Recherche über abstruse Machenschaften innerhalb der Signa-Gruppe zu einem möglichen System, bei dem Investoren- und Projektgelder nicht zweckgebunden in Immobilien flossen, sondern systematisch innerhalb des Konzerns nach oben verschoben wurden. Der Begriff „Staubsauger“ war intern die Bezeichnung für diese Praxis des schnellen Upstreamings von Geld. Mit dem Ausdruck sollte klar kommuniziert werden, dass eingehende Gelder sofort in die Konzernzentrale gezogen werden – oder wohin auch immer.
Zu den Vorwürfen in Bozen über „Schmiergeldzahlungen, Scheinrechnungen, Amtsmissbrauch, Dokumentenfälschungen, Bestechlichkeit, Weitergabe von Amtsgeheimnissen oder illegale Parteispenden“ sowie zur „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ bestreiten Benko und Hager alles was geht. „Letzterer ließ eine ausführliche SZ-Anfrage zu den Verfahren und seiner Rolle in Italien unbeantwortet“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Und: „In Kürze könnte jedoch die Entscheidung fallen, ob möglicherweise Anklage gegen ihn, Benko und andere Beschuldigte erhoben wird.“
Wie häufig hatte er Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern in Südtirol, im Trentino und am Gardasee?
Illegale Methoden? Raffinierte Machenschaften? Der Artikel berichtet über weiterlaufende Geschäfte, versteckte Geflechte, über Bürgermeister, Gemeinderäte und Parteispenden. Wer sitzt am Ende „auf der Anklagebank“? Oder gibt es sogar ein politisches „Beben mit unvorhersehbaren Auswirkungen“? Kläsgen und Ritzer zitieren einen Insider: „Vielleicht will man dieses Risiko nicht eingehen, zumal Benko ja keinen Schaden mehr anrichten kann.“
Dennoch bleiben viele Fragen. Etwa: Wie würde Herr Hager seine tatsächliche Entscheidungsbefugnis bei Signa Italia beschreiben? Oder: Welche Entscheidungen hat er selbst getroffen, welche wurden von René Benko oder anderen auf Konzernebene vorgegeben? Und: Wie häufig hatte er Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern in Südtirol, im Trentino, am Gardasee?
Bevor vielleicht irgendwann Antworten folgen, wird wohl erstmal weitergebaut. In Bozen. Für Bozen. Mit Freischütz Hager (und Robert Pichler) und über die Motel One-Hotelkette.
Angriff ist eben die beste Verteidigung.
Nichts für ungut Herr Hanni,…
Nichts für ungut Herr Hanni, aber nicht schon wieder. Ihr Umgang mit diesem Reizthema erinnert ein wenig an den Wolf in der Mutter aller Tageszeitungen.
Wenn Sie schreiben „Wer schweigt stimmt zu“, ändern Sie schon mal die eigentliche Redewendung „qui tacet consentire VIDETUR“, die eine Vermutung in den Raum stellt, während Sie ihr Urteil schon gefällt haben.
Entgegen journalistischer Sorgfalt verschweigen Sie, dass gegen Hager ein Verfahren läuft und er deshalb gut tut vorerst nicht über den Fall zu sprechen, schon gar nicht mit der Presse, die offenbar voreingenommen ist (wie sich aus dem zitierten Artiekl wunderbar entnehmen lässt). Tatsächlich lautet die zitierte, und manipulierte, Redewendung vollständig „si loqui debuisset ac potuisset“, d.h. wenn er reden müsste und könnte.
Dann wollen wir Ihrem Gedächntis etwas auf die Sprünge helfen und an die Geschichte erinnern, die die Ermittler „Romeo“ getauft haben. Die Namensgebung könnte sich übrigens als Kassandraruf entpuppen.
Punkt 1. Der in den Ermittlungen eigentlich zentrale Anklagepunkt - die mafiöse Bandenbildung - der am schwersten gewogen hätte, hat sich schon lange in Luft aufgelöst. Dennoch wird es seitens der beiden Journalisten der SZ immer noch so dargestellt. Es ist zwar nicht IHRE Pflicht diesen Umstand richtigzustellen, aber ein wenig Ethik sollte man schon bemühen.
Punkt 2. Die Staatsanwaltschaft (!) wollte das Verfahren offenbar im Sinne von Art. 425 der ZPO total einstellen, aber der Ermittlungsrichter (derselbe, der scheinbar auch im Fall „Alpenkohle“ gerade wieder danebenhaut) wollte das Verfahren nicht einstellen und bringt damit die Staatsanwaltschaft in die Bredouille, denn was soll die machen, wenn keine Anhaltspunkte für die Anklageerhebung gefunden wurden und für das sogenannte „luogo a non procedere“ plädierte?
Übrigens, Romeo begeht bei Shakespeare Selbstmord. Ich traue mich fast zu wetten, dass die Trentiner Gerichtsbehörde das mit ihrer Verbissenheit auch getan hat.
Eine Rechtfertigung für die millionenschweren Ermittlungen ist ein Verfahren nicht (ich denke, das ist der Grund für die Flucht nach vorne des Richters), besonders, wenn das Risiko groß ist, dass es ausgeht wie das Hornberger Schießen.
Um irgendwelchen süffisanten Bemerkungen vorzubeugen: Ich kenne weder Hager noch irgendeine andere ins Fadenkreuz der Justiz geratene Person, aber oberflächliche, stimmungsmachende Berichte widerstehen mir, bis zum körperlichen Unwohlsein, oder weniger poetisch, ich finde sie zum Kotzen.
Es ist zwar keine lateinische Redewendung, aber „Abwarten und Tee trinken“ wäre wohl eher angebracht. Ich empfehle Kamillentee.
Antwort auf Nichts für ungut Herr Hanni,… von Manfred Klotz
„Ich kenne weder Hager noch…
„Ich kenne weder Hager noch irgendeine andere ins Fadenkreuz der Justiz geratene Person“
Und das beweist jetzt was?
Sorry, da veruntreut Benko Milliarden an Invest und meldet Insolvenz, sitzt hinter schwedischen Gardinen und Sie wollen seine Helfers/Helfer hier heilig sprechen?! Und wer Mafia ohne italienische Stiefel lernen will kommt nach D oder Ö. 😉
Antwort auf „Ich kenne weder Hager noch… von Stefan S
Geehrter Herr: Die…
Geehrter Herr: Die Südtiroler Mafia mit ihrer Freundewirtschaft ist schlimmer als die Mafia in Sizilien.
Antwort auf „Ich kenne weder Hager noch… von Stefan S
Die Bemerkung soll…
Die Bemerkung soll verständlich machen, dass ich den Kommentar nicht geschrieben habe, weil ich für irgendjemand Partei ergreifen oder ihn verteidigen will. Mich interessiert einzig und allein die Realität und die sieht eben anders aus als sie dargestellt wird.
Sie begehen exakt denselben Fehler. Die Veruntreuungen von Benko, um den sich die österreichische Justiz kümmert, haben mit dem Waltherpark exakt null zu tun. Schon allein die Tatsache, dass der WP nicht zur Konkursmasse gehört, müsste ihnen eigentlich ein Licht aufgehen lassen. Hager und Co. sind deshalb auch nicht seine Helfershelfer. Abgesehen von der Tatsache, dass ich sie auch nicht heilig spreche, deshalb schrieb ich „Abwarten und Tee trinken“. Falls ihnen diese Redewendung ein Begriff ist.
Was sagt ihnen die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft die Geschichte - nach vier Jahren Ermittlung - archivieren wollte, bevor es überhaupt zu einem Verfahren kommt? Und was sagt ihnen die Tatsache, dass der Ermittlungsrichter (derselbe, der im Fall Alpenkohle offenbar über die Stränge gehaut hat) die vollkommen unrituelle Zwangsanklage anordnet und die Staatsanwaltschaft damit desavouiert? Und der Gipfel ist, dass er einen Voruntersuchungsrichter damit beauftragt die Anklage zu formulieren, d.h. dass er sich selbst aus der Schusslinie bringt.
Das ist die seltsame Realität, die in kaum einem Artikel thematisiert wird.
Antwort auf Die Bemerkung soll… von Manfred Klotz
Ich ziele hier auch nicht,…
Ich ziele hier auch nicht, wie bereits erwähnt, auf die eventuellen strafrechtlichen Folgen ab sondern nach wie vor auf die Finanzierung und den Mehrwert für die Allgemeinheit. Und der ist nahezu null. Für die Investoren ist es ein gutes Geschäft, das war es dann auch schon mit dem Mehrwert. Auf der Minusseite bleibt eine höhere Belastung der ohnehin schon überlasteten Infrastrukur, weiter steigende Immobilienpreise, Verschlechterung des Stadtklimas. Und optisch... hüstel hüstel, selbst mit rosaroten Brille nicht ansehnlich.
Mittelfristig ist mit Leerstand im Konsumbereich zu rechnen was wiederum zur Belastung der öffentlichen Kassen führt. Und ob man die Wohnungen im überwiegenden Luxussegment los bekommt ist auch noch nicht absehbar. Ihr Kamillentee hilft da auch nicht weiter 😊
Ich recherchiere schon für…
Ich recherchiere schon für den nächsten Artikel. Stay tuned.
Antwort auf Ich recherchiere schon für… von Martin Hanni
Super, dann kopiere ich…
Super, dann kopiere ich meinen Kommentar, damit ich ihn dann nicht noch einmal schreiben muss. Change channel.
Antwort auf Ich recherchiere schon für… von Martin Hanni
Bravo,warte gespannt auf…
Bravo,warte gespannt auf ihren Artikel. Auch für mich wird dieser Fall noch sehr interessant.
Der INTIMUS HAGER vom -B E N…
Der INTIMUS HAGER vom -B E N C O- hätte dessen krachenden Zusammenbruch deutlich früher voraus-s e h en - k ö n n e n-, „wenn er wirklich die WIRTSCHAFTs-KAPAZITÄT -w ä r e- als die -e r- sich stets bewundern lässt!“
Antwort auf Der INTIMUS HAGER vom -B E N… von Josef Fulterer
Nicht einmal die Banken und…
Nicht einmal die Banken und der Fuchs Haselsteiner haben das kommen sehen. Auch nicht die Araber...
Antwort auf Nicht einmal die Banken und… von Manfred Klotz
😅 herrlicher Sarkasmus…
😅 herrlicher Sarkasmus. Schoeller, Strabag und Co waren mit Benko schon am Invest beteiligt. Und nach dem sein Mentor Kurz auf dem Bauch gelandet ist war es nur eine Frage der Zeit wann Benko auch scheitert. Nur in Hamburg hat man sich nicht außerordentlich beteiligt, warum auch, zahlt jetzt alles die „reiche“ Stadt. Es grüßt die Elbphilharmonie.