Elektronik als kreative Freiheit
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Jetzt S+ abonnierenBei dem Versuch, einen Musiker wie David Leimstädtner in einem Porträt zu fassen, stößt man schnell an die Grenzen klassischer Genre-Definitionen – seine Musik widersetzt sich einfachen Klassifizierungen. Er bewegt sich in verschiedenen musikalischen Feldern, ohne sich auf ein festes Schema festlegen zu lassen.
„Ich kann alles machen, was mir gefällt.“
Seit mehr als zehn Jahren ist Berlin sein Lebensmittelpunkt, dennoch bleibt die Verbindung nach Südtirol bestehen. „Das Coole an elektronischer Musik ist, dass ich alles machen kann, was mir gefällt“, sagt Leimstädtner. Genau diese Offenheit prägt seine Arbeit. Leimstädtner ist in der Südtiroler Musiklandschaft präsent. Durch Projekte wie Sistema Records und collisioni.org war er an der Schaffung von Räumen beteiligt, die den Austausch über Musik ermöglichen. Diese organisatorische Tätigkeit nimmt neben seiner musikalischen Arbeit einen festen Platz ein.
Wer ihn trifft – etwa in einem Meraner Café, während er im Untergrund des Gebäudes an neuen Frequenzen arbeitet –, begegnet einem Musiker, der unterschiedliche Arbeitsweisen verbindet. Da ist auf der einen Seite der in Berlin lebende Künstler, der als Teil des Duos New Frames gemeinsam mit Mathis Mootz in der Clubszene aktiv ist. Die Veröffentlichungen bei PRSPCT Recordings bewegen sich zwischen Techno, Noise und experimentellen Strukturen. Auf der anderen Seite steht der in Südtirol verwurzelte Klangkünstler, der die Erfahrungen aus der Metropole in lokale Projekte einbringt.
„Wir haben schon damals gesehen, dass es ein riesiges Interesse gibt“
Sein Engagement reicht dabei weit über das Produzieren eigener Musik hinaus. Bereits vor rund 15 Jahren leitete er Musikproduktions- und DJ-Workshops in Jugendzentren Südtirols. „Wir haben schon damals gesehen, dass es ein riesiges Interesse gibt“, erzählt er. Viele Talente seien später ins Ausland gegangen, weil sie dort bessere Möglichkeiten vorfanden. Umso mehr freue es ihn, heute wieder in Südtirol auftreten zu können.
Der Sommer 2026 ist für Leimstädtner von unterschiedlichen Konzertformaten geprägt. Nach einem Auftritt im Meraner Club Ost West folgt am 2. Juli eine Veranstaltung in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff unter dem Titel „New Frames – Bloom – Ambient Music for Flowers and Plants“.
Für dieses Projekt wählt er einen Ansatz, der sich deutlich von seiner Club-Arbeit unterscheidet. „Bloom“ ist das erste Ambient-Album des Duos. Für Leimstädtner geht es dabei weniger um ein klassisches Konzert als um das Zusammenspiel von Klang und Umgebung. Die Produktion verbindet Naturgeräusche, Gitarrenklänge, Stimmen und eigens programmierte Synthesizer zu einer dichten Klanglandschaft. Inspiration fand das Duo unter anderem im Kultalbum „Plantasia“, das Pflanzen und Musik auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet.
„Techno basiert oft auf kleinen, wiederholenden Loops, die sich ständig verändern“, erklärt Leimstädtner. Genau dieses Prinzip habe ihn dazu gebracht, über die Verbindung zwischen elektronischer Musik und der Welt der Pflanzen nachzudenken. Diese Herangehensweise ist bezeichnend für seine Arbeitsweise. Ob im Rahmen seines Doktoratsstudiums der Informatik an der Freien Universität Berlin oder als Musiker – die Verbindung von technischer Präzision und kreativen Prozessen zieht sich durch beide Bereiche. Der Auftritt in Trauttmansdorff ist keine klassische Konzertdarbietung, sondern Teil eines kuratierten Abends. Die Veranstaltung beginnt mit atmosphärischer Musik und DJ-Sets, bevor Leimstädtner und Mootz ihr neues Material live präsentieren.
„Ich weiß selbst noch nicht genau, wie es wird, weil alles improvisiert ist“
Dabei entstehen die Klänge direkt auf der Bühne. „Das Signal wird nicht abgespielt, es entsteht live“, beschreibt Leimstädtner seinen Ansatz. Zwar bereite er Melodien und rhythmische Strukturen vor, doch wie sich diese entwickeln, entscheide sich erst im Moment der Performance. Synthesizer, Effekte und Filter würden dabei zum eigentlichen Instrument. Auch für seinen Auftritt im Ost West setzte er auf dieses Prinzip. „Ich weiß selbst noch nicht genau, wie es wird, weil alles improvisiert ist“, sagt er lachend. Gerade diese Offenheit mache für ihn den Reiz elektronischer Live-Musik aus
Abseits der Bühne arbeitet Leimstädtner derzeit an seinem Doktorat in Informatik an der Freien Universität Berlin. Die wissenschaftliche Tätigkeit ermöglicht ihm jene künstlerische Freiheit, die ihm wichtig ist. „Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, ausschließlich von der Musik zu leben“, sagt er. So müsse seine Musik nicht funktionieren oder Erwartungen erfüllen, sondern könne Ausdruck seiner eigenen Ideen bleiben. Vielleicht überrascht deshalb auch sein privater Musikgeschmack. Techno hört er selbst vergleichsweise selten. Stattdessen begleitet ihn Ambient-Musik auf Reisen oder beim Arbeiten. Ebenso gerne hört er Shoegaze, Noise-Rock sowie Rock- und Popmusik der 1980er-Jahre. Seine Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Klangwelten spiegelt sich letztlich auch in seiner eigenen Musik wider – Musik, die sich bewusst jeder eindeutigen Schublade entzieht.
Zum Konzert
Datum: Donnerstag, 2. Juli 2026
Ort: Gärten von Schloss Trauttmansdorff, Meran
Beginn: 18.00 Uhr, Live-Konzert ab 20.00 Uhr
David Leimstädtner und Mathis Mootz präsentieren ihr neues Ambient-Projekt „Bloom“. Das Live-Set verbindet Synthesizer, Field Recordings und Naturklänge zu einer eigens für die botanischen Gärten entwickelten Klanglandschaft. Das Konzert ist Teil der Veranstaltungsreihe „Trauttmansdorff nach Feierabend“.