Neujahrskonzert im Sommer
Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!
Jetzt S+ abonnierenWas passierte eigentlich abseits der großen Opernbühnen, als Giuseppe Verdi die Musikwelt beherrschte? Ein ungewöhnliches Orchesterprojekt in Leifers spürt den vergessenen Meistern des 19. Jahrhunderts nach – und bringt verstaubte Archivschätze in neuem sinfonischen Gewand auf die Bühne. Wenn über das italienische 19. Jahrhundert gesprochen wird, fällt unweigerlich ein Name: Giuseppe Verdi. Der „Schwan von Busseto“ überschattete mit seinen Opern nahezu alles, was links und rechts von ihm komponiert wurde. Doch was geschah mit all jenen Talenten, die nicht den Durchbruch im dominanten Melodram schafften?
Während allerorts die bekannten Arien auf und ab gespielt wurden, wählte der Dirigent und Arrangeur Marco Mantovani einen anderen Weg.
Genau an dieser Schnittstelle setzt ein bemerkenswertes Projekt an, das am Samstag, den 1. August, auf dem Platz vor dem Pfarrheim in Leifers zu hören ist. Die Geschichte hinter dem Konzert reicht ins Verdi-Jubiläumsjahr 2013 zurück. Während allerorts die bekannten Arien auf und ab gespielt wurden, wählte der Dirigent und Arrangeur Marco Mantovani einen anderen Weg. Er begab sich auf Spurensuche in den Archiven und stieß auf eine Fülle faszinierender Werke italienischer Komponisten, die parallel zu Verdi wirkten, in den offiziellen Musikgeschichtsbüchern jedoch kaum Platz fanden.
Mantovani hat diese musikalischen Perlen ausgegraben und eigens in eine farbenreiche sinfonische Form gegossen.
Viele dieser Entdeckungen waren ursprünglich gar nicht für den großen Konzertsaal gedacht. Es handelte sich um intimere, kurze Stücke für Klavier oder Orgel, aufgebaut auf den populären Tanzrhythmen der Epoche und bestimmt für den privaten Gebrauch im Bürgerhaus. Mantovani hat diese musikalischen Perlen ausgegraben und eigens in eine farbenreiche sinfonische Form gegossen.
Zum Konzert
Das Sinfoniekonzert mit den vergessenen Werken aus der Verdi-Zeit findet am Samstag, den 1. August, um 20:30 Uhr auf dem Platz vor dem Pfarrheim in der Weißensteiner Straße in Leifers statt. Es spielt das Orchester Antiqua Estensis unter der Leitung von Marco Mantovani. Organisiert wird der Abend von der Gemeinde Leifers gemeinsam mit dem Musikverein Le Rossignol, dem Südtiroler Chorverband, dem Verein APS Monti Pallidi und dem Chor I cantori del borgo. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Regionales Netzwerk & Historische Entdeckungen
Auf der Bühne wird das Orchester Antiqua Estensis aus Ferrara stehen, verstärkt durch Instrumentalistinnen und Instrumentalisten aus Südtirol, dem Trentino und Venetien. Dass ein solches Projekt auf die Beine gestellt werden kann, ist auch einer engen Zusammenarbeit der lokalen Kulturszene zu verdanken: Neben dem Kulturreferat der Gemeinde Leifers und dem Musikverein Le Rossignol zeichnen der Südtiroler Chorverband (unter der künstlerischen Leitung von Tamara Paternoster) sowie der Verein APS Monti Pallidi und der Chor I cantori del borgo aus Sinich für Logistik, Bühnenbild und Einkleidung verantwortlich.
Das Repertoire, das sich chronologisch von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts erstreckt, versteht sich als ein „Neujahrskonzert auf Italienisch“ – schwungvoll, brillant und zugänglich. Es zeigt eindrücklich, dass viele dieser Komponisten, die in ihrer Heimat oft im Schatten Verdis standen, außerhalb Italiens durchaus Ruhm fanden. Ganz nach dem Motto „Nemo propheta in patria“. Für Musikbegeisterte bietet der Abend in Leifers somit die Gelegenheit, abseits der ausgetretenen Repertoire-Pfade eine fast vergessene Epoche der italienischen Musikgeschichte neu zu entdecken.