Meran braucht 1.200 neue Wohnungen
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Jetzt S+ abonnierenMeran wächst, wird älter und wohnt zunehmend allein. 42.178 Menschen leben derzeit in der Passerstadt, bis 2041 sollen es laut ersten Ergebnissen einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Wohnraumstudie rund 44.800 sein. Das Bevölkerungswachstum werde dabei fast ausschließlich auf Zuwanderung zurückgehen. Gleichzeitig werden die Haushalte kleiner: Fast die Hälfte der Meraner Haushalte besteht bereits heute aus nur einer Person.
Bis 2041 seien mindestens 1.200 zusätzliche Wohnungen notwendig, geht aus den ersten Ergebnissen der Studie des Architektenkollektivs LIA hervor. In den vergangenen 15 Jahren wurden in Meran insgesamt 1.983 Wohnungen gebaut, im Schnitt rund 130 pro Jahr.
Das Architektenkollektiv LIA wurde von der Meraner Gemeinde damit beauftragt, den Wohnraumbedarf für die kommenden 10 bis 15 Jahre genauer zu untersuchen. Fertiggestellt werden soll die Studie bis April 2027. Sie soll auch zeigen, wo neuer Wohnraum entstehen kann. Nach derzeitigem Stand geht die Stadt davon aus, dass die benötigten Wohnungen ohne zusätzlichen Bodenverbrauch geschaffen werden könnten, etwa durch die Umnutzung brachliegender Gewerbeflächen, die Verdichtung bestehender Wohngebiete sowie langfristig durch Flächen auf der ehemaligen Militärzone.
„Keine Schlafburgen“
Die demografische Entwicklung verändert dabei auch die Anforderungen an den Wohnungsmarkt. Neben dem erwarteten Bevölkerungswachstum verweist die Studie auf eine alternde Bevölkerung und immer kleinere Haushalte. Gerade für junge und ältere Menschen brauche es deshalb mehr leistbaren Wohnraum. Hinzu komme in Meran laut Stadt ein besonders großes Defizit bei Mietwohnungen zu gedeckelten und sozialen Mietpreisen.
Bürgermeisterin Katharina Zeller will Meran gleichzeitig nicht dicht verbauen: „Wir wollen hochwertige Lebensräume und lebendige Stadtviertel schaffen - keine Schlafburgen.“
Um die bisher auf verschiedene Bereiche verteilte Wohnungspolitik zusammenzuführen, hat die Stadtverwaltung nun ein eigenes Kompetenzzentrum Wohnen eingerichtet, unter der Leitung von Rechtsanwältin Giulia Marra. Darin sollen Urbanistik, Sozialamt und Vermögensamt gemeinsam arbeiten. Sie soll unter anderem die Ergebnisse der Wohnraumstudie in konkrete Projekte übersetzen.
60 Wohnungen auf dem Gritsch-Areal
Einige Vorhaben sind bereits konkreter. Auf dem ehemaligen Gritsch-Areal sollen rund 60 preisgebundene Wohnungen entstehen, 40 Prozent davon als Genossenschaftswohnungen. Auf einem gemeindeeigenen Areal in der 1.-Mai-Straße sollen vor allem Mietwohnungen geschaffen werden. Zudem prüft die Gemeinde, schlüsselfertige Wohnungen direkt von privaten Bauträgern anzukaufen.
Auch bereits vorhandenes öffentliches Eigentum soll stärker genutzt werden. Genannt werden die ehemalige Schule in Gratsch und das Postgebäude in Obermais. Langfristiges Potenzial sieht die Stadt zudem auf dem Kasernenareal, bei derzeit gewerblich genutzten Flächen sowie durch die Aktivierung leerstehender Wohnungen. Im Zuge des Gemeindeentwicklungsprogramms wird außerdem geprüft, welche derzeit als landwirtschaftliches Grün ausgewiesenen Flächen innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets künftig in die Siedlungsgrenze aufgenommen werden könnten.
(do)
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Die Zahlen der neuen…
Die Zahlen der neuen Wohnraumstudie sprechen eine klare Sprache: Meran wächst und wird gleichzeitig immer kleinteiliger – fast jeder zweite Haushalt ist bereits ein Single-Haushalt. Dass Bürgermeisterin Katharina Zeller hierbei betont, keine „Schlafburgen“, sondern hochwertige Lebensräume schaffen zu wollen, ist der einzig richtige Ansatz.
Doch wie gelingt dieser Spagat zwischen dringend notwendiger Nachverdichtung und echter Lebensqualität in der Praxis?
Genau hier lohnt sich ein Blick über den Tellerrand der reinen Bauwirtschaft hin zur modernen, interdisziplinären Architektur-Wissenschaft (wie sie etwa in der gleichnamigen Schriftenreihe des Springer-Verlags untersucht wird).
Wenn wir Flächen auf dem Gritsch-Areal, in der 1.-Mai-Straße oder auf dem ehemaligen Kasernengelände aktivieren, dürfen wir nicht nur in „betonierten Quadratmetern“ denken.
Wissenschaftliche Ansätze zu Themen wie „Architektur, Atmosphäre, Wahrnehmung“ oder Konzepte einer „Menschlichen Architektur“ (wie sie u.a. der Architekturphilosoph Martin Düchs beschreibt) zeigen deutlich: Dichte Räume funktionieren sozial nur dann, wenn sie emotional und sensorisch auf den Menschen ausgerichtet sind.
Das bedeutet: Wenn Wohnungen für Singles und Senioren kleiner werden, müssen die gemeinschaftlichen Freiräume, die visuelle Achsengestaltung und die atmosphatische Qualität der Viertel umso großzügiger und durchdachter ausfallen.
Hier trifft modernste Stadtforschung auf eine jahrtausendealte Erkenntnis, die auch die Lehre des Feng-Shui prägt: Räume steuern unsere Befindlichkeiten. Ein gesundes Zusammenleben in hoher Dichte verlangt eine sensible Balance zwischen Rückzug und Gemeinschaft, zwischen Nähe und Abstand.
Wenn der private Wohnraum schrumpft (Yin), muss die Umgebung als lebendiger, einladender Begegnungsraum (Yang) kompensieren. Menschen werden erst dann „erlebnisbereit“ und öffnen sich für ihr Gegenüber, wenn Freiräume ihnen das psychologische Gefühl von Sicherheit im Rücken und Weite im Blickfeld schenken. Enge, sterile Betonwüsten hingegen erzeugen Stress und Isolation.
Es ist ein hervorragendes Signal, dass Meran mit dem neuen „Kompetenzzentrum Wohnen“ Urbanistik, Vermögen und Soziales an einen Tisch bringt.
Genau diese Interdisziplinarität fordert auch die moderne Landschafts- und Stadtforschung.
Das Architektenkollektiv LIA hat nun bis April 2027 die Chance, nicht nur den quantitativen Bedarf zu decken, sondern ein erlebnisbereites, zukunftsfähiges Wohnen für Meran zu entwerfen.
Nutzen wir die Chance, Alltag, Wissenschaft und die intuitive Psychologie des Raumes zusammenzubringen – für ein Meran, das bezahlbar bleibt, aber seine Seele nicht verliert.
Ist Gesundheit - Bildung -…
Ist Gesundheit - Bildung - Freizeit, Kultur u.a. im Amt für Urbanistik, Vermögen und Soziales abgebildet?
Zitat: „Fast die Hälfte der…
Zitat: „Fast die Hälfte der Meraner Haushalte besteht bereits heute aus nur einer Person“:
wer WELTWEIT kann sich das leisten: eine Stadt, in der mehr als die Hälfte der Einwohner in Wohnungen mit nur 1er Person leben?
Es ist eine…
Es ist eine gesamtsystemische Gestaltungsaufgabe des Gemeinwohls: planerisch - organisatorisch - begleitend — so betrachtet
Wenn Städte wie Meran diese Entwicklung nicht nur verwalten, sondern gestalterisch begleiten, können Wohnzonen zu Laboren einer neuen, hochgradig engagierten und solidarischen Stadtgesellschaft werden.
So ist der Stand.
Anders gesagt: Die Aufgabe…
Anders gesagt: Die Aufgabe der Politik und Stadtplanung ist es nun, dieses Potenzial im Sinne des Gemeinwohls zu ermutigen und kreativ zu fördern – und zwar so, dass sozialer Wohnraum bezahlbar bleibt und niemandem geschadet wird. Wir müssen den urbanen Raum dezentriert denken: Stadt ist kein starres, um die Kleinfamilie herum zentriertes Gebilde. Phänomenal wird Stadtplanung erst dann, wenn sie Raum sozialkonstruktivistisch als flexibles Netzwerk versteht. Wenn wir die Vielfalt der Lebensentwürfe als gestaltende Kraft begreifen, wird aus der Single-Stadt kein Ort der Isolation, sondern ein Labor für neue, intelligente Kulturformen und lebendige Begegnungsorte einer Stadtgesellschaft im freien Raum.