Schlusslicht Südtirol
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Die ambitionierte Reform der territorialen Gesundheitsversorgung kommt in Italien kaum voran. Das beobachtet die unabhängige bologneser Stiftung GIMBE (Gruppo Italiano per la Medicina Basata sulle Evidenze) in ihrer Studie vor allem an ihrem Herzstück: den Gemeinschaftshäusern. Laut aktuellen Daten der GIMBE sind von insgesamt 1.715 geplanten Einrichtungen gerade einmal 66 vollständig in Betrieb. Das entspricht weniger als vier Prozent. Vier Jahre nach Einführung der Reform sei das ein ernüchterndes Ergebnis.
Auch in Südtirol blinken die Warnsignale, denn die Umsetzung ist bislang kaum sichtbar vorangekommen. Bisher ist noch kein Gemeinschaftshaus in Betrieb, dabei sollen, laut Landesrat Hubert Messner, insgesamt zwölf Gemeinschaftshäuser entstehen. -
Zwar wurde bei knapp der Hälfte der Strukturen zumindest ein Dienst aktiviert, doch ein genauerer Blick zeigt, dass lediglich jede sechste Einrichtung überhaupt alle vorgesehenen Leistungen anbietet. Und selbst dort zieht sich der Personalmangel wie ein roter Faden durch die Einrichtungen. „Ohne Ärzte und Pflegekräfte bleiben diese Häuser leere Hüllen“, bringt es GIMBE-Präsident Nino Cartabellotta auf den Punkt. Das Institut merkt des Weiteren kritisch an, dass es zu über einem Drittel der geplanten Einrichtungen gar keine öffentlichen Daten gebe.
Auch regional zeigt sich ein stark zersplittertes Bild. Während einige Regionen Fortschritte melden, liegt etwa Südtirol am Ende der Skala. Ebenso wie Basilicata zählt die Provinz Bozen bislang keine einzige aktive Struktur. Dabei gelten die Gemeinschaftshäuser als Schlüsselprojekt der Reform. Sie sollen die Gesundheitsversorgung näher zu den Menschen bringen, Hausärzte, Pflege und soziale Dienste bündeln und so Krankenhäuser und Notaufnahmen entlasten. Jüngst wurden mit den Änderungen zum Haushaltsvoranschlag der Autonomen Provinz Bozen 2026-2028 zusätzlich 7,9 Millionen Euro für die Stundenvergütungen von Ärztinnen und Ärzten in den Gemeinschaftshäusern eingeschrieben.
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Die Südtiroler Landesregierung verspricht sich viel von den Gemeinschaftshäusern. Wie Gesundheitslandesrat Huber Messner betont, können die geplanten Strukturen durch wohnortnahe Versorgung die Krankenhäuser entlasten und Wartezeiten abbauen. Als erweiterte Gesundheitszentren sollen sie Anlaufstellen für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Fälle werden und vor allem die Betreuung chronisch Kranker näher zu den Betroffenen bringen. Ziel ist eine niederschwellige, kontinuierliche Versorgung.
Doch genau dieses Ziel scheint noch in weiter Ferne, wie der Vergleich zwischen den Regionen und Autonomen Provinzen Italiens zeigt. Denn selbst dort, wo Strukturen stehen, funktionieren sie oft nur eingeschränkt. Entweder fehlen zentrale Dienste oder das notwendige Personal für einen durchgehenden Betrieb.
Die Gründe sind vielfältig: strukturelle Verzögerungen, ein schleppender Ausbau und vor allem der akute Mangel an Gesundheitsfachkräften. Mit Blick auf die Frist im Juni wächst somit auch hierzulande der Druck. Denn bis zum 30. Juni 2026 muss Italien gegenüber der EU nachweisen, dass die Gemeinschaftshäuser nicht nur gebaut, sondern tatsächlich in Betrieb sind, also mit aktiven Diensten und funktionierender Versorgung. Die Gefahr ist real, dass am Ende zwar Gebäude stehen, die versprochene Verbesserung für die Patienten jedoch ausbleibt.
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Ahhh, interessant! Haben…
Ahhh, interessant! Haben also die anderen Regionen keinen Personalmangel??
Ich sehe einen der…
Ich sehe einen der wesentliche Aspekte für das „Scheitern“ der Gemeinschaftshäusern im für Italien üblich zentralistisch gewählten Zugang. In Italien werden die Gemeinschaftshäuser top down von den jeweiligen Sanitätsbetrieben geplant und dann findet man kein Personal. Übrig bleiben teure Bauten, die nicht bespielt werden.
Österreich wählt einen anderen Ansatz: Dort versucht man eine Umgebung zu schaffen, in der es für Ärzte (aber auch für Gesundheitsträger) interessant ist, ein Primärversorgungszentrum (Pendant zum Gemeinschaftshaus) zu gründen. Die dort arbeitenden Ärzte, Pfleger, Diätologen, Physiotherapeuten, Psychologen und Co können innerhalb eines relativ breiten Rahmens festlegen, welche Versorgungsschwerpunkte sie legen und sind auch in der Wahl der eigenen Arbeitsorganisation sehr frei. Hier ein Link zu den aktuellen Entwicklungen: https://primaerversorgung.gv.at/pve-entwicklung-oesterreich
Ich denke Südtirol sollte vom italienischen Modell Abstand nehmen und ein vernünftigeres Konzept umsetzen, auch wenn das heißt, dass man auf ein paar Millionen vom PNRR verzichten muss. Es ist nämlich besser eine strukturell durchdachte Reform zu machen, als aufgrund von ein paar Milliönchen, die wie eine Karotte vor einen Esel gespannt werden eine unausgegorene Reform umzusetzen, die am Ende womöglich nur verbrannte Erde hinterlässt.
Antwort auf Ich sehe einen der… von Oliver Hopfgartner
.......wie die Karotte vor…
.......wie die Karotte vor einen ESEL gespannt werden,sie haben herrlich den Nagel auf dem Kopf getroffen super!!! Soviel Blödheit und Unprofessionalität ist leider SÜDTIROL,SCHADE!
„... nicht überzeugte…
„... nicht überzeugte Mitarbeiter lassen sogar noch bessere von OBEN -e r f u n d e n e- EINFÄLLE wie die GEMEINSCHAFTs-HÄUSER -k r a c h e n d - s c h e i t e r n-, wenn -s i e- mit brachialer GEWALT -d a z u - v e r d o n n e r t- werden !!!“