Politik | Schlanders

„In einem desolaten Zustand“

Bis auf die BASIS wird die Drusus-Kaserne in Schlanders abgerissen: Was neben der Tiefbauhalle auf dem Areal entsteht, will Bürgermeisterin Christine Kaaserer im Gemeinderat diskutieren.
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Foto: Tiberio Sorvillo
  • Der Gemeinderat hat letzte Woche beschlossen, den Großteil der Drusus-Kaserne in Schlanders abzureißen. Mit 15 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und nur einer Gegenstimme entschieden die Ratsmitglieder über das Schicksal der landesweit bekannten Kaserne im Vinschgau. 

    Zwar bleibt das Gelände des Innovationszentrums BASIS und das Gebäude namens „Tagliamento“ bestehen, doch die Villa Wielander, die Palazzina Misurata und die Palazzina Comando werden abgerissen. 

    Ingenieur Ulrich Innerhofer erläuterte in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag die Bauarbeiten, die in drei Baulosen abgewickelt werden. Im ersten Baulos wird die Tiefbauhalle für die handwerkliche Ausbildung am Oberschulzentrum von Schlanders errichtet – allerdings wird dafür nur ein Drittel der Palazzina Misurata gebraucht. 

  • Kritik aus der Opposition

    Gerda Platzgummer Wellenzohn, Gemeinderätin der Bürgerliste in Schlanders, stimmte gegen das Bauprojekt. „Die durch den Abriss freigewordene Baufläche wird voraussichtlich schrittweise verkauft und es werden trotz sinkender Bevölkerungszahl Wohnungen errichtet“, so Platzgummer Wellenzohn. „Mir wäre lieber gewesen, den Bestand oder zumindest die Hälfte der Palazzina Misurata stehen zu lassen, so wie es Dutzende Architekten vorgeschlagen haben“, erklärt die Gemeinderätin. Im Gemeinderat wurde nur zugestimmt, dass eine Arbeitsgruppe den Restbestand der Kaserne gestalten kann. 

     

    „Schade ist allerdings das schlechte Timing, denn wir wurden kurzfristig über den Baubeginn informiert.“

     

    Bürgermeisterin Christine Kaaserer (SVP) erklärt: „Wir müssen die BASIS und das gesamte Kasernenareal getrennt betrachten. Denn die Villa Wielander befindet sich in einem desolaten Zustand und beide Palazzi sind im Oktober 2022 bereits angebaggert oder teilweise abgerissen worden. Der Tagliamento hingegen ist noch gut erhalten und die BASIS hat für dieses Gebäude einen zehnjährigen Mietvertrag, der weiterhin gültig ist.“ 

  • Die BASIS in der Drusus-Kaserne: Das renommierte Innovationszentrum in Schlanders bleibt weiterhin bestehen. Foto: (c) Rosario Multari/BASIS Vinschgau Venosta
  • Die Bürgermeisterin will auf dem freiwerdenden Areal gemäß dem städtebaulichen Umstrukturierungsplan gemeinsam mit dem Gemeinderat über Wohnungen und weitere Inhalte nachdenken. „Für Schlanders ist es vor allem wichtig, Mietwohnungen zu bauen. Deshalb starteten auch kürzlich die Bauarbeiten für 16 Wohnungen mit gedeckeltem Mietpreis am Marillenanger“, so Kaaserer. „Durch die Wohnbaureform haben Gemeinden viele Möglichkeiten für eine zeitgemäße Raumnutzung erhalten.“ 

  • Sommerprogramm trotz Bauarbeiten?

    „Für uns war diese Entscheidung nicht überraschend, da die Gemeinde und die Provinz Bozen uns diese Pläne schon vor langer Zeit mitgeteilt haben. Schade ist allerdings das schlechte Timing, denn wir wurden letzte Woche kurzfristig über den Baubeginn informiert“, erklärt BASIS-Geschäftsführer Hannes Götsch. Das Innovationszentrum im Vinschgau hat für die Nutzung von Leerstand kürzlich den Sonderpreis der Südtiroler Architekturstiftung gewonnen. 

    Die Abrissarbeiten der Palazzina Misurata neben dem Social Innovation & Creative Hub sollen im Mai oder Juni starten, zeitgleich zum Sommerprogramm in der BASIS. „Wir werden klären müssen, wie wir die Lärm- und Staubbelastung minimieren können und wie unser operativer Betrieb als Hub mit allen Arbeitsplätzen parallel funktionieren kann“, so Götsch. 

  • Die Kosten

    Insgesamt kosten Abbruch und Entsorgung die Gemeinde Schlanders voraussichtlich 1,8 Millionen Euro. Im Zuge der Abrissarbeiten soll auch das auf dem Areal vorhandene Asbest entfernt werden. Für den Bau der Tiefbauhalle werden vom Land 4,4 Millionen Euro investiert. Findet die Ausschreibung für die Halle noch im Juni statt, muss die Landesregierung nicht die voraussichtlich erhöhten Richtpreise anwenden. 

    In einem zweiten Schritt plant das Land den Bau einer Hochbauhalle für die Schule, da 0,95 von den rund vier Hektar des Areals weiterhin der Provinz gehören. Was hingegen auf der restlichen Fläche passiert, dürfte in den nächsten Wochen im Gemeinderat von Schlanders entschieden werden.