Schicke Yoga-Literatur
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Vor etwa 100 Jahren – so belegen es jedenfalls die Digitalisate historischer Zeitungen der Landesbibliothek Tessmann in Bozen – taucht der Begriff Yoga (zunächst noch als Geheimwissenschaft bezeichnet) in den in dieser Gegend gelesenen Zeitungen südlich des Alpenhauptkamms erstmals auf.
Doch während die Körper, Geist und Atmung verbindende Praxis aus Indien weitaus älter ist, benötigt sie noch einige Jahrzehnte, um im Süden Tirols Fuß zu fassen.
Eine lokale Yoga-Pionierin war die im vergangenen Sommer im Alter von 94 Jahren verstorbene Annemarie Berchtold Schick, die ihre einschlägige Bibliothek nun einem Yoga-Studio vermachte, das sich nur einen Steinwurf neben Schicks langjährigen Yoga-Räumlichkeiten in Gries ansiedelte. Die vermachten Kartons wurden nun ausgepackt und die Bücher in die Regale eingeräumt.
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Anstelle von Yoga: Bücher einräumen kann auch entspannend sein. Alex Parmeggiani, Evi Pardeller und Alice Hönigschmid. Foto: SALTO/HMVor wenigen Tagen wurde die Bibliothek von Tochter Verena Schick offiziell eröffnet, indem eine Kerze angezündet und von Annemaries Leben erzählt wurde.
„Es war berührend“, sagt Alex Parmeggiani, „es gab auch Erklärungen zur Einteilung der Bücher in verschiedene Kategorien wie Yoga, Meditation, Philosophie, Spiritualität, Ratgeber, Meister, Lehrer. Und natürlich die eine oder andere Anekdote von Menschen, die Annemarie persönlich erlebt haben.“
In der nicht mehr erscheinenden Inhouse-Zeitung Alpenrosen führte Alexandra Pan vor zwölf Jahren ein Interview mit der Pionierin. Darin erzählt sie, wie sie mit 26 Jahren ihre Karriere als Balletttänzerin auf der Bühne beendete und ihre Heimatstadt Augsburg verließ, um nach Amerika auszuwandern. Dort verfolgte sie das Angebot, eine internationale Ballettschule aufzubauen – mit Erfolg. Gemeinsam mit Germar Schick, den sie später heiratete, zog Annemarie 1959 nach Bozen und wechselte vom Ballett zum Yoga, was ihr 1962 mit einer Ausbildung gelang. Es folgten Reisen nach Indien, wo sie hochgeistige und weltberühmte Lehrer kennenlernte.
Da ich schon seit meiner Kindheit eine geistig Suchende war, kam ich durch Yoga auf den spirituellen Weg.
Annemarie Berchtold Schick erweckte das Interesse ihrer Freundinnen, die bei der neuen „Sportart“ Yoga mitmachen wollten. Erste Yogastunden fanden in der häuslichen Wohnung statt. Über die Jahre wuchs das Interesse an Yoga in Bozen und in Europa. Schick suchte nach größeren Räumlichkeiten für ihre Yoga-Einheiten und zog zunächst in den Raum neben der Praxis ihres Mannes. Als dieser die Ordination schloss, nahm sie das Angebot wahr, in den neu eingerichteten Meditationsraum der Benediktiner in Muri-Gries zu wechseln. Dort machte sie bis zu ihrem 80. Geburtstag Yoga und bot weiterhin Kurse an. Danach veranstaltete sie noch jahrelang Meditationsrunden bei sich zu Hause.
Die Pionierin befasste sich nicht nur mit Yoga zur körperlichen und mentalen Fitness, sondern mit allen spirituellen Themen wie Philosophie, Religion und Esoterik. Dazu besuchte sie unzählige Seminare und las unglaublich viele Bücher und Schriften. Der Großteil dieses Vermächtnisses wird nun im Yogazentrum am Grieserplatz behütet und für Interessierte zugänglich.
Buchklassiker und Yoga-Matte: Dieser unsterbliche Klassiker von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich ist weit mehr als ein Buch zur sportlichen Betätigung mit Yoga-Unterstützung. Es ist eine wissenschaftliche Abhandlung über die tiefsten Yoga-Geheimnisse und ihre Auswirkungen auf der körperlichen Ebene. Foto: SALTO/HMAbschließend gab es bei der Eröffnung der Bibliothek für die anwesenden Yogis alkoholfreien Sekt und Snacks. Und viele Bücher zum Schmökern.
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