USA: die Nummer eins bei Öl und Gas
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Präsident Trumps Fokus auf fossile Energien gab dem Öl- und Gas-Boom in den USA, der bereits seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts anhält, zusätzlichen Aufwind. Schon vor seiner Wiederwahl Ende 2024 ließ er keinen Zweifel daran, dass er fossile Energieträger priorisieren und erneuerbare Energien vernachlässigen würde – nicht zuletzt, weil er den menschengemachten Klimawandel 1/ offen anzweifelt. Inzwischen haben sich die USA zum weltweit führenden Öl- und Gasproduzenten entwickelt und übertreffen etablierte Branchengrößen wie Saudi-Arabien und Russland bei Erdöl sowie Russland bei Gas deutlich.
Begünstigt durch den Schiefergas-Boom stiegen die USA bereits 2017 zum weltweit größten Gasproduzenten auf. Mit einem Fördervolumen von 1.074 Milliarden Kubikmetern im Jahr 2025 behaupteten sie ihren deutlichen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Russland (603 Milliarden Kubikmeter). Auch beim Erdöl übernahmen die USA ab 2020 die globale Führung. 2025 förderten sie bereits 13,6 Millionen Barrel pro Tag und lagen damit weit vor Russland (9,9 Millionen) und Saudi-Arabien (9,6 Millionen).
Laut dem US-amerikanischen Energieministerium (DOE/EIA) stammen derzeit rund 64% bis 67% der US-Erdölförderung aus Schiefergestein und werden mittels Frackings gewonnen; beim Gas liegt dieser Anteil sogar bei 78% bis 79%.
Die USA sind noch vor China der weltweit größte Konsument von Erdöl, Erdölprodukten und Gas. Noch bis in die 2010er-Jahre hinein überstieg der US-amerikanische Verbrauch von Erdöl und Erdgas die eigene Förderung, weshalb das Land auf umfangreiche Importe angewiesen war. Durch den enormen Produktionszuwachs im Zuge des Schieferöl- und Schiefergasbooms wurden die USA 2017 erstmals seit 1957 wieder zum Nettoexporteur von Gas (Pipelinegas und Flüssiggas), während die Exporte von Erdöl und Erdölprodukten 2020 erstmals seit 1949 wieder die Importe überstiegen.
Wegen des enormen Eigenbedarfs fallen die US-Nettoexporte von Erdöl und Erdölprodukten trotz der Rekordproduktion vergleichsweise gering aus. Mit rund 2,8 Millionen Barrel pro Tag lagen die USA im Jahr 2025 weit hinter den Top-Exporteuren Saudi-Arabien (7,4 Mio. Barrel/Tag) und Russland (6,6 Mio. Barrel/Tag).
Die USA verzeichneten 2025 Netto-Gasexporte von 153,6 Milliarden Kubikmetern. Damit lagen sie vor Russland (145 Mrd. m³) und Katar (130 Mrd. m³).
Dass die USA gleichzeitig der weltweit größte Ölproduzent sind und dennoch täglich Millionen circa 6 bis 6,5 Millionen Barrel Erdöl und 1,5 bis 2 Millionen Barrel Erdölprodukte (Benzin, Diesel, Jetkerosin etc.) importieren, wirkt erst einmal paradox. Der Hauptgrund dafür ist die unterschiedliche Qualität des Erdöls und die darauf ausgelegte Infrastruktur der US-Raffinerien. Die USA produzieren vor allem sogenanntes leichtes, süßes Erdöl (Light Sweet Crude). Dieses Ölsorte ist dünnflüssig und hat einen sehr geringen Schwefelgehalt. Leichtes Erdöl erzielt am Markt in der Regel höhere Preise als schweres Erdöl.
Der Großteil der riesigen Raffinerien (vor allem an der US-Golfküste) wurde vor Jahrzehnten gebaut, als die USA hauptsächlich Öl aus Ländern wie Venezuela, Kanada, Mexiko oder Saudi-Arabien bezogen. Diese Ölsorten sind meist schwer (Heavy Sour Crude) – also sehr zähflüssig und schwefelhaltig. Eine Raffinerie, die teuer dafür umgerüstet wurde, aus zähem Schweröl Benzin, Diesel und Flugkerosin herzustellen, arbeitet am effizientesten, wenn sie auch schweres Öl verarbeitet. Speist man sie rein mit leichtem Öl, läuft sie nicht optimal. Die USA importieren das günstigere Schweröl (z. B. per Pipeline aus Kanada). Anschließend wird dieses Erdöl zu hochwertigen Endprodukten (Benzin, Diesel, Flugkerosin), welche dann mit Gewinn weltweit exportiert werden.
Die USA nehmen dabei die Rolle eines Veredelungsstandorts ein: Sie nutzen den Preisvorteil beim Import von Schweröl, verarbeiten diesen Rohstoff in ihren komplexen Raffinerieanlagen und exportieren sowohl die fertigen Mineralölprodukte als auch ihr eigenes Leichtöl.
Dazu kommt ein logistischer Faktor: Wegen der riesigen Distanzen ist der Import per Tankschiff an die US-Küsten oft billiger und einfacher als der aufwendige Landtransport des eigenen Erdöls von Texas oder North Dakota quer über den Kontinent.
Wie kam es zum Öl- und Gas-Boom in den USA?
Angesichts schrumpfender konventioneller Vorkommen setzte die US-Energiebranche auf Schieferöl und -Schiefergas (shale oil/shale gas). Den entscheidenden Durchbruch erzielte Mitchell Energy 1998 in Texas durch die Kombination von Fracking und Horizontalbohrungen. Begünstigt durch hohe Rohölpreise und gelockerte gesetzliche Rahmenbedingungen verbreitete sich das Verfahren ab den frühen 2000er-Jahren landesweit. Dies löste die sogenannte US-Schieferrevolution aus – ein massiver Förderboom, der bis heute umweltpolitisch stark umstritten ist.
Der Fracking-Boom hat die US-Energiebilanz grundlegend verändert: Während die USA zu Beginn des Jahrtausends hinter China noch zu den größten Nettoimporteuren von Erdöl und Erdölprodukten zählten, wandelten sie sich bis 2020 zum Nettoexporteur fossiler Energien.
Was ist Fracking und wie funktioniert diese Technologie?
Die Methode des „Hydraulic Fracturing“ (deutsch: hydraulisches Aufbrechen), kurz Fracking, ermöglicht die Förderung von Schiefergas und Schieferöl (englisch: shale gas und shale oil). Da diese Vorkommen in tiefliegendem, dichtem, porenarmem Schiefergestein gefangen sind und nicht natürlich abfließen können, ist eine künstliche Aufschließung der Lagerstätte erforderlich – mit konventionellen Methoden lassen sich Schieferöl und Schiefergas nicht gewinnen.
In ihrer Entstehung und Zusammensetzung unterscheiden sich Schieferöl und Schiefergas zwar nicht von herkömmlichen Vorkommen, wohl aber in der Art der Lagerstätte. Ihre Förderung ist technisch deutlich anspruchsvoller sowie kostenintensiver. Häufig treten Schiefergas- und Schieferölvorkommen in Kombination mit konventionellen Lagerstätten auf.
Der Fracking-Vorgang beginnt mit einer vertikalen Bohrung in eine Tiefe von mehreren Kilometern. Nach dem Erreichen der gewünschten Gesteinsschicht wird die Bohrung horizontal fortgeführt, um ein maximales Volumen der Lagerstätte einzubeziehen. Anschließend wird ein Gemisch aus rund 94,5 % Wasser, 4–5 % Quarzsand sowie 0,5–1 % chemischen Additiven unter extrem hohem Druck in die Gesteinsschicht gepresst. Durch den hohen Druck entstehen feine Risse im Gestein. Der Quarzsand setzt sich in den Rissen fest und hält sie offen, sobald der Druck nachlässt, so dass das freigesetzte Schieferöl oder Schiefergas an die Oberfläche strömen kann. Die zugesetzten Chemikalien erfüllen verschiedene Aufgaben: Sie halten das Wasser-Sand-Gemisch homogen, töten Bakterien ab und schützen das Bohrloch vor Korrosion. Die Flüssigkeit wird größtenteils wieder an die Oberfläche gepumpt, sodass das freigesetzte Erdöl oder Gas durch die Risse zum Bohrloch und nach oben steigen kann.
Welche Länder nutzen Fracking zur Öl- und/oder Gasförderung?
Obwohl weltweit viele Länder über beträchtliche Vorkommen verfügen, bleibt Fracking zur Förderung von Schieferöl und -gas eine weitgehende US-amerikanische Domäne. Neben den USA nutzen derzeit nur Kanada, Argentinien und China das Verfahren im kommerziellen Maßstab – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau, als die USA. Russland verfügt ebenfalls über sehr große Reserven an Schieferöl und Schiefergas, beschränkt sich bislang jedoch weitgehend auf Test- und Erkundungsbohrungen. Zudem planen Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten und Algerien Projekte zur künftigen Erschließung ihrer Schieferöl- und Schiefergasvorkommen.
Iran-krieg rückt Fracking in manchen Ländern wieder in den Fokus
Fracking ist in vielen europäischen Ländern verboten. Der Grund: die ökologischen Schattenseiten wie Grundwasserkontamination, krebserregende Chemikalien, hoher Ressourcenverbrauch und das Risiko lokaler Erdbeben gelten vielen Entscheidern weiterhin als unkalkulierbar. Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiekrise zwingt Europa erneut zur Debatte über seine Versorgungssicherheit.
Vor dem Hintergrund der extrem großen Abhängigkeit von Energieimporten wird in einigen Ländern die Wiederzulassung von Fracking diskutiert. So bringt zum Beispiel die deutsche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche das Thema Fracking erneut in die politische Diskussion ein. Angesichts der aktuellen Energiekrise plädiert sie dafür, heimische Gasvorkommen stärker zu nutzen und prüft dabei ausdrücklich auch die umstrittene Fracking-Technologie. Unterstützt wird sie dabei von wirtschaftspolitischen Beratern, die argumentieren, dass sich die Umwelt- und Sicherheitsrisiken durch technische Fortschritte inzwischen besser kontrollieren ließen.
Da Europa wesentlich dichter besiedelt ist als die USA, sind die Risiken von Fracking für Umwelt und Bevölkerung hier deutlich höher. Eine Zulassung der Technologie in Europa ist in naher Zukunft daher eher unwahrscheinlich.
Perspektiven der US-Öl- und Gasförderung
Laut Prognose des US-amerikanischen Energieministeriums (DOE/EIA) wird die Erdölproduktion voraussichtlich 2027 bei etwa 14 Millionen Barrel pro Tag ihren Höchststand erreichen, bevor sie in eine flache Plateauphase und einen langfristigen Rückgang übergeht. Im Gegensatz zum Erdöl, steht der Gasförderung noch eine längere Wachstumsphase bevor, ehe sie sich auf einem Plateau einpendelt. Die Gasproduktion der USA wird voraussichtlich Anfang der 2030er-Jahre ihren Höchststand erreichen.
1/ Der menschengemachte (anthropogene) Klimawandel bezeichnet die globale Erwärmung und ihre Folgen, die direkt durch menschliche Aktivitäten verursacht werden. Hauptursache ist die Verstärkung des natürlichen Treibhauseffekts: Seit der Industrialisierung wurden durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas), Entwaldung und intensive Landwirtschaft massiv Treibhausgase freigesetzt.
Gegenwärtig verbrennt die…
Gegenwärtig verbrennt die Welt in einem Jahr soviele fossile Brennstoffe, wie vorher „in 1 Mio. Jahren gebildet wurden ...!“
Die durch das Fraking versauten Landschaften, werden als sehr schwere Hypotek den Lebens-Raum der Menschen beschrenken ...!
Werter Herr Raud, Vielen…
Werter Herr Raud,
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Falls bei Ihnen der Eindruck entstanden ist, ich sei in Bezug auf die negativen Auswirkungen des Frackings „unbedarft“, möchte ich das gerne klarstellen: Ich halte das Fracking-Verbot in den meisten europäischen Ländern für absolut richtig, Fracking sollte weltweit verboten sein.
Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit dem Thema Energie – sowohl im fossilen als auch im erneuerbaren Bereich. Die Funktionsweise sowie die Risiken des Frackings waren mir daher schon lange bekannt, bevor das Thema in den Mainstream-Medien aufgegriffen wurde.
Mein Artikel verfolgt in erster Linie einen informativen Ansatz. Ich habe die negativen Auswirkungen des Frackings auch explizit erwähnt und beschrieben, dass Fracking in vielen europäischen Ländern verboten ist – eben, weil es umweltschädlich und gesundheitsgefährdend ist.
So erstrebenswert ein globaler Ausstieg aus Fracking und fossilen Energien auch ist – ein rascher Wandel ist kaum zu erwarten. Der Öl- und Gassektor ist extrem profitabel: Mit ihrer finanziellen Macht nehmen die großen Energiekonzerne gezielt Einfluss auf die Politik und verzögern den Wandel, weil Profit für sie schwerer wiegt als Mensch und Umwelt.
Das Kernproblem ist die noch…
Das Kernproblem ist die noch auf lange Frist gesicherte Profitabilität dieser Branche, wie Monika Psenner in dieser besorgniserregenden Darstellung aufzeigt. Gerade durch die sachliche Darstellung des Frackings schafft Monika Klarheit: kein Zweifel, dass solche Methoden langfristig für die Natur eine Katastrophe sind. Der Petro-Staat USA mit seinen enormen Öl- und Gasreserven, seinen minimalen Skrupeln bei der Ruinierung der Natur und der allgemeinen Regression seiner politischen Kultur, wird diese Ressource nutzen solange profitabel. Er hat das Zeug, die weltweiten Klimaschutzbemühungen mit seiner fossilen Macht auf den Weltmärkten auszuhebeln. Eine fatale Entwicklung.
Antwort auf Das Kernproblem ist die noch… von Thomas Benedikter
Und welche Macht hier,…
Und welche Macht hier, sowohl von der US Regierung wie auch von fossilen Lobby, praktiziert wird, zeigt auch diese Meldung
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-08/rwe-offshore-windenergie-usa-don…
Es gibt nur einen vernünftigen Weg für Europa, Unabhängigkeit in jeglicher Hinsicht.
Eine Wirtschaft welche von der fossilen Lobby der USA und Russland abhängig ist wird mittelfristig zerrieben.
Als Backup langen uns Norwegen/GB und Kanada bzw auch Australien.