Kultur | In memoriam

Vallazza zum 90sten

Mit einem ganztägigen Fest wird am 8. August in Lana der Geburtstag des 2019 verstorbenen Künstlers Markus Vallazza begangen. Es gibt viel Kunst und sogar eine „Tavolata“
Belesener Künstler: Markus Vallazza (1936-2019) Bild: Verena Kammerer

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Seit vergangenem Wochenende hat sie wieder geschlossen: die Bilderschau zum Werk des 2019 verstorbenen Künstlers Markus Vallazza am Ritten. Geboren wurde Vallazza vor 90 Jahren. Genau deshalb lässt man ihn nach der Ausstellung nun kommende Woche zu seinem Geburtstag – und obendrein zu seinem runden – so richtig hochleben. Nicht aber in St. Ulrich in Gröden, Vallazzas Geburtsort, sondern in Lana.

Seinen nachhaltigen Einfluss auf andere sichtbar machen...

Im Rahmen eines umfangreichen Hommage-Projekts für den Künstler und Lehrer Markus Vallazza soll dessen künstlerisches Wirken und sein Einfluss auf zahlreiche Schülerinnen, Schüler und Künstlerpersönlichkeiten gewürdigt werden. Die Initiatorin Verena Kammerer erläutert beim Besuch im SALTO-Büro das Konzept dieses besonderen Tages. Ziel ist es nämlich, „nicht nur das Werk Vallazzas zu präsentieren, sondern auch seine Persönlichkeit, seine Bedeutung als Lehrer und Wegbereiter sowie seinen nachhaltigen Einfluss auf andere sichtbar zu machen“.

Initiatorin und Organisatorin: In jungen Jahren ermutigte Markus Vallazza auch Verena Kammerer sich der Kunst zu widmen. Max Hofer

Kammerer selbst arbeitete – nach Stationen in Wien und Berlin – als Grafikerin und Therapeutin. Und immer wieder als Künstlerin. Während einer persönlichen und beruflichen Neuorientierung entdeckte sie ihre eigene künstlerische Sprache, wobei der Künstler Markus Vallazza, wie sie erzählt, „eine entscheidende Rolle“ spielte. Ihre eigenen Zeichnungen habe sie zunächst nicht richtig ernst genommen, erklärt sie gegenüber SALTO. Vallazza aber erkannte ihr Potenzial und ermutigte sie, unbedingt weiterzuarbeiten. Diese Bestärkung war für sie ausschlaggebend und beeinflusste ihre spätere künstlerische Entwicklung. So habe sie „seine künstlerischen und ethischen Maßstäbe“ bis heute verinnerlicht.

Vallazzas Bedeutung als Lehrer ist nicht zu unterschätzen. Viele heute bekannte Künstler und Künstlerinnen gingen durch seine Schule oder wurden von ihm beeinflusst. Er, der als Pionier beschrieben wird und stets neue Wege für die Kunst in Gröden suchte, der sich stark an Giacometti orientierte und Aufenthalte in Paris und anderen Städten vorweisen konnte, suchte stets die intensive Auseinandersetzung mit der modernen Kunst. Diese prägte auch seinen ureigenen Vallazza-Stil – gemäß seiner Absicht, die Kunst konsequent weiterzuentwickeln und neue Ausdrucksformen zu finden.

Das Vallazza-Programm mit Feier am Abend.: Ab 19.00 im Südtiroler Obstbaumuseum, Brandiswaalweg: Eröffnung mit dem Radierzyklus „Mein Apfelbaum“, einer Lesung von Gundi Feyrer (N.C. Kaser-Preisträgerin) und anschließender „Tavolata“. Diese Arbeit ist die persönliche Hommage des Künstlers Heinz Mader. Sie ging als Einladung an frühere Schülerinnen und Schüler hinaus, um gemeinsam den großen Künstler und Lehrer, zu feiern. Einige der Ausstellungen laufen dann nach dem Eröffnungsakt eine Woche weiter. Projekt Vallazza

Das geplante Veranstaltungsprogramm umfasst zahlreiche Ausstellungen, Installationen, Filmvorführungen, Lesungen und Begegnungen an verschiedenen Orten in Lana. In der Lananer Freiluftgalerie werden großformatige Werke präsentiert, unter anderem der Zyklus Mein Apfelbaum, der sowohl zu Vallazzas Biografie als auch zur Apfelgemeinde Lana passt. Waren nicht schon Gabriele Münter und Wassily Kandinsky von den blühenden Apfelbäumen in Lana sehr angetan?

Es war die Zeit von Jimi Hendrix und Janis Joplin...

An Vallazzas Geburtstag steht nicht nur der Künstler mit vielen Originalwerken im Mittelpunkt, die unter anderem auch in der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung der Kommende in Lengmoos zu sehen waren, sondern auch andere, bislang private Arbeiten. Ergänzt wird das Programm durch Filme aus verschiedenen Lebensphasen Vallazzas: historische Aufnahmen, Dokumentationen über sein künstlerisches Arbeiten sowie persönlichere Filmsequenzen, die ihn außerhalb des klassischen Künstlerbildes zeigen.

Zeichner und Intellektueller: Markus Vallazza brachte sich auch immer wieder kritisch zu verschiedenen politischen Themen ein. Limbus

Ein wesentliches Element der Hommage besteht darin, viele andere Künstler und Künstlerinnen miteinzubeziehen, die sich kreativ mit seinem Werk auseinandersetzen. Einige beziehen sich dabei auf einzelne Bilder, andere auf persönliche Erinnerungsstücke wie etwa Vallazzas charakteristischen roten Schal. Dadurch entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen Vallazzas „göttlichem“ Schaffenswerk und seinen „Jüngern“.

Zum Rahmenprogramm gehören außerdem eine Lesung der Autorin und langjährigen Freundin Gundi Feyrer, musikalische Beiträge, Begegnungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler sowie kleinere Veranstaltungen an verschiedenen Orten.

Zudem wird der Künstler Heinz Mader eine Tavolata organisieren, eine Art Klassentreffen jener Menschen, die bei Vallazza studiert haben. „Ich habe, wie viele andere auch, bei Vallazza die Kunstschule besucht. Es war die Zeit von Jimi Hendrix und Janis Joplin“, erinnert er sich. „Man besuchte die Schule, traf sich mit dem Lehrer Vallazza, aber auch im Gasthof Traube“ im Zentrum von St. Ulrich. „Das waren irgendwie noch andere Zeiten“, betont Mader, „zusätzlich war die Kunstschule sehr verrufen, alle Eltern rieten ab diese wegen Drogen, Alkohol und Sex zu besuchen.“ Ob an diesen Gerüchten überhaupt etwas Wahres dran war? Beim Fest für Markus Vallazza werden sich Schülerinnen und Schüler erinnern.