Kultur | Kultur&Bildung

Bühne frei für Südtirols Schulen

Zum Schulstart schlägt PERFAS Alarm: Kunst, Theater und Prävention an Südtirols Schulen dürfen nicht länger gestrichen werden. Kulturelle Bildung ist kein Luxusgut!
Leere Ränge, wartende Bühne: PERFAS fordert die Rückkehr der Schüler in den Kultursaal. Bild: unsplash

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Für die Berufsvertretung der darstellenden Künstlerinnen und Künstler PERFAS (Performing Artists Association South Tyrol) steht fest: Kultur und Bildung gehören unzertrennlich zusammen – genauso wie das Recht auf Bildung und das Recht auf kulturelle Teilhabe. Zum Schulbeginn appelliert die Vereinigung daher an alle Verantwortlichen, einen klaren und konstruktiven Neustart zu setzen und die außerschulischen Tätigkeiten wieder vollumfänglich aufzunehmen. 

„Wir haben großes Verständnis für die Anliegen der Lehrkräfte. Ein gestärktes, zeitgemäßes Bildungssystem ist von fundamentaler Bedeutung“, betont PERFAS-Präsident Peter Schorn. Aber er zieht auch eine klare Grenze: „Gleichzeitig möchten wir klar unterscheiden zwischen der Solidarität mit den berechtigten Anliegen der Lehrpersonen, die wir zu 100 Prozent unterstützen, und der Solidarität mit den gewählten Protestmaßnahmen im vergangenen Schuljahr, die nach einem langen Jahr mit teils schwerwiegenden Folgen für Kinder und Jugendliche sowie für eine ganze Berufsgruppe ein Ablaufdatum erreicht hat.“ 

Über viele Jahre aufgebaute Strukturen wurden geschwächt oder unwiederbringlich zerstört.

Die Aussetzung von Theaterbesuchen, kulturellen Angeboten, Workshops, Experten-Unterricht und Präventionsprojekten habe sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch gemeinnützige Vereine und Kulturschaffende unverhältnismäßig stark getroffen. Theaterpädagogin und PERFAS-Mitglied Alexandra Hofer beschreibt die dramatische Lage: „Über viele Jahre aufgebaute Strukturen wurden geschwächt oder unwiederbringlich zerstört. Viele Angebote mussten bereits drastisch reduziert oder sogar eingestellt werden, viele Kunstschaffende und Expert:innen mussten ihre Tätigkeit aufgeben.“ 

Von links nach rechts: Simon Gamper, Margot Mayrhofer, Eva Kuen, Thomas Maniacco, Christian Mair, Peter Schorn, Sandra Passarello: perfas

Kulturelle Teilhabe als Notwendigkeit für die Entwicklung

PERFAS Young-Talents-Sprecherin Margot Mayrhofer verweist darauf, dass kulturelle Teilhabe einer der wichtigsten Hebel für Chancengleichheit, Integration und Zugehörigkeit sei: „Es ist auch Aufgabe der Schule, unterschiedliche Startbedingungen auszugleichen. In Zeiten von digitaler Überpräsenz und Radikalisierungsgefahr sind Kinder und Jugendliche einem Dschungel von Gefühlen, Fragen und Unsicherheiten ausgesetzt. Gemeinsame Erlebnisse wie Theaterbesuche, Workshops und Ausflüge sind kein Luxus, sie sind für die Entwicklung von emotionaler Stabilität, Empathie und Reflexionsfähigkeit unverzichtbar.“ 

In Planung sind neue Förderkonzepte, wie etwa ein niederschwelliges Angebot von hochwertigem und professionellem Figurentheater, visuellem Theater sowie Musik- und Tanzvorstellungen an Südtiroler Kindergärten und Schulen. 

Die Stärkung der Zusammenarbeit von Kultur und Bildung ist dem PERFAS-Team ein wichtiges Anliegen. Zu diesem Zweck arbeitet die Vereinigung eng mit der Pädagogischen Abteilung der Provinz Bozen zusammen. In Planung sind neue Förderkonzepte, wie etwa ein niederschwelliges Angebot von hochwertigem und professionellem Figurentheater, visuellem Theater sowie Musik- und Tanzvorstellungen an Südtiroler Kindergärten und Schulen. 

„Wir möchten in diesem Schuljahr wieder richtig durchstarten, darauf freue mich sehr.“

Geleitet wird der Bereich „Kultur und Bildung“ bei PERFAS von Sabrina Fraternali, Tanzschaffende, diplomierte Tanzwissenschaftlerin sowie Mitglied der internationalen Plattform für junges Publikum Generator: „Wir möchten in diesem Schuljahr wieder richtig durchstarten, darauf freue mich sehr. Wir wünschen uns, dass die Fachkräfte im Bildungsbereich das bewährte Programm ‚Schule braucht Theater‘ ebenso mit Freude und Überzeugung für unsere Kinder und Jugendlichen nutzen werden wie die vielfältigen Theaterangebote.“ 

Gemeinsame Erlebnisse wie Theaterbesuche, Workshops und Ausflüge sind kein Luxus, sie sind für die Entwicklung von emotionaler Stabilität, Empathie und Reflexionsfähigkeit unverzichtbar. Unsplash

Dass die Hürden für das Bildungspersonal gering sind, streicht sie heraus: Der Aufwand sei minimal – „Ein Anruf genügt, und die Expertinnen und Experten kommen an die Schule oder den Kindergarten und bringen ihr Programm mit.“ Für PERFAS ist ein partnerschaftliches und gutes Verhältnis mit allen Menschen im Bildungsbereich von größter Bedeutung. PERFAS-Geschäftsführer Thomas Maniacco fordert nachhaltige Strukturen: „Wir setzen uns solidarisch für ein multiprofessionelles, offenes und mehrsprachiges Bildungssystem auf der Höhe der Zeit ein, das kulturelle Teilhabe nicht in freiwilliges und oft unterbezahltes Engagement auslagert, sondern fest in den schulischen Alltag integriert.“ Aktivitäten, die für die persönliche Entwicklung Heranwachsender unverzichtbar sind, sollten nach Ansicht des PERFAS-Teams nicht als fakultative „außerschulische“ Tätigkeiten behandelt werden, sondern als fixer Bestandteil in das schulische Curriculum aufgenommen werden. Diesen Prozess unterstützt die Vereinigung nach Kräften.