Flüchtlinge
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Gesellschaft | Fritto Misto

Ex-Alimarket Blues

Was sie sollen und was nicht. Ein Dilemma.
  • Sie sollen arbeiten, sich nützlich machen, aber nicht den Unsrigen die Arbeitsplätze wegnehmen, kein Wunder, dass die Jungen abwandern bei so vielen Ausländern, jawoll, ich sag’s jetzt einfach mal. 

    Sie sollen Äpfel sortieren, dir dein Büro putzen, deinen Burger machen, deine Paktlen liefern, deine Alten pflegen, aber bloß nicht murren und Trinkgeld gibt’s auch keins, die sind das schon gewohnt, das ist ihre Kultur. Sie sollen sich integrieren, deine Sprache lernen, deine Sitten und Bräuche wertschätzen und respektieren, aber ich red nicht mit denen, das Ausländerkind laden wir nicht zum Geburtstag ein, gell, schickt’s eure Kinder nicht in unsere Schule und Kindergärten, wir brauchen da keinen Mohammed, und bleibt’s einfach bitte unter euch mit euren komischen Festen, Remidemmi und was weiß ich, die sowieso viel zu laut sind immer. 

     

    Ich nehm doch keinen Mohammed, den kriegst ja nicht mehr raus.

     

    Sie sollen ruhig und höflich sein und genügsam, keine Ansprüche stellen, am besten unsichtbar, aber zahlt’s gefälligst eure Steuern und unsere Renten mit, wozu braucht ihr politische Vertretung, seid’s froh, dass ihr geduldet seid und wieso müssen eure Männer auf der Promenade sitzen und Karten spielen, wie schaut denn das aus für die Touristen, geht’s halt ins Gasthaus, Watten ist eh viel besser, oder na, im Gasthaus wollen wir euch eigentlich auch nicht. 

    Sie sollen nicht auf Parkbänken schlafen, in Zelten hausen, das Stadtbild verschandeln, che degrado, und unhygienisch pfui Teufel, wer weiß, wo die aufs Klo gehen, warum müssen die überhaupt aufs Klo gehen, aber nein, Wohnungen haben wir keine, nirgends nicht, auch nicht im hintersten Loch, alles voll, und wenn was frei wäre (was aber nicht ist, gell), dann kommen zuerst mal unsere dran, dass das klar ist, das sagt auch die VOLKS-Umfrage, und mit diesem Namen hast du eh keine Chance, ich nehm doch keinen Mohammed, den kriegst ja nicht mehr raus, und dann macht er alles kaputt, der soll arbeiten gehen, wozu muss der schlafen irgendwo, der soll arbeiten, auch nachts. 

    Sie sollen nicht so viele Kinder machen und kein Geld nach Hause schicken und dann kommen noch der Opa und die Oma und der angeheiratete Cousin zweiten Grades mit der ganzen Sippschaft nach und bezahlen können das alles wir, die wir viel zu wenige Kinder machen, was sind das überhaupt für Werte, wer soll das mal alles finanzieren, soll der halt allein hier bleiben, muss eh den ganzen Tag arbeiten, und das Geld bleibt auch hier, geh halt ins Gasthaus (na, doch nicht) oder zahl Miete (aber nicht bei mir, gell). 

     

    Also alle Abflug Remigration, wie das gehen soll, das weiß ich nicht, das weiß der Sven, er sagt’s nur nie, keine Ahnung wieso.

     

    Sie sollen billig billig billig sein, ich mag sie ja nicht hier haben, aber beim Chinesen isst man billig, und wenn er deine Hosen kürzt, das ist billig, und im Chinesengschäft gibt’s billiges Graffl, das gefällt der Oma, und so ein Kebap hin und wieder hat schon was, aber nein, eigentlich solltet ihr alle wieder zurück in euer Land, gell, ihr macht nur Ärger hier, randaliert im Bus, fahrt schwarz im Zug, Messerstechereien und Drogen sowieso, unsere Frauen tatscht ihr an, ein Gsindel seid ihr, interessiert mich nicht, dass nicht alle so sind, weil wenn was ist, dann ist’s immer ein Mohammed, also alle Abflug Remigration, wie das gehen soll, das weiß ich nicht, das weiß der Sven, er sagt’s nur nie, keine Ahnung wieso.

    Sicher gibt’s gute auch, ein oder zwei, der Mohammed am Markt kann sogar Dialekt, der redet wie der Rabensteiner, woher weiß ich nicht, weil ich red nicht mit ihm, und beim Madl ist eine Samira in der Klasse, der siehst gar nix an und beim Reden hörst du auch nichts, die schaut aus wie ein normales Kind und spielt auch so, aber wenn die Eltern siehst, dann weißt alles und letztendlich ist’s halt alles die gleiche Baggage, irgendwann kommt’s schon raus, da halt ich mich lieber an die Unsrigen: Wenn dich da einer betaggelt, dann bleibt’s wenigstens unter uns. 

     

    …aber selber schuld, ich hab sie nicht gerufen, können jederzeit woanders hin...

     

    Sie haben’s schon nicht immer leicht und manchmal tun sie mir ja fast leid, wenn ich lese, für welchen Hungerlohn…aber selber schuld, ich hab sie nicht gerufen, können jederzeit woanders hin, eigene Entscheidung, besseres Leben okay, aber unsere Jungen gehen ja auch nicht woanders...ah Moment. Und wenn ihnen was nicht passt, dann sollen sie halt wieder gehen, wir brauchen sie nicht, das sagt der Jürgen, das sagt der Sven, die werden das schon wissen, die haben das recherchiert: Wenn die weg sind, sind alle unsere Probleme gelöst, also die Ausländer, nicht der Jürgen und der Sven, es wäre mal zu probieren, aber sie lassen uns die Remigration ja nicht machen, also werden wir es nie wissen, und ich muss es ihnen nur weiterhin glauben, dem Jürgen und dem Sven. Manchmal denk' ich, das ist denen gar nicht so unrecht.