trojanischer wasserstoffbus
Foto: Green Mobility Süüdtirol, Wikimedia/ Montage: SALTO
Wirtschaft | k.u.k. reloaded

Der trojanische Bus

Muss man jeden Blödsinn mitmachen, nur weil es dafür Geld gibt?
  • In diesen Tagen wird uns wieder das Thema Wasserstoff aufs harte Heimatbrot geschmiert. Südtirol beteiligt sich sehr aktiv an der Steuergeldvernichtung, die grünes Handeln vorgaukelt und in Wirklichkeit ein großer Bluff zu Lasten der Umwelt und der Steuerzahlenden ist. 

    So fahren in Bozen einige Wasserstoffbusse durch die Gegend, die mit Grün ungefähr so viel zu tun haben, wie der Stier mit dem Melken. Weil die hochsubventionierte Wasserstoffproduktion in Bozen zu teuer ist, kauft die SASA den Treibstoff in Mantua, wo er – wie der meiste Wasserstoff, der auf dem Markt ist – aus Methangas hergestellt wird. 

     

    Das Land lässt die Alperia in Bruneck eine Wasserstofftankstelle betreiben, bei der noch niemand einen Tankvorgang beobachten konnte. 

     

    Offiziell wird Wasserstoff als Brückentechnologie bezeichnet. In Wahrheit ist er vor allem eines: ein großkapitalistisches Märchen, das dafür sorgen soll, dass die (Energie)Kirche im (Fossil)Dorf bleibt. Die Brücke – oder sollten wir besser Krücke sagen?  - führt nicht in die Zukunft, sondern hält das aktuelle Abzocker-System auf Kosten der Gemeinschaft möglichst lange am Laufen. 

    Während Hochglanzkampagnen „grünen“ Wasserstoff feiern, bauen die Konzernstrategen ihre Zukunftsstrategien längst auf „blauem“ auf: produziert aus Erdgas, ergänzt durch CO₂-Abscheidung. Also genau jenem Verfahren, das seit Jahrzehnten als Lösung verkauft wird, ohne verlässlich zu funktionieren, bei hohem technischem und energetischem Aufwand. 

    Dabei ist bekannt, dass Wasserstoff beim Einsatz in der Massenmotorisierung gleichermaßen zu teuer wie zu ineffizient ist – und bleibt – und dass die Produktion, die Verteilung und die Verstromung in der Brennstoffzelle dafür sorgen, dass nur maximal ein Drittel der eingesetzten Energiemenge am Rad ankommt, während es bei batteriebetriebenen E-Fahrzeugen über 80 % der eingesetzten Energie auf die Straße schaffen. 

     

    Aber wir können nix dafür. Wir müssen da mitmachen, weil es dafür Geld aus Rom gibt … 

     

    Wasserstoff kann in begrenzten Fällen sinnvoll eingesetzt werden, vor allem in industriellen Produktionsprozessen, vielleicht auch auf großen Schiffen. Aber sogar der ursprünglich angedachte Einsatz in Bussen und LKW – sozusagen als Einstiegslüge – weicht inzwischen der Überzeugung, dass der Batteriebetrieb die bessere Lösung ist und nur mehr wenige Hersteller bieten Fahrzeuge aller Größen mit Brennstoffzellen-Technologie an.  

    Und was macht Südtirol? Das Land baut ein neues Wasserstoff-Produktionszentrum um 20 Millionen Euro und lässt die Alperia in Bruneck eine Wasserstofftankstelle betreibeb, bei der noch niemand einen Tankvorgang beobachten konnte. 

    Aber wir können nix dafür. Wir müssen da mitmachen, weil es dafür Geld aus Rom gibt …