Rad
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Gesellschaft | k.u.k. reloaded

Räder rollen, Räder töten

Kollabiert Südtirol wegen ein paar Stunden Stillstand am Brenner?
  • Das Südtiroler Establishment ist in diesen Tagen erzürnt, besorgt und aufgeregt. Kein Wunder: der Weltuntergang steht bevor. Grund dafür ist eine 8-stündige Sperre der Brenner-Autobahn und der Brenner-Bundesstraße, weil ein enttäuschter und besorgter Bürgermeister die Genehmigung für eine  Protestversammlung gegen die Auswüchse des Transitverkehrs durchgesetzt hat. 

    Nun tobt die sogenannte Wirtschaft. Denn das Wohl und Wehe der Südtiroler Bankkonten hängt bekanntlich davon ab, dass Kraftfahrzeug-Räder ungehindert von Norden nach Süden und von Süden nach Norden rollen. Die enge Optik der Geldjunkies reduziert das Land im Gebirge auf seine Funktion als Wirtschaftsraum und vergisst dabei, dass die Grundlage für das Geschäftemachen immer stärker in Gefahr gerät – der Lebensraum. 

    Dieser Lebensraum ist in seinen Qualitäten ernsthaft bedroht. Wie ernsthaft, möchte ich hier am Beispiel des Reifen- und Bremsabriebes verdeutlichen, der jährlich auf der Brenner-Autobahn anfällt und ins Wasser, in die Böden und teilweise auch als Feinstaub in unsere Lungen gerät. 

     

    Endlich finden sich auch mutige Bürgermeister, die nicht mehr vor vermeintlichen Sachzwängen in die Knie gehen.

     

    Man muss davon ausgehen, dass auf der Strecke zwischen Innsbruck und Salurn nur die LKWs rund 1.000 Tonnen – eintausend Tonnen! – Reifen- und Bremsabrieb im Jahr produzieren, ein Teil davon als Feinstaub. Rechnen wir die PKWs dazu, kommen wir auf einen Wert von rund 1.200 Tonnen Reifen- und Bremsabrieb zwischen Innsbruck und Salurn. In einem Jahr!

    Auch wenn es sich hier um Annäherungswerte handelt, ändern ein paar Prozent weniger oder mehr nichts an der erschreckenden Dimension der Bedrohung, die nur aus diesem Teilproblem erwächst, neben dem Lärm, den Emissionen und dem Aufwand für die Aufrechterhaltung unseres Wirtschaftsmodells, der bis zum Ende unserer Zivilisation führen kann. 

    Woraus besteht Reifen- und Bremsabrieb? Es ist ein unappetitlicher Cocktail. Bei den Reifen sind es hauptsächlich synthetische Polymere, Ruß, Kieselsäure, Weichmacher, Antioxidantien und Zinkoxid. Zu diesem Mix kommen noch Abriebpartikel vom Straßenbelag hinzu. Der größte Teil des Abriebs gilt als Mikroplastik. Bei den abgeriebenen Bremsbelägen finden wir Eisen, Kupfer, Zink, Blei, Antimon, Eisenoxid, Silikate/Aluminiumsilikate, Bariumsulfat, Harze, Graphit und Aramidfasern wie Kevlar. 

    Kein Wunder, wenn die Menschen an den Transitachsen die täglichen Belastungen nicht mehr länger hinnehmen wollen und endlich finden sich auch mutige Bürgermeister, die nicht mehr vor vermeintlichen Sachzwängen in die Knie gehen und sich mit ein wenig Öko-Kosmetik und grünen Ankündigungen besänftigen lassen. 

    Wir Südtirolerinnen und Südtiroler sollten Karl Mühlsteiger dankbar sein und ihn unterstützen.