Frauenschützer
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Es ist schon kurios, mit welcher Regelmäßigkeit das famose SOS-Handzeichen für Frauen in Gewaltsituationen gefordert wird. Erst kürzlich wieder im Landtag von Jürgen Wirth Anderlan. Wahrscheinlich ist eine Gelegenheit, sich als Frauenschützer zu positionieren, verlockend, und so springt man(n) halt auf die Schnelle auf den Zug der einfachen Lösung für ein komplexes Phänomen: Ein paar Flyer zum SOS-Handzeichen, und schon kennen es alle. Im Zweifelsfall wird die Hand schnell auf- und zugemacht, und über Nacht ist das Phänomen der Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft verschwunden. Und man(n) selbst kann weitermachen mit den misogynen und sexistischen Inhalten, die man(n) halt so in den sozialen Netzwerken teilt. „Unsere Frauen“ sind ja jetzt safe!
Was Frauen zu ihrem Schutz brauchen, ist nämlich kein Handzeichen in der Menschenmenge, sondern professionelle Begleitung.
Die schlechte Nachricht: Es gibt sie nicht, die einfache Lösung für komplexe Probleme. Ein Handzeichen als Lösung zu propagieren ist schlichtweg fahrlässig, denn dieser symbolischen Geste liegt kein Protokoll zugrunde. Gesetzt den Fall eine Frau würde dieses Handzeichen in einer Gefahrensituation verwenden, was würde passieren? Die eine Vorbeigehende wäre sich nicht sicher, richtig gesehen zu haben. Der andere würde sich fragen, ob die Betroffene grad ihrem Mann eins auswischen will. Eine dritte Person würde sich nach einem bärtigen Beschützer umsehen. Und die Frau selbst? Wer eilt ihr zu Hilfe und wie? Wer schafft eine eventuelle Deeskalation? Sie würde wohl bei nächster Gelegenheit doch die grüne Nummer eines Gewaltschutzzentrums wählen.
Die gute Nachricht: Es gibt Gewaltschutzzentren und Frauenhäuser, die Frauen und ihren Kindern in Gewaltsituationen tatsächlich zur Seite stehen. Was Frauen zu ihrem Schutz brauchen, ist nämlich kein Handzeichen in der Menschenmenge, sondern professionelle Begleitung. Und den Zugriff auf Ressourcen für ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt.
Wenn also jemand Frauen wirklich schützen möchte, dann am besten, indem er oder sie ihre Machtposition nutzt, um die entsprechenden Weichen zu stellen. Danke.
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>>Die eine Vorbeigehende…
>>Die eine Vorbeigehende wäre sich nicht sicher, richtig gesehen zu haben. Der andere würde sich fragen, ob die Betroffene grad ihrem Mann eins auswischen will. Eine dritte Person würde sich nach einem bärtigen Beschützer umsehen. Und die Frau selbst?<<
Dieses Zitat zeigt sehr deutlich, was für negatives Bild von der Menschheit die Autorin hat.
Es mag sein, dass es Leute ohne Zivilcourage gibt. Doch auch das wäre ein Aspekt, an dem man arbeiten kann und sollte.
Antwort auf >>Die eine Vorbeigehende… von Oliver Hopfgartner
Die Aussage beschreibt m.E…
Die Aussage beschreibt m.E. ziemlich gut die heutige Einstellung, sich nicht einzumischen. Das hat nicht nur mit mangelnder Zivilcourage zu tun.
Antwort auf >>Die eine Vorbeigehende… von Oliver Hopfgartner
Zitat: „Dieses Zitat zeigt…
Zitat: „Dieses Zitat zeigt sehr deutlich, was für negatives Bild von der Menschheit die Autorin hat“:
die Übermittlerin der schlechten Nachricht ist jetzt die schlechte Nachricht?
Ich bitte Sie - das ist doch billig, meine ich.