Politik | Tödlicher Unfall

LKW-Fahrverbot zu Stoßzeiten gefordert

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall in Gries fordert der Grüne Rudi Benedikter ein Fahrverbot für Schwerlaster zu Stoßzeiten und Tempo 30 in der Innenstadt.
Benedikter
Foto: Privat
  • Der Tod einer 46-jährigen Radfahrerin in der Bozner Vittorio-Veneto-Straße, die gestern von einem LKW erfasst worden war, sorgt für politische RFeaktgionen in der Landeshauptstadt. Der Grüne Gemeinderat Rudi Benedikter fordert in einem offenen Brief an Stadträtin Johanna Ramoser Sofortmaßnahmen. Konkret plädiert Benedikter für ein Schwerlaster-Fahrverbot zu den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten von 7:30 bis 9 Uhr und von 17:30 bis 19 Uhr auf der Achse Vittorio-Veneto-Straße über den Grieser Platz bis zur Freiheitsstraße.

  • Bisherige tödliche Verkehrsunfälle in Bozen

    In der Landeshauptstadt ereigneten sich in der Vergangenheit mehrere tödliche Unfälle mit Radfahrern. Im Juni 2025 starb ein 87-jähriger Rentner nach einem Zusammenstoß mit einem Streifenwagen der Carabinieri in der Drususallee. Im November 2022 wurde die 34-jährige Lehrerin Margherita Giordano auf dem Mazziniplatz getötet, als sie von einem Betonmischer erfasst wurde, der auf die Freiheitsstraße abbog. 2018 wurde eine 40-jährige Frau auf dem Siegesplatz von einem Lkw erfasst und getötet, und ein 85Jähriger  erlag seinen Verletzungen nach einem Zusammenstoß mit einem Motorrad auf der Albert-Einstein-Straße.

  • „Wenn man nicht endlich die Forderungen der Anrainer und von politischer Seite nach inzwischen 15 Jahren umsetzt, dann werden sich diese tragischen Unfälle wiederholen“, betont Benedikter. Die von Stadträtin Ramoser angesprochenen geplanten Tunnels zur Verkehrsentlastung im Grieser Stadtviertel – Hörtenbergtunnel und Guntschnatunnel – sind laut Benedikter keine zeitnahen Lösungsansätze.„Das ist Zukunftsmusik. Insbesondere der Hörtenbergtunnel ist wie eine Fata Morgana. Vor wenigen Wochen hat man wieder davon gehört, dass es Schwierigkeiten bei dessen Planung gibt“, so Benedikter.

  • Unfallstelle in Bozen: Eine Fahrradfahrerin wurde von einem LKW erfasst und getötet. Foto: Privat
  • Da die Vittorio-Veneto-Straße offiziell als „Anliegerstraße“ eingestuft ist, habe die Stadtregierung laut Benedikter entsprechend der italienischen Straßenverkehrsordnung die Kompetenz, das von ihm vorgeschlagene Fahrverbot umzusetzen. „Aber das passiert nicht, weil sich die Achse im Stadtteil Gries seit Jahrzehnten faktisch zu einer Ein- und Ausfallstraße entwickelt hat“, so Benedikter.

  • Tempolimit und sicherere Radwege

    „Die einzige wirklich wirksame Maßnahme für einen sicheren Straßenverkehr in Bozen ist, die gesamte innerstädtische Geschwindigkeit auf Tempo 30 festzulegen“, so Benedikter. Das sei die Grundvoraussetzung dafür, dass sich Radfahrer und Autofahrer sicherer und langsamer im selben Verkehrsraum bewegen könnten. So funktioniere das in vielen europäischen Städten wie Graz, Augsburg, Freiburg oder Amsterdam.

    Auch das Radwegenetz in Bozen ist, laut Aussagen Benedikters, aufgrund dessen Lückenhaftigkeit verbesserungswürdig. „Gerade an der gestrigen Unfallstelle gibt es praktisch eine Unterbrechung des Radwegs. Die Schwachstellen – vor allem zwischen Bahnhof und Waltherplatz – müssen geschlossen werden“, so Benedikter. Die Fahrradwege in Bozen hätten zudem eine teilweise zu komplizierte Streckenführung, sodass Radfahrer auf die Straße ausweichen müssten. „Radwege müssen so sicher und durchgängig wie möglich gestaltet werden. Hier muss so schnell wie möglich Hand angelegt werden“, fordert der Grüne Gemeinderat. 

  • Bozens „Autopartei“

    Auch während der Legislaturperiode von 2016 bis 2020 – in der die Grünen Teil der Bozner Stadtregierung waren – gab es keine Maßnahmen für einen sichereren Verkehr. „Da haben wir uns leider nicht durchgesetzt, gegenüber der Autopartei, die sich quer durch alle städtischen politischen Formationen zieht. Das betrifft genauso wie die Mitte-Links-Koalition unter Caramaschi auch die jetzige Mitte-Rechts-Koalition“, so Benedikter. Seine persönlichen Initiativen seien aus ebenjenem Grund seit 2015 konstant gescheitert. „Mit Verweis auf die geplanten Unterführungen oder darauf, dass der gesamte Verkehr nicht auf die Drususallee umleitbar sei, wurden meine Vorschläge abgewiesen“, erklärt Benedikter. Das Mindset der „Autopartei“ habe die Umsetzung seiner Vorschläge bisher verhindert.