„Protest löst nicht das Problem“

Exklusiv-Interview
Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider zeigt Verständnis für die Brennerblockade und kündigt eine digitale Testphase für die Verkehrsberuhigung am Grödner Joch an.

SALTO: Herr Alfreider, wie stehen Sie zur Verkehrsblockade am Brenner diesen Samstag, den 30. Mai, mit Tirols Landeshauptmann Anton Mattle?

Daniel Alfreider: Ich habe absolutes Verständnis. Vor 20 Jahren war ich als junger Bauingenieur im Wipptal unterwegs und wir haben Prognosen zum Verkehr auf der Autobahn erstellt, die mittlerweile übertroffen wurden. Damals meinten Leute wie die Grünen oder die Grillini, dass wir mit dem Brennerbasistunnel (BBT) eine Kathedrale in der Wüste bauen. Dabei löst ein Protest alleine wie die angekündigte Blockade am Samstag aber nicht das Problem.

 

„Beim Straßen- und beim Zugbauen sind wir nicht schlecht und ich glaube, das ist es, wo ich hingehöre.“

 

Von Tiroler Seite und der Opposition ist zu erfahren, dass die Südtiroler Seite hier die Bevölkerung mit der Verkehrsbelastung alleine lässt…

Wir als Südtiroler Volkspartei (SVP) haben hier leider nur begrenzt Handlungsspielraum und können zum Beispiel nicht im Alleingang die Autobahnmaut anheben. Dank der Eurovignetten-Richtlinie der EU hätten die Staaten theoretisch die Möglichkeit, eine Umweltmaut einzuführen und das fordern wir auch in Rom. Denn wir wollen, dass die Maut in diesem Abschnitt erhöht wird. 

Die Sommersaison im Tourismus hat begonnen, wie realistisch ist die Probesperrung für den Verkehr auf dem Grödner Joch der Gemeinde Wolkenstein im Herbst?

Die eingesetzte Arbeitsgruppe wird im Herbst einen digitalen Testlauf mit den aktuellen Verkehrsdaten durchführen, ohne tatsächlich die Straße zu sperren. Denn wie auch die Verkehrsberuhigung in Prags gezeigt hat, müssen vor einer Straßensperre wichtige Fragen geklärt werden, schon alleine wegen einer möglichen Staubildung im Tal und dem zu erwartenden Ausweichverkehr in den Nachbargemeinden. Auch die Ausnahmeregelung für Pendler und Angehörige der ansässigen Bevölkerung muss geklärt werden. 

 

„Heute sind 80 Prozent des Verkehrs auf der Brennerachse Individualverkehr – im Vergleich dazu kann ein Zug 600 Leute mitnehmen.“

 

Nur wenn die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Gemeinde und Bevölkerung überzeugen, kann nächstes Jahr eine Testphase auf der Straße durchgeführt werden. Es reicht keine tolle Idee, man muss die Menschen mitnehmen – das ist mir wichtig, zu betonen.

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Kommentare

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Salto User
Josef Fulterer Do., 28.05.2026 - 06:27

Der ALFREIDER + seine Eisenbahn-Lösung mit 2 Rohren jeweils 1 Geleise, ist total neben den Schuhen. Soll der gesamte Brenner-Verkehr der Eisbahn mit den Personen + Waren, mit müden 80 km/h die Röhre zuckeln oder müssen so wie bisher die Waren warten, bis später in den Nachtstunden -v i e l l e i c h t- ein Geleise frei wird ...???

Do., 28.05.2026 - 06:27 Permalink
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Profil für Benutzer △rtim post
△rtim post Do., 28.05.2026 - 09:21

Probleme optimalen Lösungen zuzuführen wäre ja aber die Aufgabe der Politik.
Stattdessen liest/hört man ständig, dass das Wahlvolk das Problem sei
Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?

Do., 28.05.2026 - 09:21 Permalink
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Profil für Benutzer Herta Abram
Herta Abram Do., 28.05.2026 - 09:32

Der Wunsch nach mehr Wahrheit und Transparenz von Politikern bezüglich ihrer Kontakte und Abhängigkeiten, kommt mir nach diesem Interview in den Sinn.
Lobbyismus braucht klare Regeln, um das Vertrauen in die Demokratie zu sichern. (Wunschdenken)
Svp kann so lange Macht zum Selbstzweck betreiben, solange die SüdtirolerInnen ihre
Leidensfähigkeit nicht transformieren wollen.- Also den Übergang von passivem Erleiden zur aktiven GestalterIn!
Z. B. Brennerblockade:
Druck aus der Bevölkerung sollte zu einer Geschlossenheit in der Politik führen. Diese Politik sollte bei der Problemlösungsfindung die Gesundheit der Bevölkerung zu Ziel und Wert erklären!
...macht sie halt nicht (raten wieso?)
...was sie stattdessen macht ist, Oberlehrerhaft von oben herab, mutige Gruppen, als„unwissendund ungehorsam“ hinstellen.

(übrigens solche Politik widerspiegelt die enge Verbindung von Patriarchat und Kapitalismus).

Do., 28.05.2026 - 09:32 Permalink
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WerPram Do., 28.05.2026 - 15:01

Tirol fordert in Wien: Nachtfahrverbot, Abfahrverbot, Ausbau der RoLa, Flüsterasphalt und Lärmdämmung im Inn- und Wipptal (ASFINAG); hoffentlich gelingt auch die Vervollständigung des viergleisigen Ausbaus im Unterinntal Richtung Bayern.
Südtirol tritt in Rom (Metapher für Regierung, RFI, A22-Konzession, etc.) als Bittsteller auf. Und muss sich an die staatlichen Regeln und das enge Kompetenzenkorsett halten.
Mit Verlaub: Weder Grüne noch Grillini haben den BBT verzögert, das tun schon die Erbauer selber, die daüber streiten, welche Leitzentrale (Ibk oder VR) den BBT und den Zulauf eisenbahntechnisch führen soll.
Bozen, die größte Stadt des Landes, wartet seit Jahrzehnten sowohl auf die Güterzugumfahrung als auch die Nutzung des Bahnhofareals. Auch das wird RFI übernehmen: Bekanntlich läuft dann alles wie am Schnürchen. Ironie off.
Der Staat Italien - *nicht* die Italiener:innen und schon gar nicht die in Südtirol wohnhaften!!! - ist der Klotz am Bein Südtirols.

Do., 28.05.2026 - 15:01 Permalink
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Manfred Klotz Fr., 29.05.2026 - 07:34

Antwort auf von WerPram

Nicht dass Sie glauben ich würde mich persönlich angesprochen fühlen, aber sogar bei diesem Thema (das im Grunde auf der EU-Bühne entschieden wird) haben Sie es geschafft, die Selbstbestimmung als Panazee ins Spiel zu bringen. Dagegen wirkt Cato Maiors „ceterum censeo“ geradezu lächerlich.

Fr., 29.05.2026 - 07:34 Permalink
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Manfred Klotz Sa., 30.05.2026 - 07:02

Antwort auf von Hartmuth Staffler

Nein, die Geschichte hat Cato nicht recht gegeben. Weshalb sollte sie auch? Er war einer der ideologischen Verantwortlichen für die de facto Auslöschung der punischen Kultur. Es mag vielleicht zu jener Zeit ein erstrebenswertes strategisches Ziel, bzw. ein strategischer Erfolg gewesen sein. Heute sieht es die Geschichte anders, nämlich nicht als Akt der Verteidigung bzw. der Prävention, denn von Karthago ging nach der Niederlage im 2. Punischen Krieg keine Gefahr mehr aus.
Es geht nebenbei in diesem Zusammenhang um den omnipräsenten Einwurf Catos - heute würde man Whataboutismus„ sagen - ceterum censeo, Carthaginem esse delendam. Mit “aber wer interessiert sich schon für Geschichte" wenden Sie sich an den Falschen.

Sa., 30.05.2026 - 07:02 Permalink
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WerPram Do., 28.05.2026 - 17:12

Oh, bei „uns“ würde man schon auch problematische Aspekte finden. Wenn wir uns selbst regieren dürften (und müssten!), wäre das mit enormer Verantwortungsübernahme verbunden: für das „Wahlvolk“ wie für die politische Elite.
Es täte „uns“ jedenfalls sehr gut.

Do., 28.05.2026 - 17:12 Permalink
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Salto User
Louis de Funès Do., 28.05.2026 - 20:51

Ich empfehle einen Besuch in Nowegen, dort werden Fjorde untertunnelt. Das bißchen Grundwasser dürfe da wohl kein allzugroßes Problem sein.
Tunnels unter Häusern gibt es in jeder größeren Stadt beim U-Bahn Bau.

Do., 28.05.2026 - 20:51 Permalink
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Salto User
Josef Fulterer Do., 28.05.2026 - 21:02

... selbst regieren dürfen ...???, ... dann müsste man das auch können!
„Das Jahrhundert-Werk BRENNER-BASIS-TUNNEL + das was der Betonierer-Alfreider so abliefert, lassen erhebliche Zweifel aufkommen ...!“

Do., 28.05.2026 - 21:02 Permalink
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Profil für Benutzer Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler Do., 28.05.2026 - 22:02

Proteste lösen niemals ein Problem, aber sie machen auf ein Problem aufmerksam und sie setzen Politiker unter Druck, zur Lösung des Problems etwas zu tun. Das ist ihr Zweck.

Do., 28.05.2026 - 22:02 Permalink
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Profil für Benutzer Manfred Klotz
Manfred Klotz Sa., 30.05.2026 - 07:32

Antwort auf von Sigmund Kripp

Lieber Sigmund, das würde ich jetzt so pauschal nicht behaupten. Proteste, die für einen Teil der Menschen negative Auswirkungen haben, ziehen eher Misserfolg nach sich und zwar indem diese Menschen Antipathie für die Protestierenden - deren Beweggründe durchaus berechtigt sein können - entwickeln (z.B. Klimakleber, solche, die Kunstwerke mit Tomatensuppe bewerfen, die FFF-Bewegung). Also eben ein Eigentor und genau das Gegenteil von dem was sich Demonstranten eigentlich erwarten. Ich denke, die Warnung in Richtung der Organisatoren der Brenner-Blockade geht genau in diese Richtung. Die Stellungnahme des Transitforums Austria geht sogar noch einen Schritt weiter und wirft der Tiroler Politik sogar ein abgekartetes Spiel mit eigentlich anderen Zielen vor. Das wäre dann ein weiteres Eigentor für die Organisatoren. Wenn du 2:0 in Rückstand bist, ist es nicht mehr so leicht das Spiel zu gewinnen.
Proteste können dann Erfolg haben, wenn sie nicht nur hie und da stattfinden, sondern sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. So wie beispielsweise die Montagsdemonstrationen damals in der DDR, die zum Mauerfall und schließlich zur Wiedervereinigung beigetragen haben.

Sa., 30.05.2026 - 07:32 Permalink
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Profil für Benutzer Sigmund Kripp
Sigmund Kripp Sa., 30.05.2026 - 22:04

Antwort auf von Manfred Klotz

Lieber Manfred,
Das heute war eine großartige Aktion! Eben nicht gegen gewisse Gruppen ausgerichtet, keine Schäden, keine Aggression, keine laute Störerei! Eine komplett friedliche Großdemonstration, wo die Vertreter des Volkes mit dabei waren, von den Bürgermeistern und Gemeinderäten des nördlichen Wipptales, über den dortigen Landeshauptmann (!!) bis zu den hunderten SüdtirolerInnen mit gar einigen der dortigen Landtagsabgeordneten.
Besser kann eine Willenskungebung nicht ablaufen!
Und Kompatscher hat sich mit dem Lächerlichmachen dieser Aktion und mit seiner Abwesenheit das größte Eigentor selbst geschossen! Ich denke, er hat der SVP bei der nächsten LT-Wahl 1 - 2 Mandate gestohlen!
Und keine Katastrophe ist passiert, kein Chaos ausgebrochen! Ich habe selbst die Polizei gefragt: „ Wie schauts denn auf der A12 aus?“ und sie haben geantwortet: „Nichts, überall normaler Verkehr!“
Wie Bgm. Mühlsteiger angedeutet hat, wird er auch bereit sein, diese Art von Protest weiter zu betreiben, wenn die „hohe Politk“ nicht reagiert.
Und auch ich werde gerne wieder nach Matrei fahren, um das zu begleiten.
So wie 5.000 andere von heute auch!

Sa., 30.05.2026 - 22:04 Permalink
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Profil für Benutzer Manfred Klotz
Manfred Klotz So., 31.05.2026 - 07:18

Antwort auf von Sigmund Kripp

Dass die apokalyptischen Töne an einem Samstag, ohne Ferienbeginn in Deutschland, übertrieben sein würden, war wohl jedem klar, dessen Welt nicht bei der eigenen Nasenspitze aufhört. Es wäre sicherlich zu Aggressionen gekommen, wenn man die Aktion nicht von langer Hand angekündigt hätte und sich die Menschen, die die Fahrt unbedingt auf sich nehmen mussten, anderweitig organisieren konnten. Auf einer Seite ein weiser Zug der Organisatoren, auf der anderen Seite eben kaum Schadenspotential und daher geringe reale Auswirkungen. Durch Schaden wird man klug... diese Redensart gilt besonders für Protestkundgebungen.
Politiker machen sicher viele Fehler und geben dem Druck von Interessensgemeinschaften häufig zu leicht nach, aber lächerlich gemacht hat Kompatscher die Aktion nicht, so ehrlich muss man sein.
Und um den Gedanken zu den Hintergedanken des Transitforums Austria, das der Kundgebung fern blieb (!) weiterzuspinnen: Kandidiert Mühlsteier bei den Tiroler Landtagswahlen?

So., 31.05.2026 - 07:18 Permalink
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Profil für Benutzer Josef Ruffa
Josef Ruffa Fr., 29.05.2026 - 11:21

Spätesten wenn die Konzession der A22 Dritte bekommen werden, … wird die SVP den Verkehr offiziell bekriegen.

Fr., 29.05.2026 - 11:21 Permalink