Landeshauptmann gegen Landeshauptmann

Transitverkehr
Der Protest am Brenner sorgt im Vorfeld für politische Spannungen: Bei der neuen länderübergreifenden Studie zur variablen Maut fehlt der strategische Partner Tirol.

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Bereits vor der Vollsperrung am Brenner diesen Samstag, den 30. Mai, wird der Tonfall zwischen den Nachbarregionen schärfer. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) will sich aus Solidarität der Demonstration gegen das hohe Verkehrsaufkommen auf der Brennerautobahn bei Matrei anschließen. Sein Südtiroler Amtskollege Arno Kompatscher (SVP) warnt hingegen gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa vor einem „gewaltigen Eigentor“ der Protestierenden, auch wenn er ihre Gründe verstehen könne.

Bei der gestern überraschend angekündigten Machbarkeitsstudie für variable Mautgebühren von Bayern, Südtirol und dem Trentino fehlt außerdem das Land Tirol als strategischer Partner. Die bis Ende des Jahres abgeschlossene Studie soll prüfen, ob eine erhöhte Mautgebühr für Lkw zu Spitzenstunden oder an stark frequentierten Tagen technisch, rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar ist. 

Die Arbeitsgruppe: Sie will bis Ende des Jahres Ergebnisse liefern. Foto: LPA / Ressort Infrastrukturen und Mobilität

Für Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider (SVP) sei das ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung entlang der Brennerachse. „Gerade beim sensiblen Thema des alpenquerenden Güterverkehrs können nur abgestimmte grenzüberschreitende Maßnahmen wirksam sein“, so Alfreider. Gegenüber SALTO erklärte er außerdem, dass man sich in Rom für eine höhere Maut entlang der Brennerroute einsetze. 

Im römischen Parlament erklärte der Südtiroler Kammerabgeordnete Alessandro Urzì (Fratelli d`Italia) kürzlich, dass er die Blockade verurteile und als Angriff auf den freien Warenverkehr und die italienischen Interessen verstehe.

„Für Lösungsvorschläge offen“

„Tirol ist für Lösungsvorschläge offen, die helfen, die Belastungen zu reduzieren“, erklärte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle gestern gegenüber der Tiroler Tageszeitung und lehnt den Vorschlag zur flexiblen Maut ab. 25 bis 30 Prozent des Transits durch Tirol entstehe durch Umwegverkehr, da Lkw wegen der günstigen Mautpreise einen längeren Fahrtweg in Kauf nehmen würden und nicht über die Schweiz fahren. Deshalb sieht Mattle vor allem bei den niedrigen Mautgebühren in Italien und Deutschland Handlungsbedarf, da Österreich bereits erheblich höhere Gebühren verlange. 

Auch im Südtiroler Landtag steigt der Druck auf die SVP beim Thema Transitverkehr. Sowohl Abgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit (STF) als auch jene der Grünen und des Team K haben im Laufe dieser Woche ihre Teilnahme an der Verkehrsblockade angekündigt. 

„Nicht der Protest der Bürger ist das Problem, sondern der immer weiter anwachsende Transitverkehr“, teilen die STF-Abgeordneten Sven Knoll und Hannes Rabensteiner mit. „Wer seit Jahrzehnten Lärm, Feinstaub und Stickstoffdioxid einatmet und in seiner Lebensqualität beeinträchtigt wird, hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn die Demonstration in die Urlaubsreisewelle fällt“, erklärt Team K-Abgeordneter Franz Ploner

Kommentare

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Salto User
Josef Fulterer Do., 28.05.2026 - 21:41

Ist die Voll-Autonomie „doch nicht so voll,“ wenn man bei der lächerlichen Autobahn-Gebühr von 15 Cent, sogar „die Schäden an der Fahrbahn-Decke + der Trag-Struktur nicht einfordern darf ...?“
Dazu kommt noch die Beeinträchtigung der Gesundheit, die Lärm-Belastung + die chronische Verstopfung der Verkehrs-Wege, die allen Südtirolern schadet!

Do., 28.05.2026 - 21:41 Permalink
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Hartmuth Staffler Do., 28.05.2026 - 21:56

Das Bundesland Tirol hat einen Landeshauptmann, der auf der Seite seiner Bürger steht. Südtirol hat einen Landeshauptmann, der auf der Seite der Lobbys steht.

Do., 28.05.2026 - 21:56 Permalink
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Manfred Klotz Fr., 29.05.2026 - 07:24

Antwort auf von Hartmuth Staffler

Das stimmt wohl nicht. Er kann die Beweggründe der Bevölkerung nachvollziehen, hält diese Form des Protests aber für ein gewaltiges Eigentor (O-Ton) und ich denke er wird mit dieser Einschätzung recht behalten. Übrigens erklärt das Transitforum Austria es handle sich bei dieser „Verkehrsblockade“ am 30. Mai 2026 um eine politische Ablenkungs-Versammlung mit Hinblick auf die Tiroler Landtagswahlen 2027. Und weiter : Seit die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck die „Verkehrsblockade des gesamten nördlichen Wipptals“ nicht untersagt hat, versucht eine Minderheit, uns in diese absurde Angelegenheit hineinzuziehen, weil ich klar und unmissverständlich gesagt habe, „das geht uns nichts an“.
Wer hat wohl einen besseren Durchblick als Fritz Gurgiser?

Fr., 29.05.2026 - 07:24 Permalink
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Manfred Klotz Sa., 30.05.2026 - 07:14

Antwort auf von WerPram

Darf ich Sie bitten den Kommentar im Zusammenhang besser zu lesen? Die Schlussfolgerung aus der Behauptung, Mattle würde auf der Seite seiner Bürger stehen und Kompatscher auf der Seite der Lobbys, ist, dass Kompatscher nicht auf der Seite seiner Bürger steht. Seiner Aussage ist aber zu entnehmen, dass das wohl nicht so ist. Aus der Stellungnahme des Transitforums ist nebenbei zu entnehmen, dass es für die Tiroler Politik wohl nicht wirklich um die Bürger geht. Welche weiteren Fakten benötigen Sie denn?
Besten Dank.

Sa., 30.05.2026 - 07:14 Permalink
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Milo Tschurtsch Fr., 29.05.2026 - 12:46

Antwort auf von Josef Ruffa

Wieso schweigt sich Herr Knoll aus ? Er nimmt Stellung und beteiligt sich doch an der Demonstration :

https://suedtiroler-freiheit.com/2026/05/28/bevoelkerung-schuetzen-stat…

Für den Landeshauptmann sind die Bürger mit ihren Sorgen das Problem und nicht der ausufernde Transit. Er ist wohl der Meinung dass die Menschen ohne Murren wie selbstverständlich ihre Lebensqualität zunehmend einzubüßen haben, andere ihre Landschaft und Heimat selbstverständlich benutzen dürfen, dass der Transit ungestört rollen und sich noch ständig ausweiten kann.
Die Blockade ist ein legitimer Protest um die Verantwortlichen aufzurütteln. Was können sie denn anderes tun, nachdem reden und nochmals reden das Gegenteil bewirkt hat und der Verkehr zu- und nicht abgenommen hat. Da wird halt einmal zu einer radikaleren Methode gegriffen.
Aber Landeshauptmann Kompatscher lebt inzwischen im Elfenbeinturm sodass er die profanen Nöte der Menschen nicht mehr nachvollziehen kann. Und dem nicht genug, rennt er noch nach Rom zu Salvini um gegen die eigenen Leute, die aus legitimen Gründen protestieren, zu agitieren.

Fr., 29.05.2026 - 12:46 Permalink
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Manfred Klotz Sa., 30.05.2026 - 07:37

Antwort auf von Milo Tschurtsch

Na ja, der gute Knoll hat zunächst einmal abgewartet, wie sich die Angelegenheit entwickelt und ist erst am Ende auf den Karren aufgesprungen (am 28. Mai), wahrscheinlich als er gemerkt hat, dass weite Teile der Bevölkerung sich mit dem Protest solidarisieren. Warum wohl?
Das was Sie zitieren ist natürlich nur seine Behauptung mit der er die Wirklichkeit wieder vollkommen verzerrt. So etwa „Gratis-Wohnungen 2.0“.

Sa., 30.05.2026 - 07:37 Permalink
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Milo Tschurtsch Sa., 30.05.2026 - 09:52

Antwort auf von Manfred Klotz

Stimmt, es ist die Aufgabe der Politiker, die Anliegen derer die sie gewählt haben umzusetzen, wobei wenn man sieht dass der Verkehr ständig zu-und nicht abnimmt, es wohl höchst an der Zeit wäre, da tätig zu werden.
Mattle geht als Privatmann hin um nicht den Eindruck zu erwecken die Anliegen der Bevölkerung wären ihm egal. Kompatscher geht gar nicht hin, was den Eindruck erweckt die Anliegen der Bevölkerung sind ihm egal.
Aber vielleicht widmet er sich stattdessen in dieser Zeit seiner Aufgabe da Lösungen zu finden.

Sa., 30.05.2026 - 09:52 Permalink
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Josef Fulterer Fr., 29.05.2026 - 22:02

Statt sich um die Reduzierung der Gesundheits-Beeinträchtigungen für die Bevölkerung zu bemühen, „gackern die politischen Größen mit SINN-losem babilonischem Geplapper ...!“

Fr., 29.05.2026 - 22:02 Permalink
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nobody Fr., 29.05.2026 - 23:06

Ich kann kein Eigentor erkennen. Das Thema ist voll in die Medien geknallt. Mehr Wirkung kann man sich gar nicht erhoffen. Regierungen und EU sollten sich darauf besinnen, dass sie zum Wohl der Bevölkerung zu arbeiten haben. Die Untertanen lassen sich nicht mehr alles gefallen. Die CD ist weg, SPD so gut wie und FDP auch weg. So schnell kann das gehen, wenn man vergisst, dass in einer Demokratie die Bevölkerung wählt.

Fr., 29.05.2026 - 23:06 Permalink
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Profil für Benutzer H. Predazzer
H. Predazzer Mo., 01.06.2026 - 15:45

Hat jemand mitgezählt? Wie viele Studien, Machbarkeits-Überlegungen, Projektvorschläge, tavoli tecnici und dergleichen wurden seit dem Jahr 2000 angekündigt, bzw. durchgeführt?
Eigentlich müsste doch inzwischen ein ganzes Sammelsurium an Instrumenten verfügbar sein, um den (Schwer)Verkehr zu lenken??!! Nein, keiner der angedachten Vorschläge wurde umgesetzt??!!!
Na dann..

Mo., 01.06.2026 - 15:45 Permalink