Gemeinsam verfeindet

Sie haben gut reden
Wirth Anderlan spricht kommenden Mittwoch im EU-Parlament in Straßburg über Europas Schutz. Die einen wissen nicht, was sie schützen, die anderen nicht, was sie zerstören.

Jürgen Wirth Anderlan spricht in Strassburg vor dem EU-Parlament. Hear, hear! Vor einigen Jahren hat er noch schauerromantische Rap-Songs komponiert und mit Vorladern aus dem ersten Weltkrieg geballert. Reden wird der steigende Stern der Rechten über den Schutz Europas. Der Auftritt ist Teil des großen politischen Programms Save Europe Act. Es geht um den Schutz Europas, um den Erhalt der „ethno-kulturellen Identität“, wie es im Text heißt, unseres Kontinents. 

Diese ethno-kulturelle Identität ist ein nebulöser, wenn auch unverwechselbar nach Bratwurst riechender Begriff. Gewiss ist, dass, was immer uns Europäer ausmacht, von der liberalen Tradition der europäischen Linken seit mehr als hundert Jahren inbrünstig angegriffen wird. Die klassischen Antitraditionalisten, wie R. Musil, K. Kraus, später T. Adorno und J. Derrida, schossen ihre scharfen Pfeile gegen das ideologische Bollwerk Europa. Kritisieren, statt selbst etwas vorzuschlagen, ist etwas billig; aber immerhin war deren Kritik so geschliffen, dass man sich gerne von ihnen kratzen ließ. Den heutigen Linksliberalen, deren Groß sich aus Champagnersozialisten à la Elly Schlein sowie aus blasierten Künstlern rekrutiert, fehlt nebst dem Stil ihrer Vorgänger auch der Feind, auf den sie ihre Geschütze zu richten vermögen. Was sind etwa heute unsere europäischen Werte, deren Schutz angegriffen werden könnte? 
 

Die Linken haben weder einen zu kritisierenden, geschweige denn einen eigenen Inhalt. Seltsam genug, doch genau Letzteres haben sie mit den verhassten Rechten gemeinsam. 
 

Wenn im Save Europe Act vom Schutz der Werte und Traditionen Europas die Rede ist, so stelle ich mir die Frage: Von welchen Werten und Traditionen ist überhaupt die Rede? Die antiken Griechen glaubten sowohl an die Sklaverei als auch an die Philosophie. Erstere haben wir abgelehnt, letztere übernommen. Maria Theresia glaubte sowohl an ihr Königtum durch Gottes Gnaden als auch an die Schulpflicht. Erstere Vorstellung lehnen wir als Demokraten ab, letztere ist Gesetz. 

Was genau wir von den europäischen Werten überliefern und somit schützen wollen, setzt eine inhaltliche Auseinandersetzung, vielleicht sogar etwas Bildung voraus. Eben dies fehlt, weshalb wir nicht wissen, worüber im ganzen politischen Palaver überhaupt die Rede ist. Dennoch kann der Mangel an Inhalten identitätsbildend sein. Indem sich unsere Localmatadores Freiwild bedroht, verflucht und verdammt gerieren, täuschen sie eine schauerliche Wahrheit vor, die sie vermeintlich schützen. Das Täuschungsmanöver ist nicht nur ein lyrisches Beleidigtsein der Künstler, sondern auch eine politische Pose der Chefideologen der AfD, z.B. von Alexander Gauland. In seinen Werken und Reden macht er viele Worte über die konservative Haltung, doch verrät er nicht, was es zu konservieren gilt.  Dabei wird von der linken Gegenseite der Rechten so vehement das Wort verboten, dass niemand merkt, dass die grimmigen Herrn nichts zu sagen haben. Die einen können nicht ohne die anderen: Politisch bis aufs Blut verfeindet, ist das arme Europa in seiner Inhaltslosigkeit vereint. 

Kommentare

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Herta Abram Sa., 04.07.2026 - 15:28

„Heute treffen autoritäre Tendenzen auf eine ganz andere Gesellschaft, als der historische Faschismus.Faschismus modern trifft auf Subjekte, die keinerlei Einschränkung wollen, akzeptieren, tolerieren. Und der neue Autoritarismus setzt genau das fort. Insofern ist er eben nicht die Wiederkehr des alten Faschismus. Es sind neue autoritäre Tendenzen, die gewissermaßen genau umgekehrt funktionieren. Autoritär heißt heute, keinerlei Regulierung zu akzeptieren. Deshalb gilt für die neuen Autoritären jedes Verbot als “Diktatur„.“
Zerstörrerisch unübersehbar in der Klimapolitik....
https://www.falter.at/zeitung/20260630/der-neue-autoritarismus-ist-anti…

Sa., 04.07.2026 - 15:28 Permalink
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Oliver Hopfgartner So., 05.07.2026 - 08:11

Wenn man eine Kultur oder einen Wert verteidigen muss, dann heißt das, dass der Wert nicht mehr gelebt wird. Dann ist es leider oft schon zu spät.

Ein wesentliches Element der europäischen Kultur ist eine christliche Grundprägung, mit mehr oder weniger starken heidnischen Einflüssen. Die Sorge diese christliche Grundprägung zu verlieren speist sich aus den Blicken in die Schulhöfe - insbesondere in Ballungsräumen. Es ist für einen Zeitungsleser in Gelsenkirchen schwer zu glauben, dass der „große Austausch“ eine rechtsextreme Verschwörungstheorie sei, wenn in den Klassen seiner Kinder bereits mehr als 50 % der Mitschüler Moslems sind.

Diese christliche Grundprägung wird auch durch die Ablehnung der Schöpfung angegeriffen, wie sie in „links-woken“ Kreisen verbreitet ist. Sie reden zwar von Anti-Ableismus und setzen sich für barrierefreie Bahnhöfe und für weniger Diskriminierung Behinderter am Arbeitsplatz ein (was löblich ist). Auf der anderen Seite werden täglich Kinder abgetrieben, selbst wenn aufgrund der Pränataldiagnostik nur leichte Einschränkungen zu erwarten wären, was gelebter Ableismus ist. Aber wer Abtreibung moralisch kritisiert, gilt als rechtsextrem...

Ich denke allein die Botschaft: „Wir retten Europa, indem wir uns für den Erhalt der christlichen Grundprägung und gegen Wokeismus stellen.“ erreicht relativ viele Mitbürger, da ist eine nähere Spezifizierung gar nicht mehr notwendig. Es geht schließlich mehr um Zeitgeist und weniger um konkrete Definitionen.

So., 05.07.2026 - 08:11 Permalink
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Manfred Klotz Mo., 06.07.2026 - 07:08

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

Die europäische Kultur stützt sich nicht mehr auf den christlichen Glauben, sondern auf ethische Grundsätze, die auch im christlichen Glauben vorhanden sind, aber auf die griechische Philosophie und das römische Recht zurückgehen. Den wahren Qualitätssprung für die kulturelle Entwicklung Europas haben die Renaissance und besonders das Zeitalter der Aufklärung geliefert. Von da an sind christliche Dogmen sekundär geworden.
Die christliche Ethik und die muslimische haben übrigens viel mehr Berührungspunkte als Differenzen. Auch wenn der „Volksglaube“ das nicht so sieht.
Zum Thema Abtreibung. Auch die „links-woken“ Kreise (die Tatsache, dass du den Begriff quasi als Schimpfwort benutzt sagt einiges aus) wollen keinen Wildwuchs. Als konservativ (nicht rechtsextrem) gilt bei diesem Thema, wer allen seine Einstellung aufzwingen will. Der Unterschied ist frappierend. Konservative Kreise wollen, dass niemand darf, progressive Kreise wollen, dass niemand muss. Es geht um Zwang gegen Freiheit.
Wer mehr Intellekt und „europäische Kultur“ beweist, dürfte klar sein.

Mo., 06.07.2026 - 07:08 Permalink
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Oliver Hopfgartner Mo., 06.07.2026 - 20:29

Antwort auf von Manfred Klotz

„Links-Woke“ wird von mir als beschreibender Begriff verwendet. Du liest da mehr hinein, als in dem Satz eigentlich steht.

Zur Aufklärung: Die Aufklärung ist wie die Kirche ambivalent: Sie hat viel Gutes gebracht, der mit der Aufklärung oft gerechtfertigte Hyperrationalismus führt ironischerweise leider oft dazu, dass Freiheit und Bürgerrechte beschnitten statt geschützt werden.

Es ist auch eine verkürzte Darstellung, dass Konservative für Zwang und Progressive für Freiheit stehen würden. Wenn Progressive beispielsweise fordern, ich müsste Abtreibungen von ungewollt Schwangeren zahlen, dann ist das genau so Zwang wie wenn du einer Frau sagst, sie müsse für eine Abtreibung ins Ausland fahren. Den meisten Konservativen würde es völlig reichen, wenn Abtreibende ihre Abtreibung selbst zahlen müssen und sie die Abtreibenden moralisch verurteilen können. Murray Rothbard vertritt diesbezüglich z.B. genau diese Position: Er sagt Abtreibung müsse aus seiner Sicht legal/straffrei sein, d.h. niemand habe das Recht eine Abtreibung zu verbieten. Gleichzeitig müssten Abtreibende aber akzeptieren, wenn sie von Mitbürgern moralisch verurteilt werden. Konservative Positionen können also sehr wohl liberal sein.

Mo., 06.07.2026 - 20:29 Permalink
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Stefan S Mo., 06.07.2026 - 22:14

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

„Links-Woke“ wird von mir als beschreibender Begriff verwendet. Du liest da mehr hinein, als in dem Satz eigentlich steht"
Klassische „blaue“ Masche
Bitte um ein paar Bsp. für „Hyperrationalismus“ im Zusammenhang mit der Aufklärung und dies bitte im Bezug auf die Einschränkung von Freiheit und Menschenrechte.
Da bin jetzt wirklich gespannt...
„wenn sie von Mitbürgern moralisch verurteilt werden. Konservative Positionen können also sehr wohl liberal sein.“
Moralisch in eine Ecke stellen Konservativen gerne, insbesondere die konservativen Patriarchen. Das soll liberal sein?

Mo., 06.07.2026 - 22:14 Permalink
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Oliver Hopfgartner Di., 07.07.2026 - 10:44

Antwort auf von Manfred Klotz

Stefan und Manfred, das ist ein großer Themenbereich. Im Endeffekt geht es darum, dass die Aufklärung neben ihren guten Aspekten (über die wir uns wahrscheinlich einig sind) auch ihre Schattenseiten hat, die vor allem auf die Überhöhung des Menschen bzw. des menschlichen Intellekts zurückzuführen sind.
Es begann schon mit den frühsozialistischen Utopien, die wesentlich von Elitendenken und Paternalismus geprägt waren. Der Mensch wird zum umformbaren, umerziehbaren Objekt. Dies führt zu technokratischen Tendenzen, die die Freiheit des Bürgers nicht stärken, sondern einschränken können. Bedenken wir, dass Bewegungen wie der Sozialdarwinismus und der Rassismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als progressiv und wissenschaftlich fundiert galt. Experimente wie das Tuskegee-Experiment sind aus christlicher Sicht stärker abzulehnen als aus hyperrationaler Sicht.

Ich betone erneut, dass ich von einer Übersteigerung gewisser aufklärerischer Ideen spreche, nicht von der Aufklärung generell. Sowohl der Glauben als auch die Aufklärung haben positive und negative Facetten.

Zusammengefasst sehe ich es problematisch, wenn aufklärerische Konzepte wie die Vernunft zu Kontrollinstrumenten werden, die nicht der Entfaltung sondern der Einschränkung der menschlichen Freiheit dienen. Kants kategorischer Imperativ kann z.B. als Rechtfertigung missbraucht werden, um einer Gesellschaft gewisse Veränderungen aufzuzwingen. Kants Kategorischer Imperativ wird zum Türöffner für Totalitarismus, sobald die Herrschenden für sich beanspruchen, als einzige die „wahre Vernunft“ zu besitzen. Indem sie ihre partikularen Interessen als universales, für alle Menschen gültiges Gesetz maskieren, können sie im Namen einer vermeintlich objektiven Pflicht jede individuelle Freiheit technokratisch beschränken und absolute Unterwerfung einfordern. Daher ist es auch kein Zufall, dass Eichmann sich in seinem Gerichtsverfahren auf Kant berufen hat. Die Aufklärung ist nicht der heilige Gral, sondern ein Korrektiv. Daher bin ich wie oben beschrieben davon überzeugt, dass beides zur europäischen, westlichen Identität gehört - aber mit Maß und Ziel. Genau dieser Spagat macht für mich die westliche Kultur aus.

Di., 07.07.2026 - 10:44 Permalink
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Manfred Klotz Mi., 08.07.2026 - 11:24

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

Aufklärung ist doch keine Anleitung zur Abtreibung. Eigentlich eher das Gegenteil.
Übrigens, Eichmann hat den kategorischen Imperativ offenbar nicht verstanden oder nicht verstehen wollen, weil ihm wohl schien sich auf die Befehlskette zu berufen, sei eine Verteidigungsstrategie. Hannah Arendt hat ihm das auch gut erklärt.

Mi., 08.07.2026 - 11:24 Permalink
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Manfred Gasser Di., 07.07.2026 - 09:05

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

„Den meisten Konservativen würde es völlig reichen, wenn Abtreibende ihre Abtreibung selbst zahlen müssen und sie die Abtreibenden moralisch verurteilen können“
Oh, ist jetzt das moralisch verurteilen auch schon verboten? Hört sich aber nicht so an, wenn man an bestimmten Tagen morgens am KH Bozen vorbeigeht.
Und noch was, woher können die Mitbürger denn wissen, dass eine Frau abgetrieben hat, um diese dann moralisch zu verurteilen? Oder meinst du das ganz allgemein?

Di., 07.07.2026 - 09:05 Permalink
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Manfred Klotz Do., 09.07.2026 - 07:01

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

Das stimmt nicht ganz. Zur Veruteilung ist es gekommen, weil er seine Aktion in der sogenannten „Safe zone“ die um solche Kliniken besteht durchgezogen hat. Diese Bannzonen wurden in manchen Ländern eingeführt, um die Privacy von Patienten und Mitarbeitern zu schützen, indem man verhindert, dass sie Anfeindungen und Bedrohungen oder - wie in diesem Fall - moralischer Ächtung durch Abtreibungsgegner ausgesetzt sind.
Denn die Ausrede des Verurteilten (der berufung eingelegt hat), er habe für seinen vor 22 Jahren durch Abtreibung verstorbenen Sohn gebetet, nehmen ihm nicht einmal seine Unterstützer ab.
Hätte er die Aktion außerhalb der Bannzone durchgezogen, wäre gar nichts passiert. Die Richter haben ihm offenbar Vorsatz vorgeworfen.

Do., 09.07.2026 - 07:01 Permalink
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Oliver Hopfgartner Fr., 10.07.2026 - 21:10

Antwort auf von Manfred Klotz

Mir sind diese Einwände bekannt und ich finde diese Einwände alarmierend. Es handelt sich hier um einen Präzedenzfall, da ein sogenanntes Gedankenverbrechen geahndet wurde. Wenn jemand „still betet“, ist es völlig egal ob er für das Spaghettimonster oder gegen Abtreibung betet. Ein Mensch hat das Recht irgendwo zu stehen und zu beten und allein schon die Idee „Verbotszonen“ zu errichten, ist aus meiner Sicht mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht vereinbar.

Fr., 10.07.2026 - 21:10 Permalink
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Oliver Hopfgartner So., 12.07.2026 - 14:59

Antwort auf von Hartmuth Staffler

Demonstrieren impliziert, dass man eine Botschaft aktiv kommuniziert, beispielsweise durch Skandieren von Sprüchen oder durch Plakate.

In diesem Fall handelt es sich um ein stilles Gebet, dessen Inhalt nur durch aktive Nachfrage an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Dass dieser Mann unter diesen Umständen verurteilt wurde ist ein Skandal, da gibt es rein gar nichts schön zu reden. Meinungsfreiheit ist DIE Grundlage für eine Demokratie.

So., 12.07.2026 - 14:59 Permalink
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Hartmuth Staffler So., 12.07.2026 - 17:38

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

Respekt vor Gesetzen und Vorschriften sollte auch zu einer Demokratie gehören. Der Mann war ganz offensichtlich auf Provokation aus und hat sich nicht an Regeln gehalten. Die sogenannten Klimakleber haben in den meisten Fällen auch keine Sprüche skandiert oder Plakate hochgehalten (sie hatten ja keine Hände frei), aber sie waren dort, wo sie nicht sein durften.

So., 12.07.2026 - 17:38 Permalink
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Oliver Hopfgartner So., 12.07.2026 - 18:43

Antwort auf von Hartmuth Staffler

1. Wenn stilles Beten bereits eine Provokation ist, dann ist das ein Alarmzeichen.
2. Ein Klimakleber hält den ganzen Verkehr auf und hindert dadurch Mitmenschen physisch daran, ihre Aufgaben zu erfüllen. Jemand der still betet, tut das nicht.
3. Würdest du ein Gesetz befolgen, wenn du von dessen „Falschheit“ oder „moralischen Verkommenheit“ überzeugt bist?

So., 12.07.2026 - 18:43 Permalink
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Milo Tschurtsch So., 05.07.2026 - 19:45

Was es zu verteidigen gilt ist eindeutig die freie-westliche Lebensart bzw. Gesellschaftsform, sozusagen das christliche Abendland.
Denn wenn es auch den wenigsten bewusst und heute selbstverständlich ist, mit der Durchsetzung des Christentums begann etwas völlig Neues, bisher nicht Bekanntes, nämlich der Aufstieg des freien Individuums herausgelöst aus einem bis dahin bestimmenden und prägenden Kollektiv, Stamm, Religionsgemeinschaft wie auch immer, der sich der Einzelne unterzuordnen und deren kollektivem Fortbestand er als Teil des Ganzen seine Daseinsberechtigung verdankte.
Diese Menschen-und Gesellschaftsbild wurde durch das Christentum gänzlich aufgebrochen und im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt.
Beginnend bei den Evangelien die schon von der völlig anderen Menschensicht Jesu bestimmten Individuen gegenüber berichten (Prostituierte, Zöllner, Römer, Aussätzige....) bis zum Spruch: „Der Mensch ist nicht für das Gesetz da, sondern das Gesetz für den Menschen da “, bis hin zu den christlichen Denkern des Mittelalters Augustinus, Thomas von Aquin, Martin Luther die den Gedanken des Individuums ständig weiter entwickelten , waren die Grundsteine gelegt für Humanismus, Menschenrechte, Menschenwürde und vor allem auch freie Wissenschaft und letztendlich freie Wirtschaft, freie Forschung .......
Dies alles nun festgelegt in der Charta der Menschenrechte , die die Singularität und die Rechte des Einzelnen betont und in die modernen Verfassungen Eingang gefunden hat und auch ohne Christentum als Religion weiterexistieren.
Diese individuelle Freiheit als Kennzeichen der westlichen Welt wird durch Bestrebungen bedroht die diese einschränken und aushöhlen wollen.
Die links-woke Weltanschauung entstanden aus dem Marxismus-Kommunismus will dem Staat bzw. einem Kollektiv zunehmend mehr Macht über das Individuum einräumen, indem freie Marktwirtschaft eingeschränkt, Steuerlast erhöht, sozialistische Umverteilungspolitik gestärkt, die Entscheidungskompetenz zunehmend an den Staat verlagert, autoritäre Verhaltensweisen zunehmend salonfähig werden usw. Dies einhergehend mit der schleichenden Zersetzung von gewachsenen bewährten Rahmen und Strukturen wie Sprache, sexuelle Identität , Religion....... einhergehend mit einer aggressiven Intoleranz traditionellen und konservativen Wertvorstellungen gegenüber , wo einem noch nie dagewesenen Nihilismus das Wort geredet und gesellschaftlich eingefordert wird.
Die spirituelle Seite, der Sinn für das Geheimnisvolle, des nicht-Zugänglichen , des Mystischen wird lächerlich gemacht und ein unbedingter Materialismus gesellschaftlich angestrebt.
Dazu kommt noch die Unterwanderung unsere westlichen Kultur durch die zunehmende Einwanderung von gänzlich unintegrierbaren Menschen aus eben gegensätzlich kollektiv-patriarchalen Gesellschaften, die gänzlich ungeniert unsere Werte ad absurdum führen indem sie offen z.B. für Scharia anstatt Verfassung plädieren und in Gegengesellschaften danach leben.
Ich glaube dass die individuell -freie westliche Lebensart basierend auf christlichen Werten und bewährten Traditionen etwas Eigenes darstellt das sich bewährt hat, und das zu erhalten sich lohnt, weil diese Lebensart gleichzeitig auf Fortschritt und bewährter Tradition aufbaut.

So., 05.07.2026 - 19:45 Permalink
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Manfred Klotz Mo., 06.07.2026 - 10:23

Antwort auf von Milo Tschurtsch

Nein das Christentum als organisierte GLaubensgemeinschaft hat nur neue Dogmen gebracht und den Menschen zusätzlich zum politisch-rechtlichen auch noch dem religiösen Joch unterworfen. Einer der ersten, der das bewusst artikulierte war Jean-Jacques Rousseau als er 1762 schrieb: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“. (Vom Gesellschaftsvertrag)

Mo., 06.07.2026 - 10:23 Permalink
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Milo Tschurtsch Mo., 06.07.2026 - 14:43

Antwort auf von Manfred Klotz

Sagte ich ja, dass die formulierten und niedergeschriebenen Verfassungen basierend auf den Menschenrechten nun auch ohne religiösen Bezug existieren.
Die Grundidee vom freien Menschen der seine Selbstentfaltung und Selbstbestimmung außerhalb des Kollektivs in das er hineingeboren wurde (Stamm, Kaste, Volksgemeinschaft, Religionsgemeinschaft) finden darf, diese IDEE gibt es erst mit dem Christentum und gab es vorher nicht.
Diese Idee von der Individualität und FREIHEIT jedes Menschen stammt von den Evangelien (der Mensch ist nicht für das Gesetz da, sondern das Gesetz für den Menschen, was heißt der einzelne Mensch steht ÜBER kollektiven Normen und Konventionen) und wurde wie gesagt von christlichen Philosophen weiterentwickelt (Z.B. Martin Luthers Werk : Von der Freiheit des Christenmenschen) und hat sich als grundlegende Idee trotz politischer und religiöser Widerstände ( Feudalherrschaft, Institution Kirche als Gegner) durchgesetzt und durch die Freiheit in Forschung und Wissenschaft, sowie des freien Handels und schließlich der freien Marktwirtschaft .....................über Humanismus und Aufklärung zunehmend weiterentwickelt und in die Verfassungen und in die Charta der Menschenrechte geschafft und mit den europäischen Auswanderern hat die Idee der Individualität und der Freiheit des Einzelnen unabhängig von Kollektiv sich dort durchgesetzt wo sich Menschen aus dem christlichen Abendland weltweit niedergelassen haben.
Diesen freien Westen gibt es nur dort wo einst christliche Menschen die Idee transportiert haben, die wie gesagt nun auch ohne religiöses Bekenntnis als Ethik weiterexistiert,
Es ist nämlich die IDEE der Freiheit und des Individualismus, der persönlichen Selbstentfaltung die ausgehend von den Evangelien sich hier in Europa über die Jahrhunderte entwickelt hat, die es gegen Widerstände zu verteidigen gilt, weil sie mMn den Bedürfnissen der Menschen entgegenkommt.
Andere Kulturen ohne diese Idee haben eben andere Entwicklungen genommen.

Mo., 06.07.2026 - 14:43 Permalink
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Milo Tschurtsch Di., 07.07.2026 - 13:25

Antwort auf von Manfred Klotz

Es geht nicht um die Gleichheit des Menschen (abgesehen davon dass die „Gleichheit“ in der Polis nicht für alle galt ) , sondern dass das Individuum ÜBER dem Kollektiv steht und nicht diesem zu Diensten zu stehen hat bzw. seine Daseinsberechtigung bloß daraus bezieht dass es dem Kollektiv dient.
Der Einzelne bekommt ein Recht auf seine Selbstverwirklichung dahingehend, dass er diese ggf. auch gegen das Kollektiv dem er angehört durchsetzen kann.
Alle vorchristlichen Gesellschaften sind kollektive Gesellschaften, die Führer hatten, aber dem Individuum nicht gestatteten aus dem Kollektiv auszubrechen.
Wie sehen ganz klar die IDEE des Individualismus beschrieben in den Evangelien und deren Weiterentwicklung in allen christlichen Gesellschaften weltweit mit bekannter Wirkung.

Di., 07.07.2026 - 13:25 Permalink
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Milo Tschurtsch Di., 07.07.2026 - 18:59

Antwort auf von Manfred Gasser

Ja finde ich gut, im Gegensatz zu anderen Kulturen kann im freien Westen jedes Individuum sich selbst verwirklichen.
Dabei muss man aber nicht ständig den anderen mit seiner „selbstverwirklichten“ Art zu leben auf die Nerven gehen indem man sie bei jeder Gelegenheit demonstrativ zur Schau stellt.

Di., 07.07.2026 - 18:59 Permalink
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Manfred Gasser Mi., 08.07.2026 - 11:16

Antwort auf von Milo Tschurtsch

Es soll auch Menschen geben, die lassen sich gerne auf die Nerven gehen, egal ob es nun eine Transe oder ein hängender Ast beim Nachbarn ist.
Und genau diese Menschen haben etwas gegen die anderen, die es schaffen sich selbst zu verwirklichen, wahrscheinlich weil sie daran gescheitert sind.

Mi., 08.07.2026 - 11:16 Permalink
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Peter Gasser Mo., 06.07.2026 - 08:51

Zitat: „... mit der Durchsetzung des Christentums begann etwas völlig Neues, bisher nicht Bekanntes, nämlich der Aufstieg des freien Individuums ...“:

tut mir schon leid, wenn ich das sagen muss - aber das ist historisch gesehen einfach falsch. Grundlegend falsch.

Was soll man da noch weiter lesen...

Mo., 06.07.2026 - 08:51 Permalink
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Hartmuth Staffler Mo., 06.07.2026 - 13:55

Herr Pizzinini wirft dem Wirth Anderlan vor, mit „Vorladern aus dem ersten Weltkrieg“ geballert zu haben. Vorlader gab es im Ersten Weltkrieg nicht. Wen hätte man auch vorladen sollen? Bekannt sind die Hochzeitslader,, vor allemm dank der KKasteruther Bauernhochzeit. Wenn man eine gerichtliche Vorrladung erjält, dann ist der Geereichtsbote wohl auch ein Vorlader. Zum ballern eignet er sich aber nicht.

Mo., 06.07.2026 - 13:55 Permalink
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Josef Fulterer Fr., 10.07.2026 - 06:28

Dass sich das E U - PARLAMENT vom SCHWADRONIERER J W A aufklären lässt, passt so richtig zum Gemüts-Zustand von der LAYEN, dem DORFMANN + ähnlichem Gelichter ...!
„Damit hat vor rund 100 Jahren in den Münchner-Bier-Lokalen ein gewisser HITLER begonnen, die Welt auf seine perversen Ansichten ... ... ...!!!“

Fr., 10.07.2026 - 06:28 Permalink
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Walt Raud Fr., 10.07.2026 - 12:58

„Dabei wird von der linken Gegenseite der Rechten so vehement das Wort verboten“ - Ist diese angebliche „Linke“ die so pösepöse ist und den „armen Rechten“ das Wort „so vehement“ verbietet, auch hier im Raum? Die klingt nämlich frei erfunden und eingebildet. ;)
In der Realität wir den Rechten nämlich überhaupt gar nichts verboten, ganz im Gegenteil, Kritik an den Rechten wird systematisch klein gehalten und unterdrückt.

Fr., 10.07.2026 - 12:58 Permalink