„Lehrerwunderland Südtirol“

Protestschreiben
Vier Lehrkräfte fordern ihre Kolleginnen und Kollegen auf, weiter zu protestieren: Denn an Staatsschulen sei das Gehalt noch immer niedriger als an der Berufsschule.

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In einem Protestschreiben richten sich vier Lehrkräfte aus Bozen, Algund und Sand in Taufers an die Öffentlichkeit: Das Märchen „Lehrerwunderland Südtirol“ gehe weiter und vor allem Lehrkräfte staatlicher Grund-, Mittel- und Oberschulen werden im Vergleich zur Berufsschule finanziell benachteiligt, so die Initiative.

„Während die Lebenshaltungskosten Spitzen-Niveau erreicht haben, krebsen die Gehälter der Lehrkräfte am Lebensminimum herum.“

Besonders bitter treffe es jene Kolleginnen und Kollegen, die nach jahrzehntelangem Dienst aus dem Berufsleben verabschiedet werden. „Die Ausdauer der Südtiroler Bildungspolitik im Aussitzen ist weltmeisterlich. Als im Herbst 2020 über 4.000 Unterschriften an Landeshauptmann Arno Kompatscher übergeben wurden, war sein Verständnis gespielt und scheinheilig, der üppige Landeshaushalt der Landesregierung jedoch seltsam leer“, erklärt die Initiative. 

„Während die Lebenshaltungskosten in Bozen und Umgebung längst Spitzen-Niveau erreicht haben, krebsen die Gehälter der Lehrkräfte an staatlichen Schulen noch immer am Lebensminimum herum. Besonders ‚würdevoll‘ gestaltete sich in den letzten Jahren der Abschied für eine ganze Generation von Pädagoginnen und Pädagogen, die in den Ruhestand gewechselt sind. Sie erhalten die Quittung zum Abschied: Sie gehen mit einer Rente in den Ruhestand, die auf Basis der jahrelang verschleppten, ungleichen Gehaltstabellen berechnet wird. Statt einer gerechten Nachzahlung für die angesammelten Gehaltsrückstände und die geleistete Mehrarbeit der vergangenen Jahrzehnte gab es zum Abschied den sprichwörtlichen, feuchten Händedruck“, schreiben die Lehrkräfte. 

Schulsystem: Die Lehrkräfte fordern eine Gleichbehandlung der Schulstufen und eine breite Debatte zur Zukunft der Bildung. Foto: Seehauserfoto

Sie richten nun den folgenden Aufruf an die Südtiroler Landesregierung, an die Schulgewerkschaften und den gesamten Bildungsbetrieb und an die Medien: Die im vergangenen Jahrzehnt in den Ruhestand verabschiedeten Lehrkräfte sollen für die verschleppte Gehalts- und Pensionsdifferenz entschädigt werden; Zweitens seien die verschiedenen Proteste im Bildungsbereich fortzusetzen und endlich eine breite öffentliche Debatte über das zukünftige Südtiroler Bildungssystem geführt werden. 

„Für den Blick auf die realen Bildungsfragen fehlt jedoch die Bereitschaft zur Wahrheit.“

Auch an die Medien wird appelliert, „die Verlautbarungsnachrichten zu beenden und den realen Bildungsnotstand samt dem Südtiroler Lohndumping sorgfältiger zu recherchieren“. Was in den Schulen in Südtirol los ist, interessiere den Bildungslandesrat Philipp Achammer und die Bildungsdirektion unter Sigrun Falkensteiner offenbar nicht. „Sie betreiben eine Verkürzung der Bildungspolitik auf von ihnen verordnete Etiketten: Inklusion für alle, keine Noten unter 4, Reduktion der Bewertungsabschnitte von zwei auf eine, emotionale Verantwortung und Sexualerziehung, (alles relevante Fragen)“, so die Initiative. 

Für den Blick auf die realen Bildungsfragen der Gegenwart und Zukunft und die erforderlichen strukturellen und personellen Weichenstellungen fehle jedoch die Bereitschaft zur Wahrheit: etwa der rasant steigende Lehrermangel, die Notlüge von den Quereinsteigern, der unübersehbar schrumpfende Sprachstand bei Kindern und Jugendlichen samt Bildungsdefiziten, der konzeptlose digitale Bildungsnotstand, die technische Ausstattung der Lehrkräfte, die soziale Integration einer ethnisch und administrativ getrennten Parallelgesellschaft zwischen Deutsch und Italienisch samt Migrationsproblematik. 

Die Initiative: „Die Benachteiligung der Lehrkräfte an staatlichen Schulen wird nicht behoben und all die Jahrgänge bisheriger Lehrkräfte fallen durch den Rost.“ Foto: Seehauserfoto

„Die Bildungspolitik und Schulverwaltung malen ein Bild, als gäbe es das alles nicht. Die Blindheit aber hat einen Namen, sie heißt hierarchische Loyalität. Und die Gewerkschaften sitzen auf der Wartebank und stellen sich an, als hätten sie ein Brett vor dem Kopf. Um den Protest der Lehrkräfte zu besänftigen, genehmigen Kompatscher und Achammer einen ‚Teilvertrag‘ mit einer Gehaltsaufbesserung für 15 Jahre Inflationsverlust. Das Lohnplus wird in den Medien seit Jahren verkündet, davon ist aber noch nichts angekommen. Die Benachteiligung der Lehrkräfte an staatlichen Schulen wird nicht behoben und all die Jahrgänge bisheriger Lehrkräfte fallen durch den Rost.“ 

„Das zentrale Versagen für all das liegt in der einseitigen Priorisierung von Landwirtschaft, Tourismus, Industrie, Sport, Mobilität und Straßenbau.“

„Das zentrale Versagen für all das liegt in der Haushaltspolitik mit der einseitigen Priorisierung von Landwirtschaft, Tourismus, Industrie und der Infrastrukturen in Sport, Mobilität und Straßenbau, wo die ungebremsten Investitionen mit öffentlichen (und teils auch privaten) Billiglöhnen finanziert werden. Während für diese Bereiche erhebliche öffentliche Mittel bereit stehen, werden die Lehrkräfte an den staatlichen Schulen trotz gegenteiliger Versprechen über Jahrzehnte systematisch ausgebremst“, so die Initiative. 

Das sei die Kehrseite für das stete ökonomische Wachstum „im begehrtesten Lebensraum Europas“ (Stefan Pan) mit der schrumpfenden Lebensqualität für Lohnabhängige und Einheimische. Die Initiative „Lehrerwunderland Südtirol“ erhebt deshalb eine Grundforderung: „Das Land Südtirol muss für die staatlichen Lehrkräfte, die in den letzten Jahren in den Ruhestand getreten sind, einen Entschädigungsfonds zur Wiedergutmachung der Gehaltsbenachteiligung einrichten. Wer über Jahrzehnte Verantwortung für die Bildung kommender Generationen getragen hat, darf nicht als Verlierer einer verfehlten Bildungs-, Personal- und Haushaltspolitik in den Ruhestand geschickt werden. Die Mobilisierung der Initiativgruppen und die Protestmaßnahmen im Bildungsbereich müssen fortgesetzt werden und zu einer breiten Debatte über das zukünftige Bildungssystem führen.“

Hinweis der Initiative

Im Unterschied zu den Lehrpersonen an den Landesberufsschulen verdienen die Lehrkräfte an den staatlichen Grund-, Mittel- und Oberschulen bei gleicher Vollzeitbeschäftigung im Laufe ihres gesamten Berufslebens rund 150.000 Euro weniger. Diese Gehaltsdifferenz habe dem Land im Laufe der Jahre Einsparungen in Millionenhöhe ermöglicht. Besonders gravierend sei, dass bis heute nicht alle Bestandteile der Landeszulage für die Pension berücksichtigt werden.

Kommentare

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Profil für Benutzer Robert Hölzl
Robert Hölzl Do., 09.07.2026 - 11:13

Sie krebsen am Lebensminimum herum. Das ist eine Beleidigung für alle Menschen, die wirklich Probleme mit dem Auskommen haben. Aber im Zentrum der Welt stehen nunmal die Lehrer.

Do., 09.07.2026 - 11:13 Permalink
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Salto User
Josef Fulterer Do., 09.07.2026 - 13:20

Mich würde interressieren ob die -e d l e n- Landtags-Abgeordneten, „auch solange auf die Aufbesserungen warten, die -s i e- sich selber bei jedem Hauch von INFLATION seit 2018 bereits zum ...? xten Mal geschnappt haben ...???“

Do., 09.07.2026 - 13:20 Permalink
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Profil für Benutzer Anna Berghard
Anna Berghard Do., 09.07.2026 - 14:17

Was noch völlig fehlt, ist die Umsetzung der 1998 vom Land zugesagten dienstaltersbezogenen Gehaltsvorrückungen. Dies hat auch zu enormen Einbußen bei den Pensionen geführt. Der Ausgleich muss ruhegenussfähig erfolgen, da ansonsten einer ganzen Generation von Lehrkräften Altersarmut droht.

Do., 09.07.2026 - 14:17 Permalink