Sag, Pupperl!

Fritto Misto
Was macht das mit uns, wenn Avatare und Chatbots vorwiegend weiblich sind? Nichts Gutes.

Die Landespolizeidirektion Oberösterreich hat seit kurzem Verstärkung im Bereich der Bekämpfung von Online-Verbrechen: Ein KI-Avatar, also eine durch und durch computergenerierte Figur, die aber einem Menschen täuschend ähnlich sieht, soll Beamten zukünftig darin schulen, die sogenannte Cyberkriminalität effizienter zu bekämpfen. So weit, so unspektakulär: Dass die Künstliche Intelligenz Eingang in alle Lebensbereiche findet und wir zunehmend mit digitalen Helfern kommunizieren, daran gewöhnen wir uns gerade. Bemerkenswert ist allerdings, dass diese Helfer sehr oft als junge, hübsche Frauen konzipiert werden. 

So ist der oben erwähnte KI-Assistent nicht etwa Walter, 65, der im Ruhestand sein umfangreiches Wissen zu Online-Ganoven weitergeben will: Nein, es ist Charlotte, eine bildhübsche Blondine Ende 20, Maße unter der Polizeiuniform wohl 90-60-90, die in nur leicht stockendem oberösterreichischem Dialekt bereitwillig ihre Dienste zur Verbrechensbekämpfung anbietet. Kein Wunder, dass der Landespolizeidirektor im Demo-Video verliebt schaut: Charlotte ist der Avatar-gewordene feuchte Polizistinnen-Traum von zweifellos männlichen Programmierern. „Olladings“.

Charlotte ist der Avatar-gewordene feuchte Polizistinnen-Traum von zweifellos männlichen Programmierern.

Ähnliches, wenn auch weniger „Alpenbarbie“, wie es ein Kommentar auf den Punkt brachte, kennen wir von Isabel, dem Chatbot des Tourismusvereins Eppan. Ein wenig älter als Charlotte, da leichte Anzeichen von Fältchen (impliziert Erfahrung, die kennt bestimmt die besten Wanderwege in Perdonig - in einer früheren Version stand hier Oberplanitzing, bis sich ein Eppaner Bürger zu Recht echauffierte!), aber noch defintiv unter 40, brünett, normschön, schlank. „Der weibliche Name gibt der Beratung eine freundliche, persönliche Form“, antwortet sie distanziert, wenn man sie fragt, warum sie denn gerade ein weiblicher Bot sein muss, und wirft die Frage auf: Sind Männer als Berater unfreundlich und unpersönlich?

Tatsächlich fällt es Menschen offenbar leichter, Frauen um Auskunft oder Hilfe zu bitten: Assistentinnen, Sekretärinnen, etc. sind traditionell weiblich, die Mama, die ewig um Rat gefragt wird, ist weiblich, und dass Chatbots diese Geschlechterzuschreibung weiterführen, zementiert das Ganze leider auch noch. Erschwerend kommt hinzu, dass wir in der Kommunikation mit den Isabels oder auch mit Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana (fällt Ihnen was auf?) im Bewusstsein, dass keine Menschen dahinter stecken, ruppiger sind. Was macht das mit uns, wenn wir uns daran gewöhnen, in harschem Ton mit weiblich konzipierten, unterwürfigen und nimmermüden Befehlsempfängern umzugehen? Wer garantiert, dass uns da die Höflichkeit nicht auch im realen Miteinander abhanden kommt, Frauen keine Abwertung erfahren? Bereits 2019 warnte die UNESCO vor den Auswirkungen und forderte unter anderem dazu auf, geschlechtsneutrale Assistenten zu entwickeln. 

Apple hat auf diesbezügliche Kritik reagiert: Siri, die in den USA ursprünglich nur mit Frauenstimme zu haben war, kann man mittlerweile auch ein paar Oktaven tiefer stellen. Und wäre doch nett, wenn den Isabels ein paar Franzens oder Antonios, gern auch älteren Semesters, zur Seite gestellt würden, die wir mit Fragen löchern können. Mal sehen, ob mindestens 5 % der Anfragen sich dann auch um ihr Sexleben drehen würden.       

Kommentare

Bild
Profil für Benutzer gorgias
gorgias Do., 16.07.2026 - 19:44

Man bevorzugt grundsätzlich weibliche Repräsentanten. So sind Fernsehmoderatoren, Nachrichtensprecher und Pressesprecher in der Mehrzahl weiblich.
Auch in viele Werbungen sind Frauen wenn nur eine Person vorkommt meist weiblich. Und in Gruppenbilder sind die Frauen in der Mehrzahl und die Bildkomposition ist so gesetzt, dass die zentrale Figur weiblich ist.
Das fällt einem wohl nicht ein, weil man da den Sexismusvorwurf nicht hinbekommt.
Aber nun bei den Avataren und den Stimmen der KI’s schafft man es wieder ohne sich blöd vorkzukommen.
Das beste wäre ein asexuelles oder androgynes Zeichentrick-Maskottchen. Oder gleich Zini der gelbe Punkt aus Spaß am Dienstag aus den 80zigern.
Ach übrigens: Wo ist der Spaß geblieben?

Do., 16.07.2026 - 19:44 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Manfred Klotz
Manfred Klotz Fr., 17.07.2026 - 06:49

Antwort auf von gorgias

Ihre Behauptung zur überwiegend weiblichen Besetzung von Positionen bei Fernsehmoderatoren und Nachrichtensprechern, ist falsch. Wenigstens im ÖRR werden diese Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch Italien paritätisch besetzt.
In der Werbung kommt es in erster Linie auf das Produkt an und in zweiter auf die Kunden, die man ansprechen will.

Fr., 17.07.2026 - 06:49 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Herta Abram
Herta Abram Fr., 17.07.2026 - 08:28

Antwort auf von gorgias

gorgias: Wenn traditionelle Rollenbilder und männliche Privilegien durch gesellschaftlichen Wandel ins Wanken geraten, kann dies bei einigen Individuen Abwehrmechanismen auslösen um eigene Schwächen, Minderwertigkeitsgefühlen, Versagensängste oder soziale Unsicherheiten zu überspielen.

Sie, oh und einige andere Kommentatoren geben regelmässig Beispiele zu dieser Gruppe....

Fr., 17.07.2026 - 08:28 Permalink
Bild
Salto User
Manfred Gasser Fr., 17.07.2026 - 12:34

Antwort auf von gorgias

„Auch in viele Werbungen sind Frauen wenn nur eine Person vorkommt meist weiblich“
Frauen sind eigentlich immer weiblich, oder?
Meist „weiblich“, und dazu noch sehr attraktiv, sind die Avatare, warum das so ist?
Naja, sie werden meistens von Männern kreiert, ist das Grund genug?

Fr., 17.07.2026 - 12:34 Permalink
Bild
Salto User
Oliver Hopfgartner Do., 16.07.2026 - 19:52

Es spricht einiges dafür solche Systeme weiblich zu designen.

Selbst wenn zwei KI-Systeme inhaltlich vollkommen identisch reagieren, können Menschen sich ihnen gegenüber unterschiedlich verhalten.

„Weibliche“ Antworten werden tendenziell als freundlicher und kooperativer wahrgenommen, während „männliche“ Antworten als technischer und teilweise auch autoritativer wahrgenommen werden.

Der weibliche Charakter hat auch eine gewisse deeskalierende Wirkung. Wenn jemand „brennheiß“ ist, wird das Aggressionslevel einem gefühlt weiblichen Kundensupport gegenüber eher abnehmen als gegenüber einem gefühlt männlichen Kundensupport.

Was die Äußerlichkeiten angeht: Ja wie sollen sie denn die KI gestalten? Sich an den Grundprinzipien der Ästhetik zu orientieren erscheint mir wesentlich sinnvoller als die KI mit Bierbauch und ungepflegten Zähnen zu gestalten.

Do., 16.07.2026 - 19:52 Permalink
Bild
Salto User
Oliver Hopfgartner Fr., 17.07.2026 - 09:59

Antwort auf von Herta Abram

Ein Denkfehler ist es, dass Kritiker von Männlichkeit unmännliches Verhalten als „männlich“ framen.
Ein Mann hat es nicht nötig eine Frau zu schlagen oder herabzuwürdigen, Solches Verhalten kommt nicht von Männern, sondern von Personen mit einem Mangel an Männlichkeit. Das ist deswegen problematisch, weil dadurch Männlichkeit an sich negativ geframed wird und dadurch eine Front entsteht, die verhindert, dass man gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeitet.

Dass du Leuten die darauf hinweisen wiederholt empfiehlst, sie sollten sich Hilfe suchen, ist Teil des Problems.

Fr., 17.07.2026 - 09:59 Permalink
Bild
Profil für Benutzer K V
K V So., 19.07.2026 - 09:18

Antwort auf von Herta Abram

Was die Einhaltung respektvoller Umgangsformen bzw. Netiquette mit Mann/Frau oder Emanzipation zu tun hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. Wer unsachlich wird und ständig ins persönliche abrutscht, verliert an Glaubwürdigkeit, macht selbst ein schlechtes Bild und erweist der Sache - die eigentlich von Wert wäre - einen Bärendienst.

So., 19.07.2026 - 09:18 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Stefan S
Stefan S So., 19.07.2026 - 13:15

Antwort auf von K V

Sorry aber wer hier solchen Mist
„Ein Mann hat es nicht nötig eine Frau zu schlagen oder herabzuwürdigen, Solches Verhalten kommt nicht von Männern, sondern von Personen mit einem Mangel an Männlichkeit“
verbreitet, braucht sich nicht zu wundern.
Und das in einer Zeit wo deutlich wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Gewalt und sexualisierte Gewalt überwiegend von Männern ausgeht. Und überwiegend bedeutet hier 90% + X
Die Täter Opfer Umkehr welche Ihr hier betreibt ist zum Fremdschämen.
Hier ein wenig Aufklärung dazu
https://www.zeit.de/gesundheit/2026-05/sexualitaet-maenner-frauen-gewal…

So., 19.07.2026 - 13:15 Permalink
Bild
Salto User
Oliver Hopfgartner So., 19.07.2026 - 13:55

Antwort auf von Stefan S

Wenn jemand Aussagen von Mitmenschen für „Mist“ hält, kann er das auch sachlich adressieren ohne persönlich untergriffig zu werden.

Deine Sichtweise geht von Prämissen aus, die ich nicht teile und die ich für objektiv falsch halte. Du verwendest „männlich“ nämlich rein biologisch. Ich hingegen spreche von den Werten, die hinter „Männlichkeit“ stehen. Ich stimme daher zu, dass zu viele biologische Männer gewalttätig und übergriffig sind. Wenn wir uns die biologischen Männer aber genauer anschauen, dann stellen wir fest, dass die Männer, die zu Gewalt und zu Missgunst neigen nicht die Ideale von Männlichkeit im Sinne männlicher Werte verkörpern.

So., 19.07.2026 - 13:55 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Stefan S
Stefan S Mo., 20.07.2026 - 17:12

Antwort auf von Oliver Hopfgartner

Meine Bewertung ist klar begründet und Ihre an den Haaren herbei gezogene Männlichkeit dient nur der Klassifizierung.
Gegenteil von Männlichkeit wäre dann Fraulichkeit. 🤦‍♀️
Ihre libertären Gedanken sind mal wieder all zu offensichtlich. Viele Grüße an Spahn und Thiel

Mo., 20.07.2026 - 17:12 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Herta Abram
Herta Abram Do., 16.07.2026 - 20:45

Die Annahme, dass weibliche Avatare durch Anpassung an männlich dominierte Zwergenmännlichkeit-Stereotype traditionelle Geschlechterrollen verfestigen, ist ein bekanntes Phänomen. Indem weibliche Figuren oft lediglich als „weibliche Versionen“ männlicher Normen entworfen werden, statt eigene, vielfältige Identitäten zu erhalten, wird Diversität in der Darstellung häufig eingeschränkt
......scheint Zwergenmännlichkeiten entgegen zu kommen, so eine Verfestigung von Stereotypen....

Do., 16.07.2026 - 20:45 Permalink
Bild
Profil für Benutzer Andrés Carlos Pizzinini
Andrés Carlos … Sa., 18.07.2026 - 07:58

In der Vergangenheit war Berater das hohe Amt von Humanisten und Propheten. Die Rolle einer Sekretärin, auch einer Assistentin, ist eine andere. Es werden hier zwei unterschiedliche Figuren vermengt. Jedenfalls regt der in meinen Augen sehr gut geschriebene Text zum reflektieren an; vor allem „normschön“ gefällt mir.

Sa., 18.07.2026 - 07:58 Permalink