Jana Gavorova ist wahrscheinlich jene Frau mit der umfassendsten Erfahrung in theoretischer und praktischer Biolandwirtschaft in Südtirol: Seit 25 Jahren betreut sie die verwalterischen Agenden bei Bioland Südtirol, und seit vier Jahren ist sie als Mitarbeitervertreterin Mitglied des Landesausschusses, dem beratenden Organ. „Mein Interesse an der Gremienarbeit entstand schon früh durch den engen Austausch mit den Bäuerinnen und Bauern. Gerade in den Anfangsjahren, als wir noch in einem kleinen Büro in Terlan arbeiteten, war dieser Kontakt besonders intensiv. Da erledigte ich neben der Verwaltung auch vieles andere, etwa die Ausnahmegenehmigungen oder die kleineren Beratungen und bekam so einen direkten Einblick in die Anliegen unserer Mitglieder.“
All das ist ihr nun im Landesausschuss von Nutzen. Die Entwicklung von Bioland hat sie über 25 Jahre miterlebt. Während die Anfangszeit von Pioniergeist, regionalem Zusammenhalt und politischer Vision geprägt war, sieht sie heute eine andere Art von Engagement:
Heute ist es wichtig, die Bio-Bewegung und damit die Mitglieder zu halten und zu motivieren, auch ist eine Weiterentwicklung nur möglich, wenn wir die politischen Rahmenbedingungen gut gestalten, also praktisch und lösungsorientiert verhandeln.
Auch ihre eigene Tätigkeit hat sich stark verändert. Aus einer breit angelegten Verwaltungsarbeit entwickelte sich eine Spezialisierung auf Buchhaltung und Verwaltung. „Ich habe Elektrotechnik studiert, bevor ich aus der Slowakei nach Südtirol umzog. Von daher habe ich wohl ein Händchen für Zahlen.“ Besonders die Umwandlung des Vereins in eine Genossenschaft brachte große organisatorische Veränderungen mit sich. Da habe man schon einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, sagt sie heute. Ihr ist wichtig, dass die Mitglieder bei den Entscheidungen der Bioland-Führung stets mitgenommen werden. Die Informationen die auf die Mitglieder niederkommen, müssten im Bioland Büro gefiltert werden, der Biobereich sei immer schon etwas komplexer gewesen, deswegen sei eine gute Kommunikation zwischen Mitgliedern und Verband das Um und Auf. Trotzdem findet sie es unerlässlich, dass der Biolandbau strengen Kontrollen unterliegt, „denn so bleiben wir glaubwürdig.“
Mehrere Jahre lebte sie selbst auf einem Bioland-Hof und kennt auch dadurch den bäuerlichen Alltag. Sie weiß um die Erfahrungen mit belastetem Grundwasser und den Umgang mit Pestizidabdrift; deswegen ist ihre Überzeugung für die Biolandwirtschaft unverändert. Heute lebt sie mit großem Garten und vielen Obstbäumen in Südtirol. Außerdem pendelt sie regelmäßig in ihre slowakische Heimat bei Bratislava, wo ihre Mutter im Seniorenheim lebt und sie sich zusätzlich um das Elternhaus und den Garten kümmert.
Laetitia Perger - von der Literatur in die Landwirtschaft
Laetitia Perger aus Prad im Vinschgau ist ebenfalls eine der Frauen, die im Landesausschuss von Bioland Südtirol vertreten ist: sie vertritt die Viehwirtschaftsgruppe Vinschgau. „Ich habe auf verschiedenen Betrieben und Höfen gearbeitet und dort meine Erfahrungen gesammelt, ich weiß was Bauern und Bäuerinnen bewegt,“ sagt die Boku-Studienabgängerin, die in Wien Agrarwissenschaften studiert hatte und engagiert am Wiederaufbau des Hofes ihres Bruders Emilian beteiligt war.
Hingezogen hatte es sie stets zu Sprachen und Literatur, aber dann geriet die Agrarwissenschaft in ihren Fokus: „Da ist so vieles gut gebündelt beieinander, von der Soziologie, Pflanzenbau, der Betriebswirtschaft, diese Kombination enstpricht mir sehr“, bekräftigt sie. Eine Nichtspezialisierung habe sie angestrebt, ein breites Aufgestelltsein im Tun und Umsetzen, ähnlich jener der beiden Großmütter, die sie als präsent und prägend erinnert. So habe sie die Landwirtschaft kennen und schätzen gelernt, die stete Arbeit, die Natur, das Wirtschaftliche, von Null auf. „Ich bin eine Zeitlang als Hirtin auf die Almen gegangen, weil ich die Tiere liebe und mich in der Natur einfach zugehörig fühle. Das einfache Leben, die Weite und die enge Verbindung zu den Tieren haben mich immer erfüllt.“ Unser Telefongespräch führt sie eben von dort aus, von der Alm, allerdings sei es diesmal nur für kurze Zeit, sagt sie.
Eine Nichtspezialisierung habe sie angestrebt, ein breites Aufgestelltsein im Tun und Umsetzen, ähnlich jener der beiden Großmütter, die sie als präsent und prägend erinnert.
Man kennt sich im Oberen Vinschgau, Laetitia Perger ist Mitglied und Mitarbeitende bei der Bürgergenossenschaft Da, ebenso bei Elisabeth Prugger und ihrem Gemüsebaubetrieb. „Ich bin eine gute Zuarbeiterin, kann mich dabei so richtig entfalten, Ideen beisteuern, mitgestalten.“ Sie sei weniger die Anführerin, oder jene die vorangeht. Dennoch ist sie im Landesausschuss mit Sitz und Stimme dabei und bringt sich ein. „Weil es mir leid tut, dass wir so wenige Frauen sind, die sich aktiv äußern.“ Die Nicht-Präsenz sei keine Option, sagt sie.
Kommentare
....diese frauen haben alles…
....diese frauen haben alles, was dem patriarchalen männerbund bb fehlt....
Frauen in der Landwirtschaft – insbesondere durch Netzwerke wie die Bio|Bäuerinnenorganisationen – bringen Perspektiven und Werte ein, die in traditionell patriarchalisch geprägten Agrarstrukturen (wie oft dem klassischen Bauernverband, kurz BB) historisch zu kurz kamen und immer noch zu kurz kommen!
Ganzheitlicher Ansatz: Wirtschaftlicher Erfolg wird mit sozialer Absicherung und emotionaler Gesundheit der Familie verknüpft.
Lebensraum im Blick:
Ihr Fokus liegt meist auf der gesamten Lebensqualität im ländlichen Raum, nicht nur auf reinen Produktionszahlen.
Zukunftsorientierung:
Themen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität und sanfter Tourismus werden von Frauen oft frühzeitiger besetzt....uvm.