Das Brandenburger Tor nach dem Attentat auf den CSD: ein Terrorakt mit religiös-fundamentalistischen Motiven. Bild: Orator/ Wikimedia
Gesellschaft | Sie haben gut reden

Wenn Freiheit keine Richtung hat

Geflüchteten Menschen aus muslimisch geprägten Kulturen stehen konträr zu unseren freiheitlichen Werten, wenn es um die LGBTQIA+-Community geht. Ein Erklärungsversuch.

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Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin am 25. Juli 2026 war ein Terrorakt mit religiös-fundamentalistischen Motiven. Der Täter war ein 21 Jahre alter Mann, der in Deutschland geboren wurde und dessen Eltern aus Lybien stammen.

Berlins Bürgermeister Kai Wegner bekräftigt gemeinsam mit Vertretern der Bewegung LGBTQ+, dass der Akt ein Angriff gegen unsere Freiheit ist; eine Freiheit, „die wir uns nicht nehmen lassen“. Dieselbe Freiheit, die wir Menschen in der Wahl ihrer sexuellen Orientierung zugestehen, konzedieren wir Migranten, in der Wahl ihrer neuen Heimat. Unter Merkels Motto „wir schaffen das“ wurden im Jahr 2015 rund 20.000 Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen. Keine Diskriminierung: weder aufgrund der Herkunft noch aufgrund der sexuellen Ausrichtung. 

„Deutschlands undifferenzierte Aufnahme von Menschen, welche die europäischen Freiheitswerte kategorisch ablehnen, war ein schwerer Fehler.“

Die im Krisenjahr 2015 nach Deutschland geflüchteten Personen stammten größtenteils aus Syrien, Afghanistan und Irak. In Syrien werden homosexuelle Handlungen mit bis zu drei Jahren Haft bestraft, im Irak mit bis zu 15 Jahren, in Afghanistan droht die Todesstrafe. Die Schwere der Straftat entspricht, wenn mit dem italienischen Gesetz verglichen, in der optimistischen Auslegung dem Besitz pedopornographischen Materials, in der strengeren Auslegung ist sie mit Mord vergleichbar. Ähnlich, wenn auch nicht so streng, ist die rechtliche Handhabe in den maghrebinischen Ländern, also in Nordafrika. Auch die Änderung des biologischen Geschlechts ist in diesen Ländern streng verboten. Die aus diesen Gebieten geflüchteten Menschen haben mit anderen Worten eine kulturelle Prägung, die zumindest in diesem Punkt völlig konträr zu unseren freiheitlichen Werten steht. 

Ich habe persönlich im Laufe der Jahre nicht wenige Menschen aus diesen und anderen muslimischen Ländern kennengelernt. Einige sind bis auf den heutigen Tag Freunde: wertvolle und anständige Menschen, manchmal beeindruckende Persönlichkeiten. Doch deren Meinung zu queeren und homosexuellen Menschen spiegelt ziemlich genau die grausamen Gesetze ihrer Herkunftsländer wider. 

Deutschlands undifferenzierte Aufnahme von Menschen, welche die europäischen Freiheitswerte kategorisch ablehnen, war ein schwerer Fehler, den heute selbst die großen Regierungsparteien der Mitte eingestehen, wenn meist auch nicht explizit. 

Aus alledem lernen wir, dass unsere heißgeliebte Freiheit um ihrer selbst willen in Europa ein defizitäres Konzept ist: Ich kann in Freiheit sowohl etwas Gutes als auch etwas Schlechtes tun. Wenn die Freiheit keine Richtung hat, so richtet sie sich gegen sich selbst. Das ist eine Theorie. Doch die lange Reihe der Terrorattentate in Deutschland in den letzten 20 Jahren ist eine Tatsache.