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Jetzt S+ abonnieren!In Südtirol hat die Politik seit der Ära Durnwalder mehr Mitspracherecht beim Denkmalschutz. Das, aber auch viele andere Dinge, unterscheiden Südtirol von den restlichen Provinzen Italiens. Überhaupt sind „wir“ in vielen Angelegenheiten Weltmeister. Oder geben uns zumindest gerne weltmeisterlich und setzen „uns“ gerne selbst ein Denkmal.
Dem Anschein, dass diese letzte Amtszeit von Arno Kompatscher „quasi Ausdruck“ dafür sei, den sich seit einigen Jahren eingebürgerten Halbzeit-Medienauftritt in den Räumlichkeiten der Gastgeberin und Landeskonservatorin Karin Dalla Torre abzuhalten, und er nun „also schon der Geschichte angehöre“, widersprach der Landeshauptmann: Das sei keineswegs das Signal, das er senden wolle. Auch sei er laut eigener Aussage noch nicht reif fürs Museum, sondern er setze mit der Wahl des Austragungsortes ein Zeichen für den Schutz: den Schutz der Identität, „unserer“ Kultur und „unserer“ Autonomie – aber immer auch mit einer Perspektive in Richtung Zukunft.
Manchmal entstand während seines Monologs der Eindruck, als platze ihm dennoch sein softer Kragen.
Der Ball war also einigermaßen mit einer Pointe und einer leicht verständlichen gedanklichen Brücke gut vorgelegt. Kompatscher wollte ihn flachhalten. Keine Quer- oder Fehlschüsse. Sein Auftritt nach dem fast pünktlichen Anpfiff plätscherte etwas dahin – wie ein Fußballspiel um den dritten Platz, bei dem es eigentlich um nicht viel geht, bei dem die Mitspieler und Mitspielerinnen in Regierung und Partei durch Abwesenheit glänzen. Auf den Stühlen im Saal hatten hingegen hohe Beamte und Beamtinnen Platz genommen. Sie stärkten Arno Kompatscher den Rücken, während er sich rhetorisch einwandfrei immer wieder selbst den Ball zuspielte und erfahren nach vorne spielte: ruhig, lässig und freundlich. Doch während er im Spiel um die Geschichte und Geschicke des Landes die Fassade aufrechterhält, brodelt und bröckelt es im Hintergrund. Davon wollte heute allerdings niemand etwas hören. Kompatscher war um Ausgleich bemüht und konnte diesen lange halten. Allerdings spielt er – auch wenn er gerne von links anläuft – seit zwei Jahren vor allem über die rechte Seite. Wirklich schöne Tore oder gar gute Chancen bleiben deshalb außen vor.
Manchmal entstand während seines Monologs der Eindruck, als platze ihm dennoch sein softer Kragen. Dann unterstrich er etwas lehrerhaft, was man wo nachlesen und genau nachprüfen könne – als würde irgendjemand daran zweifeln, er, der Arno, wäre nicht der Beste auf dem Feld, oder er, der Arno, würde seine gesamte Arbeit nicht wie ein Bauer auf einem geschlossenen Hof bestens verwalten. Ob er diesen vielleicht am Ende doch noch federführend weiterführen werde, will am Ende auch jemand im Publikum wissen. Nein, sagt Kompatscher.
Zurück zum Anfang. Die ersten 30 Minuten waren geprägt von persönlicher Schulterklopferei, erinnernden Worten zur schwierigen Regierungsbildung nach der Wahl 2023, die aufgrund des komplexen Wahlergebnisses problematisch gewesen sei und zur Bildung einer bisher ungewöhnlichen Fünf-Parteien-Koalition geführt habe. Entgegen verbreiteter Darstellungen sei die Autonomiereform, betonte der Landeshauptmann mit Nachdruck, nicht erst durch die Koalitionsbildung entstanden, sondern bereits vorher vorbereitet worden. Die erreichten Reformen würden die finanziellen Grundlagen für die autonome Gestaltung Südtirols auf jeden Fall verbessern.
Die zweite Halbzeit wird hoffentlich besser.
Ein wichtiges Zukunftsprojekt ist die Einrichtung eines Dokumentationszentrums für Minderheitenschutz. Dieses werde zeigen, wie der Schutz sprachlicher und kultureller Minderheiten funktioniere und welche Herausforderungen weltweit bestünden. Auch eine stärkere Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen ist für den neuen (babylonischen) Tempel Bozens vorgesehen. Auch ein Büro für Kompatscher?
Natürlich wird im gleichen Haus das Bibliothekszentrum entstehen – die eigentliche Ursprungsidee von vor 20 Jahren. Allerdings ist sie etwas ins Hintertreffen geraten. Tatsache ist, dass in jenem Gebäude – in dem vor wenigen Wochen aus einem Missverständnis heraus die bestehende und monumental zum Haus führende Treppe abgetragen wurde – künftig die Sprachen und Kulturen Südtirols unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt werden sollen. So der Plan zum Haus, wo noch der passende Zugang fehlt.
Kurz weht ein laues (und linkes) Alexander-Langer-Lüftchen durch die alten Räume. Wie erfrischend.
Der Rest seiner „Halbzeit“ ist durchaus weniger links, sondern deutlich rechter, als es Kompatscher selbst vor einem Dutzend Jahren wohl vorhergesehen hätte. Wie weit sich Südtirol nach rechts verschoben hat, ist aber doch mehr als haarsträubend. Der Landeshauptmann umgibt sich mit Menschen, die den Begriff Menschlichkeit weder verstehen noch buchstabieren können. Kompatscher nimmt es zu oft hin und schweigt. Eigentlich eine Tragödie. Aber anscheinend funktioniert so Politik. Lieber betont er in der Dauerschleife, dass (sein Schutzschild) Autonomie super, aber kein Selbstzweck sei. Sie müsse vor allem den Bürgerinnen und Bürgern dienen, indem sie bessere Gesetze, eine effizientere Verwaltung und mehr Lebensqualität ermögliche. Ein großes Reformprojekt ist zudem die bürgernahe Verwaltung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die ökologische Nachhaltigkeit.
Dieses Gefühl mangelnder Gerechtigkeit sei allerdings auch ein wichtiger Nährboden für Populismus.
In der letzten Viertelstunde von Kompatschers 45-minütigem Auftritt spricht er über seine wichtigste politische Herausforderung: soziale Nachhaltigkeit und mehr Gerechtigkeit. Er malt schöne Bilder zu Kaufkraftverlust, Wohnungsbau, leistbarem Wohnraum und einer gerechteren Gesellschaft. Dann wird er sogar weltpolitisch. Er kritisiert, dass große Konzerne zunehmend Einfluss gewinnen und viele Menschen inzwischen das Gefühl haben, dass gesellschaftliche Entwicklungen nicht mehr gerecht verlaufen. Dieses Gefühl mangelnder Gerechtigkeit sei allerdings auch ein wichtiger Nährboden für Populismus. Populistische Bewegungen sind es ja auch, die Regierungen und Institutionen als unfähig oder verräterisch darstellen und einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten.
Nach dem finalen Pausenpfiff zur ersten Halbzeit geht Kapitän Arno Kompatscher optimistisch und von einem erfolgreichen Modell Südtirol in Europa schwärmend vom Platz. Wem er das Feld überlassen wird, steht noch nicht einmal ansatzweise im Spielraum. Seine zweite Halbzeit wird hoffentlich spielerisch besser. Vielleicht sollte er doch mal wieder mehr über links spielen. Wer zu lange vorwiegend über rechts spielt, landet im Abseits.
Kommentare
Schwach, schwächer,…
Schwach, schwächer, Kompatscher ...
Antwort auf Schwach, schwächer,… von G. P.
Gut, besser, Hanni.
Gut, besser, Hanni.
Unter KOMPATSCHER mit den…
Unter KOMPATSCHER mit den gestopften Landes-Räten, wurden die untersten Lohn-Empfänger ärmer + auch der Mittelstand muss mehr überlegen ... ...!
Die I D M darf Südtirol verstopfen ... + die ALPERIA die Strom-Abnehmer abzocken ...!
Kompatscher- ein Meister des…
Kompatscher- ein Meister des Geschwätz.
Ganz ehrlich, wenn jemand…
Ganz ehrlich, wenn jemand diese Pressekonferenz nicht miterlebt hat, welchen Erkenntnisgewinn, welche Informationen bietet die Nacherzählung? Was steht den Aussagen Kompatschers entgegen, was nicht? Also inwiefern, ist der Auftritt Schönfärberei, oder eine Finte, um beim Fußball zu bleiben, und warum?
Ich denke diese kritischen Aspekte würden die meisten Leser mehr interessieren, als Flankenläufe, die immer am Rande bleiben.
Außer der Artikel gilt als Glosse, dann passt auch eine ironische Darstellung von eigentlichen Nebensächlichkeiten.
In diesem Sinn sind die bisherigen Kommentare wohl eher ein Reaktionsfoul, als gekonntes Tackling. Mal sehen ob der VAR eingreift.
Seine über 12 Jahren…
Seine über 12 Jahren andauernde Schaufenster-Politik und Beliebigkeit überzeugt wohl kaum noch. Auch nicht, dass die Fehler vor allem bei den anderen lagen.
Es wurde in dieser Zeit vor allem grundlegendes Vertrauen zerstört und hat gewisse Kräfte erstarken lassen.
Die Folgen seiner Politik wird das Land und die Bevölkerung zu tragen haben. Da ist der LH dann aber schon weg.
Das slim-fit Rudel.
Das slim-fit Rudel.
Am bedenkenswertesten ist…
Am bedenkenswertesten ist die Aussage KOMPATSCHERS,dass der Abstand zwischen Arm und Reich schmäler geworden ist? Herr Perini hat gestern in den RAI Abendnachrichten erklärt,dass dies nur teilweise stimmt,also Herr Kompatscher,als Landeshauptmann Südtirols hätte ich mir mehr Korrektheit erwartet,Schönferberei brauchen wir nicht,und Selbstlob erst recht nicht!